Wann und für wen sind Kondome besonders geeignet?

Kondome für Männer gehören weltweit zu den am häufigsten eingesetzten Verhütungsmitteln. Unter allen Methoden ist es die einzige, die nicht nur eine Schwangerschaft, sondern auch fast jede Art von sexuell übertragbarer Krankheit (inkl. HIV/ AIDS) sicher verhindern kann.

Präservative, wie Kondome auch genannt werden, sind mit rund 50 Cent pro Stück recht preiswert und man bekommt sie ohne Altersbeschränkung unkompliziert und rezeptfrei an vielen Orten, so z.B. in Supermärkten, in Apotheken, an Tankstellen, Automaten etc. Vorteilhaft ist, dass diese Methode nahezu nebenwirkungsfrei ist und auch nur bei tatsächlichem Bedarf verwendet werden muss. Man sollte unbedingt darauf achten, nur Kondome von namhaften Firmen mit entsprechendem Qualitätsstandard (inkl. aufgedruckter, sogenannter CE-Nummer) zu kaufen.

Keine Samenzelle erreicht den weiblichen Körper

Die hauchdünne Membran des Kondoms schmiegt sich wie eine zweite Haut um das steife Glied. Eine rund 1 cm große, meist zipfel- oder tropfenförmige Aussparung an der Spitze erlaubt das sichere Auffangen der Samenflüssigkeit nach dem Erguss. Somit erreicht bei korrekter Anwendung kein Spermium den weiblichen Körper und es kann somit keine Befruchtung stattfinden.
Durch die Verwendung von Kondomen bleiben wahrscheinlich auch sogenannte humane Papillomaviren „außen vor“. Da einige von ihnen Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen, auslösen, geht man davon aus, dass der Kondomgebrauch auch hier oftmals eine schützende Wirkung hat.

Bei richtiger Anwendung doppelter Schutz

Die sogenannte kontrazeptive Sicherheit des Kondoms ist recht hoch, hängt aber maßgeblich von einer richtigen und regelmäßigen Anwendung ab. Der Pearl-Index liegt bei etwa 3 - 4, dass heißt, von 100 Paaren, die ausschließlich diese Methode über ein Jahr praktizieren, werden 3 oder 4 trotzdem schwanger. Dieses liegt übrigens äußerst selten daran, dass ein vorher unbeschädigtes Kondom platzt, sondern vielmehr an offensichtlich falscher oder sogar fehlender Anwendung. Mit dem oben genannten Pearl-Index liegt das Präservativ bei durchschnittlicher, typischer Verwendung noch in einem guten Mittelfeld. Im Falle korrekter, idealer Anwendung liegt der Pearl-Index bei etwa 1. Bei inkorrekter Nutzung steigt das individuelle Risiko schwanger zu werden natürlich deutlich an. Wer sich bzw. seinem Partner eine sorgfältige und motivierte Verwendung von Kondomen nicht zutraut, sollte lieber auf andere Verhütungsmittel zurückgreifen.

Beim „ersten Mal“ meistens dabei

In jedem Fall kann man – zur Steigerung der Sicherheit, aber auch zur Vermeidung von Geschlechtskrankheiten – Kondome mit nahezu allen anderen Verhütungsmitteln kombinieren. Der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten macht die Nutzung besonders empfehlenswert, wenn man häufig wechselnde Sexualpartner hat oder aber der Partner noch anderweitige Kontakte hat. Auch bei neuen oder riskanten Bekanntschaften ist man mit Kondom auf der sicheren Seite. Wegen der unkomplizierten Beschaffung werden Kondome auch sehr häufig bei den ersten Sexualkontakten von Teenagern verwendet. Die Nutzung von Präservativen ist aber natürlich auch in festen und langjährigen Partnerschaften oftmals genau die richtige Wahl – insbesondere auch in Situationen, in denen einige andere Verhütungsmittel weniger geeignet sind (z.B. bei unregelmäßigem Zyklus, in der Stillzeit oder in den Wechseljahren).

Kontrolle und Verantwortung liegt beim Mann

Mit Ausnahme der Sterilisation/ Vasektomie ist die Verwendung von Kondomen die derzeit einzige Methode, bei welcher der Mann die Verantwortung für die gemeinsame Verhütung übernimmt oder zumindest maßgeblich mit trägt. Im Rahmen einer partnerschaftlichen Beziehung wissen das viele Frauen sehr zu schätzen. Andererseits kann es auch für den Mann ein sicheres und damit sogar Lust förderndes Gefühl sein, wenn er sich nicht vage darauf verlassen muss, dass die Frau schon verhütet.

Gerade in ganz frischen oder flüchtigen Beziehungen kann es explizit auch für den Mann beruhigend und befreiend sein, wenn er die Verhütung selbst (mit)steuern kann und damit vermeidet, plötzlich mit einer ungewollten Schwangerschaft und daraus sich ableitenden Verpflichtungen konfrontiert zu werden.

Kondom kann den Sex auch sehr lustvoll verlängern

Die zum Überstreifen des Kondoms nötige kurze Unterbrechung wird von vielen Paaren als größter Nachteil dieser Methode angesehen. Andere bauen das Überstreifen (welches natürlich auch von der Partnerin/ vom Partner übernommen werden kann) ganz selbstverständlich als sinnliches Vorspiel ein.  

Während einige Männer finden, dass Sex mit Kondom die Erregung einwenig schmälert, empfinden andere die etwas verringerte Stimulation als sehr hilfreich, um den Geschlechtsverkehr lustvoll noch etwas zu verlängern. Gerade junge Männer, die häufiger beklagen, zu früh „zu kommen“, könnten von einem mit Präservativ hinausgezögerten Höhepunkt profitieren. Es kann aber auch vorkommen, dass gerade ältere Männer durch die Unterbrechung ihre Erektion verlieren (oder auch nur Angst davor haben und sich blockiert fühlen). Hier muss man einfach selbst herausfinden, was für sich, seine Partnerin und die gemeinsame Lust das richtige ist.

Wenn sich ein Kondom sich übrigens unkomfortabel anfühlt, lohnt es sich oft, einfach mal verschiedene Arten oder Marken auszuprobieren. Möglicherweise macht eine andere Passform oder eine andere Art der Befeuchtung schon einen entscheidenden Unterschied.

Autor: Dr. med. Monika Steiner/ Ärztin