Schleudertrauma: Welche Krankengymnastik ist hilfreich?

Um den Nacken zu entlasten, wurde in früherer Zeit eine Halskrause verordnet.

Das ist angenehm, weil der Hals stabilisiert wird. Eine Halskrause ist dennoch nicht zu empfehlen, weil die Muskulatur sich durch Schonung abbaut.

Eine Halskrause (Schanz'sche Krawatte oder Cervikalstütze genannt) sollte nur bei Belastung kurzfristig getragen werden. Zum Beispiel bei einer langen Autofahrt, damit der Hals stabilisiert wird und keine Schmerzen verursacht. Oder bei belastenden Hausarbeiten.

Liegt bei einem schweren Schleudertrauma ein Verdacht vor, werden die Halswirbel geröntgt oder bei einer unklaren Diagnose eine Computertomografie.

In der Physiotherapie gibt es Möglichkeiten:

Die wichtigste Aufgabe und Ziel der Physiotherapie ist bei einem Schleudertrauma eine schnelle Schmerzfreiheit, Beweglichkeit und den muskulären Aufbau der Nackenmuskeln. Dabei darf nicht vergessen werden, dass noch kleine, innere Muskeln anderen Strukturen beteiligt sind. Aufgabe ist es auch, den Patienten zu motivieren und einen Übungsplan, für eigenes Üben zu Hause, zu erstellen.

Um eine optimale Therapie zu ermöglichen, ist immer eine Zusammenarbeit von Therapeut und Patient notwendig. Im schmerzfreien Bewegungsausmaß lernt der Patient unter Anleitung sein Übungsprogramm für zu Hause. Es ist nicht notwendig viele Übungen zu erlernen.

Nur so viel wie nötig und nicht mehr als notwendig.

In der Physiotherapie gibt es viele Möglichkeiten. Die Behandlung ist immer individuell und hängt vom Schweregrad, Schmerzen und Alter des Patienten ab.

  • Warme Packungen um die steife Nackenmuskulatur zu lockern mit anschließender vorsichtiger „Massage“ (mehr ein sanftes ausstreichen) der Nacken und Schultermuskulatur.
  • Manuelle Lymphdrainage
  • Ultraschall
  • Elektrische Stimulation „Tens“ (auch zu Hause anwendbar)
  • Heiße Rolle
  • Eisabreibungen
  • Intramuskuläre Triggerpoint-Therapie, die besonders in der akuten Phase angewendet wird.

Ein Schleudertrauma ist nicht zu unterschätzen. Nur unter Mitwirkung des Patienten ist ein schneller Heilungsverlauf möglich.

Bei Bedarf werden vom Arzt Schmerzmittel verordnet. Sind keine weiteren Schäden festgestellt, ist es möglich, nach der akuten Phase vorsichtige Übungen zu Hause durchzuführen. Sanfte Dehnungen der Hals und Nackenmuskulatur lockern die Muskeln auf und fördern die Beweglichkeit der Wirbelsäule.

Übungen

Der getreckte Arm zeigt mit der Handfläche nach hinten. So haben Sie eine optimale Haltung.

  • Sitzen Sie gerade. Legen Sie Ihre rechte Hand über den Kopf zum linken Ohr und neigen den Kopf zur rechten Seite, bis Sie eine leichte Dehnung verspüren. Nach 10 Sekunden Seitenwechsel.
  • Stehen Sie gerade. Ihre Arme hängen gestreckt nahe am Körper. Die Handfläche zeigen nach hinten. Stehen Sie locker und nicht verkrampft. Mit langsamen und fließenden Bewegungen ziehen Sie im Wechsel die rechte und linke Schulter in Richtung Ohr und langsam wieder abgleitend.
  • Stehen Sie gerade. Ihre Arme hängen gestreckt nahe am Körper. Die Handfläche zeigen nach hinten. Stehen Sie locker und nicht verkrampft. Ziehen Sie beide Schultern in Richtung Ohr so hoch es Ihnen möglich ist und kreisen weit ausholend mehrmals nach hinten und anschließend nach vorne.
  • Stehen Sie gerade. Ihre Arme hängen gestreckt nahe am Körper. Die Handfläche zeigen nach hinten. Stehen Sie locker und nicht verkrampft. Kreisen Sie Ihre Schulter im Wechsel nach hinten und nach vorne.
  • Jetzt müssen Sie aufpassen: Ziehen Sie Ihr Kinn zur Brust. Der Nacken muss ganz gerade sein. Nur so sind diese kleine Nickbewegungen möglich. In dieser Position versuchen Sie „mit dem Kinn“ diese kleine Nickbewegungen zu machen

So sitzen Sie vorschriftsmäßig gerade. Das ist für die Übungen sehr wichtig.

  • Sitzen Sie gerade. Ziehen Sie Ihr Kinn zur Brust. Der Nacken muss ganz gerade sein. Nun versuchen Sie, den Kopf langsam zur Seite zu drehen. Sehen Sie mit den Augen hinter die Schulter in Richtung Erde. Zählen Sie bis 10 und wechseln Sie die Seite. Alles langsam und gleitend ausführen.
  • Sitzen Sie gerade und legen Ihre Handflächen auf Ihren Hinterkopf. Das ist angenehm und stabilisiert Ihren Nacken. Ziehen Sie Ihr Kinn zur Brust. Bleiben Sie in dieser Position und arbeiten nur mit den Augen ohne das sich der Kopf bewegt.
  • Alle Bewegungen werden langsam durchgeführt. Einen Moment so verweilen und die Position der Augen ändern. Ihre Augen wandern nach rechts und links. Nach oben und in Richtung Boden.

Üben Sie am Anfang nicht zu viel

Fangen Sie mit fünf Minuten an und steigern auf 10 Minuten. Nach einem Schleudertrauma ist das ausreichend um die Beweglichkeit zu fördern und zu kräftigen. Wenn Sie bei den Übungen unsicher sind, lassen Sie sich fachmännisch in einer physiotherapeutischen Praxis beraten.

Autorin: Marianne Valki-Wollrabe, Physiotherapeutin

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