Abnehmen – aber richtig

Bluthochdruck, Diabetes, Gelenkprobleme und einer aktuellen Studie zufolge auch ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko – es gibt viele Gründe, sich von überflüssigen Kilos zu trennen.

Statt Crash-Diäten, die besonders rasche Erfolge verheißen, setzen Ernährungsmediziner auf das langsame Programm: Einfach etwas weniger konsumieren als verbrauchen.

Waage - Übergewicht - abnehmen

Je üppiger, desto besser: In der afrikanischen Republik Kongo kürt der alljährliche Schönheitswettbewerb „Miss Mama Kilo“ nicht die Dame mit den längsten Beinen und der schmalsten Taille.  Chancen auf den Sieg haben nur Frauen, die bei uns als extrem fettleibig durchgehen würden. Üppige Hüften gelten in vielen Teilen der Welt nach wie vor als Zeichen des Wohlstands.

Die Weltgesundheitsorganisation  WHO sieht das anders: Ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 kg/m2 stuft die Organisation starkes Übergewicht als Krankheit ein. Beispielsweise bei einem 1,80 Meter großen Mann ist das ab einem Gewicht von 100 Kilogramm der Fall. Ab diesem BMI spricht man von Fettleibigkeit oder Adipositas. Übergewicht beginnt laut Definition bereits bei einem BMI von 25 kg/m2. Bei unserem Rechenbeispiel dürfte der Mann maximal 80 Kilogramm auf die Waage bringen, um noch als normalgewichtig zu gelten.

Dass übergewichtige Menschen häufiger an Herz-/Kreislauf--Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall leiden, öfter Probleme mit den Gelenken haben und das Diabetes-Risiko stark erhöht ist, ist bekannt. Aber auch das Krebsrisiko steigt mit dem Gewicht. Einer aktuellen Studie aus Großbritannien mit insgesamt 5,24 Millionen Menschen zufolge fördert Übergewicht die Entstehung von 17 der 22 häufigsten Krebserkrankungen. „Insbesondere scheint das für bösartige Tumoren von Organen des Verdauungstraktes und der weiblichen Geschlechtsorgane der Fall zu sein“, sagt Internist Dr. med. Sebastian Theurich vom Universitätsklinikum Köln.

Vor allem das Bauchfett ist kritisch

Ab einem BMI von 30 kg/m2 ist deshalb nicht nur aus optischen Gründen, sondern aus medizinischer Sicht eine Gewichtsabnahme ratsam. Menschen, die unter Krankheiten als Folge ihres Über-gewichts leiden, etwa Diabetes oder Bluthochdruck, sollten bereits ab einem BMI zwischen 25 und 29,9 kg/m2 den Gürtel enger schnallen. Vor allem das Bauchfett ist kritisch, da es den Fett- sowie den Zuckerstoffwechsel ungünstig beeinflusst und damit das Risiko für Herz-/Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes nochmal zusätzlich erhöht. Dabei lohnt sich bereits eine moderate Gewichtsreduktion: „Wer sein Ausgangsgewicht um fünf bis zehn Prozent senkt, verbessert bereits deutlich seine Stoffwechsellage und andere Körperfunktionen sowie seine Lebensqualität“, sagt Professor Hans Hauner. Allerdings warnt der Ernährungs-Experte der Technischen Universität München vor Crash-Diäten, die besonders schnelle Erfolge verheißen. Diese seien nicht nur wegen ihrer Langzeitergebnisse fragwürdig, sondern auch im Hinblick auf die medizinische Sicherheit bedenklich. Stattdessen empfiehlt Hauner das langsame Programm: Jeden Tag 500 bis 800 Kilokalorien einsparen und sich 30 Minuten lang sportlich bewegen. Nach dem Grundsatz: Weniger konsumieren, als verbrauchen. Auf diese Weise sei im Durchschnitt eine anhaltende Gewichtsreduktion von circa fünf Kilogramm nach einem Jahr zu erwarten.
Der Anteil von Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten bei kalorienreduzierten Diäten scheint keine entscheidende Rolle für den Erfolg zu spielen. Einer Studie zufolge, die vier Diäten mit unterschiedlicher Zusammensetzung verglich, lag nach zwei Jahren der mittlere Gewichtsverlust bei vier Kilogramm, wobei es keine wesentlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Ernährungsformen gab.

Medikamente nur zur Ergänzung

Erfolgreiche Hilfe bieten auch kommerzielle Gewichtsreduktionsprogramme. Eine Studie über zwölf Monate mit übergewichtigen und adipösen Menschen verglich die Effektivität eines derartigen Programms mit einem Abnehmprogramm beim Hausarzt und entsprechenden Informationsmaterialien. Die Teilnehmer des kommerziellen Programms nahmen an den wöchentlichen Treffen einer Weight-Watchers-Gruppe teil und nutzten deren Online-Angebot.

Ergebnis: Die Teilnehmer an dem kommerziellen Programm schafften es innerhalb eines Jahres mit durchschnittlich 6,65 Kilogramm doppelt so viel abzunehmen wie die hausärztlich betreute Gruppe mit im Durchschnitt 3,26 Kilogramm.

Zur medikamentösen Behandlung der Adipositas ist derzeit in Deutschland lediglich die Substanz Orlistat zugelassen. „Bei stark übergewichtigen Menschen lässt sich damit innerhalb eines Jahres eine mittlere Gewichtsreduktion von zwei bis drei Kilogramm erzielen“, sagt Hauner. Aber: „Generell kann dieses Medikament stets nur unterstützend wirken und ist als Ergänzung zur Lebensstiländerung zu sehen“, schränkt der Ernährungsmediziner ein.

Kalorienfalle Alkohol

Um das neue Gewicht langfristig zu erhalten, empfiehlt Hauner, auf eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse und wenig Fett umzustellen. Viele unterschätzen dabei den Kaloriengehalt alkoholischer Getränke. So schlägt beispielsweise eine Flasche Bier (0,5 Liter) mit 215 Kilokalorien zu Buche, ein Glas Caipirinha (0,3 Liter) hat sogar 322 Kilokalorien.

Formula statt Null-Diät

Der komplette Verzicht auf Nahrung bedeutet für den Körper extremen Stress. Für sinnvoller halten Ernährungs-Experten Formula-Diäten auf Eiweiß-Basis, die mit wichtigen Mikronährstoffen angereichert sind. Nach der maximal drei Monate langen Anwendung ist ein Gewichtsverlust von etwa 1,5 bis drei Kilogramm pro Woche realistisch. Anschließend muss wieder gesund und ausgewogen gegessen werden. Alternativ kann die Formula-Diät zwei, später eine Hauptmahlzeit pro Tag ersetzen.

Autorin: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit August 2015

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