Ist eine Operation bei Übergewicht/Adipositas gefährlich?

Jeder operative Eingriff birgt Risiken. Daher müssen die erwarteten Chancen und Risiken stets gut abgewogen werden.

Je nach Eingriff unterschiedliche Risiken

Die einzelnen Operationen bei der Adipositas-Chirurgie unterscheiden sich zum Teil erheblich, auch hinsichtlich der Risiken. Manche Verfahren wie der Schlauchmagen sind unumkehrbar, da ein Teil des Magens dauerhaft entfernt wird. Andere sind zwar grundsätzlich rückgängig zu machen, stellen aber doch einen erheblichen Eingriff nicht nur in die Nahrungspassage, sondern in den gesamten Verdauungsvorgang dar.

Differenzieren muss man außerdem zwischen den unmittelbaren Operationsfolgen, die während oder kurz nach dem Eingriff auftreten können, und langfristigen Nachwirkungen, die sich erst sehr viel später bemerkbar machen. So ist etwa der Einsatz eines Magenbands zunächst einmal ein recht schonendes, risikoarmes Verfahren. Es kommt aber häufig zu Spätkomplikationen, die einen weiteren Eingriff erforderlich machen können.

Typische Probleme, die auftreten können

Die häufigsten Komplikationen bei sämtlichen Verfahren sind folgende:

  • Fisteln (neu gebildete Gänge) an der Naht
  • Anastomoseninsuffizienzen (Schwachstellen der Nähte mit undichten Stellen)
  • Abszesse (eitrige Hohlräume)
  • Blutungen

Außerdem bestehen bei allen Eingriffen die üblichen Operationsrisiken wie Wundheilungsstörungen, Infektionen und Thrombosen. Zwar wird meist laparoskopisch mit nur einigen Stichen durch die Bauchdecke operiert; dennoch stellt jeder eingebrachte Fremdkörper ein mögliches Infektionsrisiko dar.

Wenn der Körper weniger aufnimmt

Ein weiteres Problem in der sogenannten bariatrischen Chirurgie bei Adipositas sind Mangelerscheinungen. Wenn, wie beim Magenbypass und der biliopankreatischen Diversion, ein Teil der Verdauungsorgane umgangen und aus der üblichen Nahrungspassage ausgeschlossen wird, schränkt das nicht nur die Aufnahme von Energie ein, sondern auch von wichtigen Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen.

Vor allem Vitamin B12 kann durch die Beschneidung des Magens nicht mehr ausreichend resorbiert werden, d.h. ins Blut gelangen und muss wie viele andere Vitamine lebenslang zugeführt werden. Auch verminderte Eisenspiegel sind möglich und können zu einer Anämie (Blutarmut) führen. Ebenso können die Calcium- und Phosphatwerte im Blut sinken, wodurch die Knochen poröser werden und leichter brechen können.

Zu bedenken ist zudem, dass auch Medikamente weniger gut im Blut ankommen und damit wirken können. Das ist vor allem mit Blick auf die häufigen Begleiterkrankungen einer Adipositas relevant, die oft medikamentös behandelt werden. Auf der anderen Seite bessern sich aber auch viele dieser sogenannten Komorbiditäten gerade durch eine Operation.

Blähungen, Durchfall und weitere Folgebeschwerden

Unangenehm für die Betroffenen können auch Blähungen, häufige Stuhlabgänge, Fettstühle oder Durchfälle sein. Im weiteren Verlauf nach der OP kann es außerdem zu folgenden Problemen kommen:

  • Darmverschluss
  • Gallereflux
  • Magengeschwüre
  • Entzündung der Speiseröhre (Ösophagitis)
  • Narbenhernien (Vorwölbung von Gewebe)

Eine weitere typische Nebenwirkung bei manchen operativen Eingriffen ist das sogenannte Dumping-Syndrom, eine Folge der eingeschränkten Magenfunktion. Es tritt unmittelbar nach der Aufnahme von zuckerhaltigen Lebensmitteln bzw. Getränken oder verzögert auf und geht mit Schwindel und Kreislaufproblemen, Zittern und Herzrasen einher.

Wofür es sich dennoch lohnt

Vielleicht fragen Sie sich bei all diesen bedrohlichen Risiken, ob eine Operation überhaupt angemessen sein kann. Ja, in einigen Fällen ist sie es durchaus. Die Erfolgsaussichten sind bei manchen schwer Betroffenen tatsächlich besser als andere Maßnahmen zur Gewichtsreduktion. Das macht sich nicht nur längerfristig auf der Waage bemerkbar, sondern betrifft eben auch Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen. Allerdings müssen die Voraussetzungen stimmen und im Einzelfall gründlich abgeklärt werden.

Vorsicht bei Vorerkrankungen und Kinderwunsch

Bei manchen Betroffenen ist außerdem besondere Vorsicht geboten. Bei schweren Begleiterkrankungen z. B. der Leber oder Niere ist unter Umständen zumindest nicht jeder Eingriff möglich. Auch bei Frauen im gebärfähigen Alter mit Kinderwunsch muss eine Operation wohlüberlegt sein, da sich Mangelerscheinungen auch negativ auf die kindliche Entwicklung auswirken.

Nach manchen Eingriffen ist es nicht mehr möglich, den ausgeschalteten Magen und Dünndarm mit einem sogenannten Endoskop einzusehen. Wer unter wiederkehrenden Geschwüren in diesem Bereich leidet, die regelmäßig kontrolliert werden müssen, oder an einem Morbus Crohn erkrankt ist, darf einer solchen Operation nicht unterzogen werden.

Die operative Behandlung von starkem Übergewicht ist sicherlich nicht die erste Therapiemaßnahme. Wenn der Arzt sie Ihnen allerdings nahelegt, wird er gute Gründe dafür haben und überzeugt sein, Ihnen damit am besten helfen zu können. Lassen Sie sich über die einzelnen Verfahren gut informieren und beraten und entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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