Adipositas/Übergewicht: Was ist ein Magenbypass?

Der Magenbypass ist eines von mehreren Operationsverfahren, die bei extremem Übergewicht in Frage kommen. Dabei gibt es wiederum unterschiedliche Techniken.

Bildung einer Umgehungsstraße

Das Wort Bypass kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie Umgehung oder Überbrückung. In der Medizin wird der Begriff für operative Eingriffe verwendet, bei denen ein bestimmter Abschnitt ausgeschaltet und eine neue Verbindung zwischen zwei Segmenten geschaffen wird.

Vielleicht ist Ihnen der Bypass aus der Herzchirurgie bekannt. Nach einem schweren Herzinfarkt werden die verantwortlichen verengten bzw. verschlossenen Herzgefäße durch intakte Arterien oder Venen ersetzt, die fortan das Herz mit Blut und Nährstoffen versorgen.

Gang der Nahrung durch den Körper

Ein Bypass lässt sich aber nicht nur an Gefäßen, sondern auch an anderen Leitungsbahnen und Hohlräumen legen, z.B. im Magen-Darm-Trakt, einem Schlauchsystem, das mit der Speiseröhre beginnt und am After endet. Um Ihnen die relevanten Strukturen zu verdeutlichen, hier ein kleiner anatomischer Überblick:

Die Speiseröhre mündet in den Magen, einem wulstigen Hohlorgan, das sich C-förmig windet und den Nahrungsbrei in den anschließenden Dünndarm abgibt. Hier werden der Nahrung wichtige Verdauungssäfte aus der Gallen- und der Bauchspeicheldrüse zugeführt. Von dort geht es dann über mehrere Segmente und unzählige Schlingen in den Dickdarm, der den verbleibenden Stuhl in Richtung Ausgang befördert.

Zielpunkte der OP: Gewicht und Stoffwechsel

Um der Adipositas und ihren teils verheerenden Folgen zu Leibe zu rücken, bieten sich verschiedene Formen des Bypasses im Bereich des Magens und des anschließenden Dünndarms an. Sie zielen zum einen darauf ab, das Gewicht langfristig zu senken; zum anderen können sie aber auch die Stoffwechsellage erheblich verbessern. Das kommt insbesondere übergewichtigen Menschen mit zusätzlichem Diabetes zugute.

Doch wie muss man sich das Ganze nun vorstellen? Es gibt im Großen und Ganzen zwei gängige Verfahren, die wir Ihnen kurz vorstellen möchten:

  • Roux-en-Y-Magenbypass
  • Omega-Loop-Magenbypass

Omega-Loop: Eine Dünndarmschlinge wandert nach oben

Fangen wir mit dem etwas einfacheren an, dem Omega-Loop-Magenbypass, der auch Mini-Bypass (engl. Mini Gastric Bypass, MGB) genannt wird. Dabei wird der Magen durchtrennt, wobei der obere Teil nach Mündung der Speiseröhre deutlich kleiner gewählt wird als der verbleibende Restmagen. Allein dieser kleine Teil, der als Pouch (kleiner Beutel) bezeichnet wird, dient fortan der Nahrungspassage. Der restliche Magen wird umgangen, verbleibt aber im Körper, so dass die Operation grundsätzlich auch wieder rückgängig gemacht werden kann.

Um den Magenpouch mit dem Darmtrakt zu verbinden, wird anschließend eine Dünndarmschlinge aus dem Unterbauch hochzogen und an den kleinen Beutel angeschlossen. Allerdings bleibt auch hier ein guter Teil des Dünndarms, der vom verbliebenen Restmagen abgeht, ungenutzt (etwa 2 Meter).

Der Körper bekommt weniger ab

Genau das ist auch gewollt. Denn dadurch, dass der Magenpouch jetzt auf tiefere Darmsegmente trifft, werden die Verdauungssäfte erst später zugeführt. Die Aufspaltung der einzelnen Nahrungsbestandteile erfolgt also "weiter unten" und kann hier nicht mehr vollständig abgeschlossen werden. So können nicht alle Bausteine vom Körper aufgenommen werden, sondern werden über den Dickdarm ausgeschieden.

Der Effekt der Operation beruht also auf Zweierlei: Erstens ist das Fassungsvermögen des Magenpouches deutlich beschränkt, so dass weniger Nahrung aufgenommen werden kann. Zweitens gelangen weniger Nährstoffe ins Blut, die der Körper verwerten kann.

Roux-en-Y: Auch der Darm wird durchtrennt

Der Nachteil des Omega-Loop-Magenbypasses ist, dass die hochgezogene Dünndarmschlinge in beide Richtungen offenbleibt. So können aggressive Verdauungssäfte auch in den ausgeschalteten Teil Richtung Restmagen schwappen (Reflux) und die empfindliche Schleimhaut schädigen.

Daher ist heutzutage eher das zweite Verfahren, der Roux-en-Y-Magenbypass, Standard. Auch hier wird der Magen durchtrennt, wobei der Magenpouch kleiner gehalten wird als beim Omega-Loop und nur etwa 15-20 ml fasst.

Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass hier auch der Dünndarm auseinander geschnitten wird. Der untere Schenkel wird direkt an den kleinen Magenpouch angeschlossen, während der obere, der vom Restmagen her kommt, etwas weiter unten auf ihn genäht wird. So wird ebenfalls ein Teil des Dünndarms ausgeschaltet, ohne dass jedoch Galle- und Bauchspeicheldrüsensäfte die falsche Richtung einschlagen können.

Bei sorgfältiger Abwägung vielversprechend

Beide Operationsverfahren werden in der Regel laparoskopisch, also minimalinvasiv mit nur wenigen Einstichen und ohne großen Bauchschnitt durchgeführt. Die Gewichtsreduktion wird dadurch nachhaltig gefördert. Außerdem sind die sogenannten metabolischen Effekte, die sich in einer Verbesserung der Zuckerkrankheit (Diabetes) bezahlbar machen, beim Magenbypass am größten.

Eine Operation ist bei Übergewicht bestimmt nicht die erste Wahl und muss wohlüberlegt sein. Erst wenn andere therapeutische Maßnahmen und eine Veränderung des Lebensstils über längere Zeit versagt haben und/oder die Gesundheit der Betroffenen akut bedroht ist, ist sie zu erwägen. Dann allerdings können adipöse Menschen davon durchaus nachhaltig profitieren.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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