Bänderriss im oberen Sprunggelenk: Ist eine Operation nötig?

Nur in seltenen Fällen. In der Regel heilt ein Bänderriss allein mit einer Orthesenbehandlung und Physiotherapie wieder vollständig aus.

Operation nur selten besser

Eine Operation ist immer gut abzuwägen. Dabei sind nicht nur die allgemeinen Operationsrisiken zu bedenken. In vielen Studien hat sich eine Operation gegenüber der konservativen Behandlung als nicht überlegen gezeigt. Dennoch gibt es Fälle, bei denen sie in Frage kommt. Und manchmal führt kein Weg daran vorbei.

Grundsätzlich hängt die Entscheidung vom Schweregrad der Verletzung, von vorausgegangenen Bandrupturen oder -zerrungen und vom Alter des Betroffenen ab.

In folgenden Fällen ist eine Operation angebracht:

  • bei einer offenen Verletzung (wenn die Haut geschädigt ist)
  • bei ausgeprägter Blutung bzw. Schwellung, die die Weichteile im Bein einengt (Kompartmentsyndrom)
  • bei Frakturen
  • wenn auch das Innenband gerissen ist
  • bei Kindern: wenn am Bandansatz ein Stück Knochen abgerissen ist

Abwägen des Für und Wider

Bei Leistungssportlern kann ein Argument die raschere Rückkehr in den Sport und eine höhere Stabilität des Kapsel-Band-Apparates sein. Tatsächlich sind Sportler nach einer Operation tendenziell schneller wieder auf den Beinen, und das Risiko für weitere Verletzungen ist etwas geringer.

Allerdings profitieren gerade Profis auch ungemein von einer Physiotherapie. Außerdem sind Operationsrisiken und Komplikationen wie Blutungen, Wundheilungsstörungen, Infekte und Thrombosen zu berücksichtigen. Und schließlich kommt es nach Operationen häufiger zu einer späteren Arthose (Gelenkverschleiß).

Ähnlich abzuwägen ist bei einer ausgeprägten Instabilität des Sprunggelenks oder bei einer Ruptur aller drei Außenbänder. Auch hier gibt es keinen vorgegebenen Königsweg. Zum Teil reicht auch die Studienlage noch nicht aus, um eine abschließende Therapieempfehlung geben zu können.

Umgekehrt gibt es klare Kontraindikationen, bei denen eine Operation nicht erfolgen darf. Dazu gehören z.B. eine arterielle Verschlusskrankheit der Beine (pAVK ab dem Stadium III) oder eine akute Entzündung der Weichteile.

Band nähen oder ersetzen

Wenn Sie sich mit Ihrem Arzt für eine Operation entscheiden, kommen mehrere Verfahren in Frage:

  • die direkte Bandnaht
  • eine Fixierung am Sehnenansatz
  • ein Bandersatz

Wenn das Band zentral und glatt durchgerissen ist, kann es direkt genäht werden. Ist es am knöchernen Ansatz ausgerissen, wird es dort wieder befestigt, wobei der Knochen angebohrt werden muss, um die Fäden durchziehen zu können.

Wenn die Bandenden stark ausgefranst sind oder die Bänder schon vorher nicht mehr ausreichend stabil waren, werden sie ersetzt. Dabei bedient sich der Chirurg bei Ihnen selbst. Als Ersatz dienen entweder Sehnen am Unterschenkel oder eine große Faszie (bindegewebiger Strang) am Oberschenkel.

Wie beim konservativen Vorgehen auch müssen Sie danach für mindestens fünf Wochen eine Orthese tragen und konsequent Physiotherapie betreiben. Die Fäden werden nach etwa 10 Tagen gezogen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)