Kann ein Meniskusriss auch ohne Operation (konservativ) behandelt werden?

In manchen Fällen ja. Das hängt u.a. von der Schwere der Verletzung und den Beschwerden der Betroffenen ab.

Vorgehen laut Leitlinie

In der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie wird die konservative, d.h. nicht-operative Behandlung einer Meniskusläsion nur dann empfohlen, wenn sich der Befund lediglich im MRT (Magnetresonanztomogramm) zeigt, aber keine Beschwerden bestehen und der Arzt anhand verschiedener Tests nicht die typischen Anzeichen eines Meniskusschadens erkennt. Darüber hinaus können Betroffene, die zwar Schmerzen, aber keine Blockade (Bewegungseinschränkung) im Knie haben und außerdem bereits deutliche Verschleißspuren am Gelenk aufweisen, laut Leitlinie ebenfalls vom konservativen Vorgehen profitieren.

Verzicht auf OP bei fortgeschrittenem Gelenkverschleiß

Die nicht-operative Behandlung mit alleiniger Physiotherapie kommt also vor allem bei leichteren Verletzungen und bei sogenannten degenerativen Meniskusschäden in Frage, die auf langjährigen schadhaften Veränderungen beruhen. Bei den Betroffenen können die Schmerzen damit oft genauso gut behoben und die Funktion des Kniegelenks ebenfalls wieder ausreichend hergestellt werden. Bei ausbleibendem Therapieerfolg ist danach immernoch eine Operation möglich.

Studie zeigt gleichwertige Ergebnisse

In einer Studie wurden Betroffene mit Meniskusteilrissen ohne Blockaden und Dislozierung untersucht. Sie hatten außerdem nur geringe verschleißbedingte Veränderungen und waren zuvor noch nie am Kniegelenk operiert worden. Ein Teil der insgesamt 321 Probanden wurde operiert, der andere 8 Wochen lang rein physiotherapeutisch behandelt. Danach wurden alle über zwei Jahre beobachtet. Die Ergebnisse waren letztlich vergleichbar.

Die Untersuchung zeigt also, dass ggf. auch Betroffene ohne starke Vorschädigung am Meniskus rein konservativ behandelt werden können. Insgesamt ist die Studienlage allerdings noch recht überschaubar. Weitere Untersuchungen müssen in Zukunft zeigen, ob noch mehr Betroffene von einer konservativen Behandlung profitieren und sich einen operativen Eingriff ersparen könnten.

Feststeht aktuell jedenfalls: Ein akuter traumatischer Meniskusriss muss nach wie vor operiert werden. Auch sogenannte dislozierte Meniskusläsionen, bei denen sich der Knorpel verlagert und das Gelenk blockiert, gehören in die Hand des Unfallchirurgen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

 

Studie:

van de Graaf VA, Noorduyn JCA, Willigenburg NW, Butter IK, de Gast A, Mol BW, Saris DBF, Twisk JWR, Poolman RW; ESCAPE Research Group. Effect of Early Surgery vs Physical Therapy on Knee Function Among Patients With Nonobstructive Meniscal Tears: The ESCAPE Randomized Clinical Trial. JAMA. 2018; 320: 1328-1337. doi:10.1001/jama.2018.13308.

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