Was hilft gegen den Reizdarm?

Wer an einem Reizdarm-Syndrom leidet, hat es gleich doppelt schwer. Da Blutwerte und Schleimhaut völlig normal erscheinen, wird die Krankheit oft heruntergespielt oder aber gar nicht erst erkannt. Die Beschwerden werden als banal abgetan. "Abwarten und Tee trinken", so lautet häufig die Devise der Ärzte, wenn ein Betroffener über Bauchschmerzen, Blähungen und Verdauungsprobleme klagt.

Ist dann doch endlich eine Diagnose gestellt, tauchen die nächsten Schwierigkeiten auf. Denn mit der Therapie ist es so eine Sache. Die Reizdarm-Symptome sind individuell verschieden und schlecht greifbar. Deshalb ist es oft nicht einfach, die richtige Behandlung zu finden. Zudem lässt sich eine mögliche Besserung nicht an Werten oder Röntgenbildern ablesen, sondern basiert allein auf der Rückmeldung des Betroffenen.

Reizdarm ist nicht gleich Reizdarm

Generell unterscheiden Fachleute bisweilen zwischen drei Reizdarmtypen:

  • Der Durchfall-Typ leidet hauptsächlich unter flüssigem Stuhlgang, der gehäuft auftritt.
  • Der Verstopfungs-Typ dagegen hat zu selten Stuhlgang, zudem ist der Stuhl hart.
  • Bei dem Misch-Typen wechseln die Beschwerden; mal steht Durchfall im Vordergrund, dann wieder Verstopfung.

Nach den konkreten Symptomen richtet sich die Therapie. Einige Medikamente sind ganz klar auf einen Aspekt ausgerichtet, andere Arzneien wiederum sind gleich auf mehreren "Symptom-Baustellen" im Einsatz. Über die Ernährung können Sie möglicherweise ebenfalls Einfluss auf die Krankheit nehmen.

Probieren Sie aus, was Ihnen hilft

Sollten Sie an einem Reizdarm leiden oder dies vermuten, so raten wir Ihnen:

Versuchen Sie, selbst sowie mit Ihrem Arzt herauszufinden, was Ihnen persönlich gut tut. Ein allgemeingültiger Königsweg für alle von Reizdarm Geplagten existiert leider nicht. Es gibt aber viele Möglichkeiten, Ansätze und Strategien. Welche das sind, möchten wir Ihnen hier erklären.

Aloe-Präparat lindert Studien zufolge mehrere Symptome

Auf verschiedenen Ebenen wirkt ein Aloe-Präparat (Proibs®). Wissenschaftliche Studien in Schweden haben ergeben, dass es Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung oder Durchfall lindert sowie Schmerzen und Blähungen entgegenwirkt (Størsrud et al. 2015). Proibs® hat offenbar antientzündliche Eigenschaften und regt die natürlichen Darmbewegungen an. Die genauen Wirkmechanismen sind aber noch nicht endgültig erforscht. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Was in jedem Fall positiv ist: In den Proibs®-Brausetabletten findet sich nach Angaben des Herstellers kein Aloin – diese Aloe-Substanz kann nämlich heftige Durchfälle und Elektrolytverschiebungen verursachen.

Kombination aus Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle scheint effektiv

Bleiben wir noch ein wenig bei Pflanzenstoffen. Diesmal geht es um ein Trio aus Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle. Die drei scheinen ein äußerst erfolgreiches Team sein, wenn es darum geht, Reizdarm-Beschwerden zu bekämpfen.

Die Myrrhe löst Krämpfe und mildert Blähungen. Außerdem wirkt sie Entzündungen und Bakterien entgegen. Ähnliche Eigenschaften haben auch die Kamillenblüten. Kaffeekohle wiederum hat sich bei Durchfällen sowie bei Vergiftungen bewährt. Denn sie nimmt, ähnlich wie ein ein Schwamm, Flüssigkeiten und giftige Stoffe auf, die dann ausgeschieden werden.

In einer Studie deutscher Forscher mit mehr als tausend Patienten zeigte sich, dass die Kombination der drei Substanzen wirksam, verträglich und sicher ist (Albrecht et al. 2015). Als Präparat bietet sich Myrrhinil-Intest® an. Dem Hersteller zufolge können Sie es ohne Bedenken dauerhaft einnehmen.

Flohsamen gleichen sowohl Durchfall als auch Verstopfung aus

Viele Menschen mit Reizdarm haben positive Erfahrungen mit pflanzlichen Quellstoffen gemacht. Besonders gut verträglich sind Flohsamenschalen. Ihr großer Vorteil ist, dass sie ausgleichend sind, egal, ob Sie nun an Durchfall oder an Verstopfung leiden. Flohsamenschalen binden Flüssigkeit, sodass der Kot Form annimmt. Umgekehrt sorgen sie bei Verstopfung dafür, dass der Darminhalt wieder geschmeidiger und voluminöser wird.

Bitte achten Sie hier aber ganz besonders darauf, genügend dazu zu trinken. Andernfalls entstehen nur harte Klumpen. Zudem sollten Sie zunächst lieber kleinere Mengen nehmen und sie dann langsam steigern. Geschieht das nicht, kann es sein, dass der Darm überfordert ist und Blähungen auftreten.

Flohsamenschalen werden als solche von verschiedenen Herstellern angeboten. Auf dem Markt sind außerdem Fertigpräparate wie Mucofalk®, Agiocur® und Metamucil®. In den meisten Fällen spricht nichts dagegen, Flohsamenschalen über längere Zeit oder dauerhaft zu nehmen.

Tannin-Eiweiß-Medikamente stoppen Durchfall

Explizit gegen Durchfälle werden die Tannin-Eiweiß-Mittel mit den Handelsnamen Tannacomp® oder Tannalbin® eingesetzt. Der natürliche Wirkstoff Tannin wird aus Pflanzengallen gewonnen und gehört zu den Gerbstoffen. Diese haben "adstringierende" Eigenschaften – die Darmwand-Poren ziehen sich zusammen und bremsen den Verlust von Wasser und Elektrolyten. Zudem wirken die Medikamente Entzündungen und Reizungen der Darmschleimhaut entgegen.

Stoffe des schwarzen Tees beruhigen den Darm

Ähnliche Wirkungen auf die Darmwand hat schwarzer Tee. Wichtig ist dabei, dass Sie ihn recht lange (bis zu zehn Minuten) ziehen lassen. Erst dann lösen sich die Gerbstoffe, die dafür sorgen, dass sich die Oberfläche des Darms zusammenzieht. Insgesamt hat schwarzer Tee – so zubereitet – einen ausgleichenden Effekt auf den Magen-Darm-Trakt.

Wenn Ihnen der Tee zu bitter ist, können Sie ihn mit etwas Zucker süßen. Bitte greifen Sie aber nicht zu Süßungsmitteln, denn einige davon können den Durchfall verstärken. Zurückhaltend mit schwarzem Tee sollten Sie sein, wenn Sie einen Eisenmangel haben bzw. Eisenpräparate nehmen. Denn die Gerbsäuren des Tees binden Eisen, das dem Körper somit nicht mehr zur Verfügung steht. Zumindest sollten Sie darauf achten, den Tee nicht zu den Mahlzeiten zu trinken.

Loperamid bremst die übereifrige Darmmuskulatur

Etwas anders ist der Wirkmechanismus des synthetischen Medikaments Loperamid (z.B. Imodium®). Es bringt die Darmmuskulatur dazu, sich zu entspannen. Dadurch laufen die Darmbewegungen langsamer und ruhiger ab. Der Stuhl verweilt länger im Darm, somit steigt die Chance, dass der Körper mehr Flüssigkeit und Elektrolyte aufnimmt und der Darminhalt entsprechend dicker wird.

Wie macht Loperamid das nun? Der Wirkstoff setzt an Rezeptoren im sogenannten Auerbach-Plexus an – einem Nervengeflecht, das unter anderem steuert, wie schnell und kräftig der Darm sich bewegt.

Erschrecken Sie bitte nicht, wenn Sie irgendwo lesen, dass Loperamid zu den Opioiden zählt. Tatsächlich wirkt es nur im Verdauungstrakt selbst, hat also keinerlei Einfluss auf das zentrale Nervensystem. Dennoch sollten Sie Loperamid nur eine begrenzte Zeit nehmen. Einige Präparate mit dem Wirkstoff Loperamid sind rezeptpflichtig, andere sind frei verkäuflich.

Tiorfan® und Vaprino® reduzieren die Flüssigkeitsabgabe in den Darm

Ein Mittel mit dem Wirkstoff Racecadotril (Tiorfan®, Vaprino®) bremst die Abgabe von Wasser und Elektrolyten in das Darmlumen. Man spricht hier von einer antisekretorischen Wirkung. Die Darmbewegungen und die Darmpassagezeit (also die Zeit, die der Speisebrei benötigt, um durch den Darm transportiert zu werden) beeinflusst Racecadotril dagegen nicht.

Während Sie für Tiorfan® ein Arzt-Rezept benötigen, können Sie Vaprino® so in der Apotheke kaufen. Die Mittel sollten Sie nicht länger als drei Tage anwenden. Die Autoren der pharmakritischen Fachzeitschrift Arznei-Telegramm haben Studien zu diesen Medikamenten und zu Loperamid geprüft. Ihr Fazit: Es gibt keine Belege dafür, dass Racecadotril wirksamer oder besser verträglich ist als Loperamid. Daher, so die Autoren, sei Loperamid vorzuziehen.

Probiotika haben positiven Einfluss auf die Darmflora

Eine ganz wesentliche Aufgabe bei der Verdauung hat die Darmflora. Sie besteht aus unglaublich vielen Bakterien, die die körpereigene Abwehr in Schuss halten und für unseren Organismus von großer Bedeutung sind. Um die Darmflora zu stärken, bieten sich sogenannte Probiotika an. Sie bilden auf der Darmschleimhaut eine Art Schutzfilm, wehren Angreifer und Reizstoffe ab.

Die Probiotika beinhalten, je nach Präparat, verschiedene Bakterien, z.B. E. coli Nissle 1917 (Mutaflor®) oder Lactobacillus acidophilus und verwandte Arten (Paidoflor®, Lacteol®). In Kijimea® steckt der Bakterienstamm Bifidobacterium bifidum MIMBb75. Diese Bakterien sollen sich, so Wissenschaftler der Universität Mailand, besonders stark an die Darmwand heften und dadurch Reizdarm-Beschwerden lindern (Guglielmetti et al. 2011).

In den Probiotika-Präparaten sind die Bakterien hoch konzentriert. Das ist wichtig, damit der erwünschte Effekt eintritt. Bei Joghurtprodukten, die ebenfalls gesundheitsfördernde Bakterien enthalten, ist das meistens nicht der Fall.

"Arznei-Hefe" gilt ebenfalls als gutes Mittel. Dabei handelt es sich um Hefepilze mit dem Namen Saccharomyces boulardii. Im Handel sind Perenterol®, Perocur® und Yomogi®.

Manchmal sind geringe Dosen Antidepressiva sinnvoll

Auf den ersten Blick mag es erstaunlich klingen, aber es stimmt: Antidepressiva sind ebenso eine Möglichkeit, Beschwerden beim Reizdarm-Syndrom zu verringern. Das haben Studien bestätigt (Ford et al. 2014; Tack et al. 2006). Denn diese Medikamente beeinflussen auch das Nervensystem des Darms. Immerhin werden große Teile des Neurotransmitters Serotonin im Verdauungstrakt produziert. Manche Experten bezeichnen das Reizdarmsyndrom sogar als "Depression des Darms".

Antidepressiva sorgen dafür, dass u.a. wieder mehr Serotonin zur Verfügung steht. Der Trick dabei: Die Medikamente werden so niedrig dosiert, dass sie eben keine antidepressiven Effekte entfalten, wohl aber offenbar beruhigend auf die Muskulatur des Magen-Darm-Traktes einwirken und Schmerzen lindern.

Infrage kommen trizyklische Antidepressiva (z.B. Amitriptylin, Doxepin oder Trimipramin) und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI, z.B. Fluoxetin oder Paroxetin). Sie müssen allerdings vom Arzt verschrieben werden. Da sie nicht für die Krankheit eingesetzt werden, für die sie eigentlich gedacht und zugelassen sind, spricht man von einem "Off-Label-Use". Es gibt also einige Hürden. Daher werden Antidepressiva üblicherweise nur dann verabreicht, wenn keine andere Therapie anschlägt.

Macrogol (z.B. Movicol®) zieht Wasser an

Nicht nur Durchfall, sondern auch eine hartnäckige Verstopfung kann sehr zermürbend sein. Hier sind gleichfalls viele Mittel verfügbar, damit es mit dem Stuhlgang wieder besser klappt.

Nehmen wir zum Beispiel Polyethylenglykol – der medizinische Begriff ist Macrogol. Dabei handelt es sich um große, zusammengesetzte Moleküle. Sie haben eine stark wasseranziehende Kraft (in der Fachsprache wird das als osmotischer Effekt bezeichnet). Es sammelt sich also Flüssigkeit im Darm. Dadurch wird der Stuhl weicher und voluminöser. Er rutscht leichter in Richtung Darmausgang. Zudem wird die Darmwand so gedehnt, dass das müde und träge Organ kaum anders kann, als sich aufzuraffen, zu bewegen und den Darminhalt vorwärts zu schubsen.

Macrogol selbst wird nicht vom Körper aufgenommen, es gelangt also nicht in den übrigen Organismus. Den Wirkstoff gibt es als Pulver, das in Wasser aufgelöst wird, sodass eine Trinklösung entsteht. Auf dem Markt finden sich Präparate wie Movicol®, Endofalk®, Isomol®.

Lactulose: gut bei Verstopfung, schlecht bei Blähungen

Auch Lactulose hat die Eigenschaft, Wasser in den Darm zu ziehen und somit den Stuhl weicher zu machen. Lactulose ist ein synthetisch hergestellter Zweifachzucker. Er wird nicht ins Blut aufgenommen, sondern bleibt im Darm. Die meisten Menschen kommen gut damit zurecht.

Vor allem zu Beginn und bei zu hohen Dosen kann es aber sein, dass Blähungen oder Bauchschmerzen auftreten. Wenn Sie ohnehin oft Blähungen haben, ist das Mittel möglicherweise nicht ideal für Sie (Sie werden später noch lesen, dass Lactulose bei einer speziellen Reizdarm-Diät genau deshalb auf der "Tabu-Liste" steht).

Falls Sie an einer Lactose- oder Fructose-Unverträglichkeit leiden, sollten Sie ebenfalls auf Lactulose verzichten, da das Mittel durch das Herstellungsverfahren Lactose und Fructose enthalten kann. Lactulose gibt es als Saft bzw. Sirup und als Pulver (z.B. Bifiteral®, Lactulose HEXAL® Sirup).

Dulcolax® und Laxoberal® wirken abführend

Bisacodyl und Natriumpicosulfat sind zwei weitere Stoffe, die abführend sind. Beide sind sich im Grunde sehr ähnlich. Dennoch gibt es Unterschiede, die durchaus eine Bedeutung haben können.

Bisacodyl ist in Form von Tabletten, Dragees und Zäpfchen auf dem Markt (z.B. Dulcolax®, Tirgon®, Pyrilax® usw.). Natriumpicosulfat (u.a. Agiolax®, Laxoberal®) gibt es zudem in Tropfenform. Letzteres lässt sich dadurch etwas feiner dosieren und so wunderbar reduzieren (ausschleichen). Die Wirkung setzt nach mehreren Stunden ein (bei Natriumpicosulfat meist etwas rascher als bei Bisacodyl). Bei Zäpfchen geht es schneller, hier dauert es eine halbe bis eine Stunde.

Mit Aloe, Faulbaum, Rhabarber und Sennes gegen Verstopfung

Bei pflanzlichen Wirkstoffen mit abführenden Effekten müssen Sie sich eventuell etwas mehr gedulden, bis sich eine Veränderung bemerkbar macht. Die Auswahl an Pflanzen mit Anti-Verstopfungs-Potential ist recht groß.

Beispiele sind Aloe, Faulbaum, Rhabarber und Sennesblätter. Sie enthalten sogenannte Anthrachinone. Natürlich gibt es auch hier Fertigpräparate wie Alasenn® (Wirkstoffe: Sennesblätter, Tinnevelly-Sennesfrüchte), Kräuterlax® (Wirkstoff: Kap-Aloe-Trockenextrakt), Midro Tee® (Wirkstoff: Tinnevelly-Sennesfrüchte), Neda® (Wirkstoffe: Sennesblätter, Tinnevelly-Sennesfrüchte).

Prucaloprid bringt den Darm wieder in Schwung

Zwei Medikamente möchten wir Ihnen noch vorstellen, die vergleichsweise neu sind.

Da ist zunächst der Wirkstoff Prucaloprid (Resolor®) zu nennen. Er bietet sich eventuell an, wenn Sie an einer hartnäckigen Verstopfung leiden, die sich mit keiner anderen Therapie lösen lässt. Prucaloprid gehört zu den sogenannten Prokinetika. Sie wirken auf das unwillkürliche Nervensystem ein und schaffen es so, den Darm wieder in Bewegung zu setzen, sodass der Speisebrei zügiger vorwärts getrieben wird. Studien zufolge verringern sich dadurch die Symptome, und es klappt wieder besser mit dem Stuhlgang. Die Betroffenen sind insgesamt zufriedener (Tack et al. 2009).

Allerdings gibt es einige Haken: Die Studienlage zu dem Medikament ist recht dürftig, es muss vom Arzt verschrieben werden und ist zudem nicht ganz billig.

Wenn die Verstopfung im Vordergrund steht: Linaclotid

Linaclotid (Constella®) ist ebenfalls eine Möglichkeit, gegen eine Verstopfung vorzugehen – sofern der Wirkstoff verfügbar ist. (Er wurde zeitweise vom Markt genommen, allerdings ging es dabei um Unstimmigkeiten über den Preis.) Das Medikament ist explizit für Menschen mit Reizdarm gedacht, die unter Verstopfungen leiden. Neben der abführenden Wirkung soll es auch Bauchschmerzen lindern (Corsetti et al. 2013).

Kritiker bemängeln, dass die Studien keine ausreichenden Belege dafür erbracht haben, dass Linaclotid tatsächlich wirkungsvoller ist als andere Abführmittel. Ein weiterer Nachteil: Sehr häufig schlägt die Verstopfung in Durchfälle um.

Entschäumer lindern Blähungen

Neigen Sie zu Blähungen? Fühlt sich Ihr Bauch oft voll und unangenehm prall an, obwohl Sie nicht übermäßig viel gegessen oder zugenommen haben? Grund dafür ist möglicherweise, dass Gase in feinen Blasen gefangen sind und somit nicht hinaus können.

Um dieses quälende Problem zu lösen, werden häufig Entschäumer eingesetzt, die die Oberflächenspannung verändern. Das führt dazu, dass die Blasen zerfallen und die Gase entweichen können. Die entsprechenden Wirkstoffe heißen Simeticon und Dimeticon. Die beiden Substanzen sind jeweils etwas anders zusammengesetzt. Das hat Auswirkungen darauf, wann der Effekt einsetzt: bei Simeticon etwas früher als bei Dimeticon.

Da die Stoffe nicht vom Körper aufgenommen werden, gelten sie als sicher und ungefährlich. Verfügbar sind die Substanzen als Kapseln, Kautabletten oder Flüssigkeit. Im Handel sind beispielsweise Lefax® Kautabletten, Lefax® Pump-Liquid, sab simplex® Tropfen, sab simplex® Weichkapseln.

Doppelt geplagt: stärkeres Schmerzempfinden beim Reizdarm

Natürlich sind Schmerzen und Krämpfe ebenfalls von enormer Bedeutung. Ursache der Beschwerden kann sein, dass Betroffene Schmerzreize stärker wahrnehmen.

Experten haben überprüft, ob Menschen mit Reizdarm tatsächlich anders auf solche Reize reagieren als Darmgesunde. Mithilfe eines Ballons erweiterten Sie langsam den Darm des jeweiligen Probanden. Dabei bestätigte sich: Das Volumen, das bei den Erkrankten schon Schmerzen auslöste, verursachte bei gesunden Probanden höchstens ein Druckgefühl oder einen stärkeren Stuhldrang.

Buscopan® wirkt Bauchkrämpfen entgegen

Aber nicht nur die Schmerzwahrnehmung ist bei Menschen mit Reizdarm beeinträchtigt. Häufig ist darüber hinaus die Bewegungsfähigkeit des Darms gestört, nicht selten ist zusätzlich der Magen betroffen. Wenn die Muskulatur im Verdauungstrakt verrückt spielt, kann das sehr unangenehm und belastend sein.

Glücklicherweise lassen sich die Krämpfe und Beschwerden in vielen Fällen sehr gut durch den altbewährten Wirkstoff Butylscopolamin (Buscopan®) eindämmen. Buscopan® schlägt bei den meisten Betroffenen rasch an, unerwünschte Wirkungen kommen kaum vor.

Eine mögliche Alternative ist die Substanz Mebeverin (Duspatal®). Allerdings gibt es noch nicht so viele Studien zu dem Mittel.

Pfefferminz- und Kümmelöl entspannen den Darm

Wirkungsvoll sind zudem bestimmte pflanzliche Produkte, zum Beispiel Präparate aus Pfefferminz- und/oder Kümmelöl. Sie wirken – wie Butylscopolamin und Mebeverin – krampflösend (spasmolytisch).

Geeignet sind entsprechende Kräutertees. Wenn Sie kein Tee-Fan sind, können Sie auch zu Fertigpräparaten greifen. Hier bieten sich Medacalm® (Pfefferminze), Gastrovegetalin® (Melisse) oder Carminativum Hetterich Balance (u.a. Kamille, Pfefferminze, Fenchel, Kümmel) an. Gleich neun verschiedene pflanzliche Substanzen enthält Iberogast®. Pfefferminzblätter und Kümmelfrüchte sind wieder mit dabei, Hauptbestandteil ist aber die Bittere Schleifenblume.

Auch Pflanzenstoffe haben teils starke Nebenwirkungen

Eines ist aber ganz wichtig:

Pflanzliche Präparate sind nicht unbedingt milder als synthetische. Einige pflanzliche Substanzen reizen die Darmschleimhaut. Außerdem kann es dazu kommen, dass sich der Elektrolythaushalt verschiebt. Wenn dadurch der Kaliumspiegel im Blut sinkt, hat das unter anderem einen Einfluss auf bestimmte Herzmedikamente. Entwässernde Mittel (Diuretika) können einen Kaliumverlust zudem verstärken. So sollten Sie zum Beispiel anthrachinonhaltige Abführmittel auf jeden Fall nur kurzzeitig nehmen.

Für welche/s Mittel auch immer Sie sich entscheiden – sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Selbst wenn Sie für viele Präparate kein Rezept brauchen, handelt es sich um Arzneimittel, die natürlich Neben- und Wechselwirkungen haben können. Das gilt auch für Pflanzenstoffe.

Die richtige Ernährung: kleine Tipps, große Wirkung

Abgesehen von Medikamenten, Tees und Pflanzenstoffen können Sie vielleicht über Ihre Ernährung erreichen, dass sich die Situation verbessert. Auch hier gibt es keine Erfolgsgarantie, aber zumindest Empfehlungen.

Versuchen Sie, nicht zu viele fettige Speisen zu sich zu nehmen. Wenn Sie zu Blähungen neigen, seien Sie vorsichtig mit Nahrungsmitteln wie Bohnen, Zwiebeln oder Kohl. Generell ist es günstig, nicht zu viel auf einmal zu essen, sondern lieber öfter kleinere Portionen.

Wenn Sie vor allem unter Verstopfung leiden, ist es wichtig, dass Sie Ihren Körper mit genügend Flüssigkeit versorgen, sich bewegen und Ballaststoffe zu sich nehmen. Damit ist folgendes gemeint:

  • Trinken Sie etwa 2,5 Liter täglich, am besten stilles Wasser oder ungesüßte Kräutertees.
  • Nehmen Sie statt dem Aufzug die Treppe, statt dem Auto das Fahrrad; machen Sie Spaziergänge, stehen Sie öfter mal vom Arbeitsplatz auf, telefonieren Sie im Stehen oder Gehen – es gibt so viele Möglichkeiten!
  • Essen Sie mehr Gemüse, Vollkornprodukte und Obst; halten Sie sich bei Fleisch, Weißbrot und Süßigkeiten möglichst zurück.

FODMAP-Diät: Verzicht auf bestimmte Kohlenhydrate

Ein spezielles Ernährungskonzept bei Reizdarm ist die FODMAP-Diät. FODMAP steht für "Fermentable Oligosaccharides, Disaccharides, Monosaccharides and Polyols". Übersetzt bedeutet das "Fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole". Ganz so kompliziert wie diese Bezeichnung ist es nicht. Vorgesehen ist, diejenigen Kohlenhydrate wegzulassen, die schlecht verdaut werden können. Konkret sind das:

  • Mehrfachzucker (z.B. Fructo- und Galacto-Oligosaccharide, Lactulose, Raffinose; sie kommen z.B. in Hülsenfrüchten wie Erbsen und Bohnen vor)
  • Einfachzucker (z.B. Fruktose/Fruchtzucker)
  • Doppelzucker (z.B. Laktose/Milchzucker)
  • Zuckeralkohole (Süßstoffe)

Es gibt genaue Listen, welche Nahrungsmittel erlaubt sind und welche nicht. Was ist nun der Hintergrund? Die genannten Kohlenhydrate gelangen meistens unverdaut in den Dickdarm, wo sie dann von Bakterien vergärt (fermentiert) werden. Dabei bilden sich Gase, die unter anderem zu Blähungen führen. Viele Reizdarmbetroffene reagieren offenbar stärker auf solche Kohlenhydrate.

Unterschiedliche Ergebnisse zur FODMAP-Diät

Ob diese Form der Diät tatsächlich hilft, ist nicht eindeutig belegt. Es gibt zwar Studien, allerdings mit unterschiedlichen Ergebnissen und recht wenigen Teilnehmern. In einer Erhebung besserten sich bei einigen Betroffenen Symptome wie Schmerzen, Blähungen und Verdauungsbeschwerden merklich (Halmos et al. 2014). In einer anderen Untersuchung zeigte sich aber, dass die FODMAP-Diät einer herkömmlichen Ernährungsumstellung beim Reizdarm mit regelmäßigen kleineren Mahlzeiten, wenig Fett, Koffein und blähenden Nahrungsmitteln nicht überlegen ist (Böhn et al. 2015).

Egal, welche Diät Sie machen, Sie sollten unbedingt darauf achten, sich nicht einseitig zu ernähren. Insofern empfehlen wir Ihnen auch hier, sich mit Ihrem Arzt bzw. einem Ernährungsberater abzusprechen.

Autorin: Anna Brockdorff

Studien:

  • Albrecht U, Müller V, Schneider B, Stange R: Efficacy and safety of a herbal medicinal product containing myrrh, chamomile and coffee charcoal for the treatment of gastrointestinal disorders: a non-interventional study. 2015.
  • Böhn L, Störsrud S, Liljebo T, Collin L, Lindfors P, Törnblom H, Simrén M: Diet low in FODMAPs reduces symptoms of irritable bowel syndrome as well as traditional dietary advice: a randomized controlled trial. 2015.
  • Corsetti M, Tack J: Linaclotide: A new drug for the treatment of chronic constipation and irritable bowel syndrome with constipation. 2013.
  • Ford AC, Quigley EM, Lacy BE, Lembo AJ, Saito YA, Schiller LR, Soffer EE, Spiegel BM, Moayyedi P: Effect of antidepressants and psychological therapies, including hypnotherapy, in irritable bowel syndrome: systematic review and meta-analysis. 2014.
  • Guglielmetti S, Mora D, Gschwender M, Popp K: Randomised clinical trial: Bifidobacterium bifidum MIMBb75 significantly alleviates irritable bowel syndrome and improves quality of life – a double-blind, placebo-controlled study. 2011.
  • Halmos EP, Power VA, Shepherd SJ, Gibson PR, Muir JG: A diet low in FODMAPs reduces symptoms of irritable bowel syndrome. 2014.
  • Størsrud S, Pontén I, Simrén M: A Pilot Study of the Effect of Aloe barbadensis Mill. Extract (AVH200®) in Patients with Irritable Bowel Syndrome: a Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Study. 2015.
  • Tack J, Broekaert D, Fischler B, Van Oudenhove L, Gevers AM, Janssens J: A controlled crossover study of the selective serotonin reuptake inhibitor citalopram in irritable bowel syndrome. 2006.
  • Tack J, van Outryve M, Beyens G, Kerstens R, Vandeplassche L: Prucalopride (Resolor) in the treatment of severe chronic constipation in patients dissatisfied with laxatives. 2009.
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