Reizdarm: Welche Auslöser und Risiken gibt es?

Das Thema Reizdarmsyndrom (RDS) und die möglichen Ursachen und Auslöser dafür beschäftigen Forscher seit vielen Jahrzehnten. Bis heute ist nicht ganz klar, welche Rolle bestimmte Faktoren bei dieser Erkrankung immer einnehmen und welche individuell variieren. Eine Fragestellung, die gerade im Hinblick auf die Therapiemöglichkeiten nicht ganz unwichtig ist.

Wenn es nicht läuft, wie es soll

Das Reizdarmsyndrom gehört zu den funktionellen Störungen des Verdauungsapparates. Das bedeutet, dass sich durch medizinische Untersuchungen keine organischen Ursachen für die bestehenden Beschwerden finden lassen. Es ist also eine Ausschlussdiagnose.

Trotz der fehlenden organischen Ursache ist der Darm jedoch in seiner Funktion beeinträchtigt und führt bei vielen Betroffenen zu starken Einschränkungen im Alltag. Blähungen, Schmerzen, Krämpfe, Durchfall, Verstopfung – oft treten die Symptome plötzlich und unerwartet auf. Viele Betroffene schildern, dass sie gar nicht genau wissen, was der Auslöser sein könnte. Mal wird das Essen vermutet, mal der Stress, und manchmal kommt es bei völliger Entspannung aus dem Nichts.

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Gerade dieses Unberechenbare ist für Menschen mit Reizdarmsyndrom so schwierig zu verstehen, zu akzeptieren und zu handhaben. Aus diesem Grund ist es für viele empfehlenswert, sich Unterstützung von Fachleuten zu holen und sich individuell im Umgang mit der Erkrankung beraten zu lassen.

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Die wichtigsten Fragen, die Sie sich als Betroffener vielleicht stellen, sind die nach dem "Warum?" und dem "Wodurch?". Schließlich möchte jede betroffene Person wissen, warum gerade sie unter der Erkrankung RDS leidet und wodurch diese immer wieder ausgelöst wird.

Dabei ist genau genommen zwischen Ursachen und Auslösern zu unterscheiden. Während zu den Ursachen grundlegende Fehlmechanismen oder auch die Vererbung zählen, sind Auslöser ganz bestimmte, oft punktuelle Faktoren, die die Erkrankung bei entsprechender Veranlagung zum Ausbruch bringen können. Das Gute an den Auslösern ist, dass wir viele davon beeinflussen können.

Hinsichtlich der Ursachenforschung gibt es vor allem viele Theorien, die es zukünftig noch zu beweisen gilt. Aber die Wissenschaft ist dran und macht große Fortschritte. Bei den möglichen, individuell sehr unterschiedlichen Auslösern ist man schon etwas weiter. Zumindest schildern vom Reizdarmsyndrom betroffene Menschen häufig eine Besserung der Beschwerden, nachdem Sie beispielsweise etwas an ihren Essgewohnheiten oder ihrem Lebensstil geändert haben.

Das sagt die Wissenschaft dazu

Nach aktuellem Wissensstand geht man beim Reizdarmsyndrom derzeit von folgenden möglichen Auslösefaktoren aus:

  • eine gestörte Darmflora mit einer Überzahl an krankheitsverursachenden Darmbakterien, die die "guten" Bakterien (bestimmte Bifidobakterien) verdrängen
  • eine ungesunde, unausgewogene Ernährung mit viel Fett und Zucker
  • Stress und psychische Belastungssituationen
  • vorausgegangene Magen-Darm-Infektionen (insbesondere mit dem Bakterium Campylobacter)
  • bestimmte Medikamente (insbesondere Antibiotika), die vor allem die "guten" Darmbakterien angreifen
  • diverse Umwelteinflüsse (chemische Reize)

Diese kleine Auflistung soll Ihnen nur einen groben Überblick über die derzeit diskutierten Auslöser eines Reizdarmsyndroms verschaffen. Häufig ist es jedoch nicht "der eine besondere Auslöser", der für die Beschwerden sorgt, sondern tendenziell eher die Kombination aus verschiedenen Faktoren – und zwar mal mehr, mal weniger.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe