Verdauung: Mythen im Check

Um kaum ein Thema ranken sich so viele Halbwahrheiten und Irrtümer. Ernährungs-Expertin Dr. Susanne Fink-Tornau hat fünf weit verbreitete Meinungen unter die Lupe genommen.

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Schnaps nach dem Essen fördert die Verdauung

„Ein Verdauungsschnaps entspannt die Magenmuskulatur. Verantwortlich hierfür ist der Alkoholgehalt des Getränks. Jedoch raten Experten von Hochprozentigem nach dem Essen ab. Denn trotz der kurzzeitig positiven Wirkung überwiegt die negative Konsequenz einer gehemmten Magen-Darm-Aktivität. Gegen Völlegefühl lieber auf natürliche, alkoholfreie Hausmittel zurückgreifen, die Kräuter- oder Bitterstoffe enthalten. Artischocke oder auch Teesorten wie Ingwer, Fenchel und Pfefferminze zum Beispiel wirken krampflösend und fördern die Verdauung.“

Antibiotika beeinflussen die Darmflora negativ

„Dies kann durchaus zutreffen. Antibiotika kommen bei bakteriell bedingten Erkrankungen zum Einsatz. Doch neben den gefährlichen, unerwünschten Erregern greifen sie auch nützliche Bakterien an. Dadurch kann sich die Zusammensetzung der Darmflora ändern und es entsteht ein Ungleichgewicht zugunsten der schädlichen Darmbewohner. Die Folge ist Durchfall. Um diese Nebenwirkung zu lindern, empfiehlt sich die begleitende Einnahme von Milchsäurebakterien. Auch nach einer Antibiotika-Therapie sorgen diese für eine schnellere Regeneration der Darmflora.“

Bei Durchfall helfen Cola und Salzstangen

Magen und Darm: Verdauung„Schon unsere Großeltern und Eltern haben diesen Tipp befolgt. Doch lange Tradition bedeutet nicht automatisch richtige Vorgehensweise. Zwar ist es wichtig, die ausgeschiedenen -Mineralien wieder auszugleichen, doch Cola und Salzstangen oder Chips sind hierfür nicht geeignet. Im Gegenteil: Der hohe Zuckergehalt im Getränk schwächt den Darm zusätzlich. Generell gilt bei Durchfall: Ausreichend trinken, um den Wasserhaushalt stabil zu halten. Hier empfiehlt sich etwa Tee oder Mineral-wasser.“

Stuhlgang muss täglich erfolgen

„Nein. Zwar ist dies bei vielen Menschen der Fall, doch tatsächlich ist die Bandbreite viel größer, als die meisten denken. So variiert die Frequenz des Stuhlgangs bei gesunden Menschen zwischen drei Mal täglich und drei Mal wöchentlich. Erst wenn die Zahl der Toilettengänge aus dem genannten Rahmen fällt und der Stuhl eine sehr feste oder wässrige Konsistenz aufweist, sprechen Experten von Verstopfung oder Durchfall.“

Ich habe keine Beschwerden, mein Darm ist also gesund

„Das stimmt leider nicht immer. So verursacht etwa Darmkrebs – die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland – anfangs häufig keine oder geringe Beschwerden. Betroffene können also bei fehlenden Symptomen nicht automatisch auf einen gesunden Darm schließen. Treten Anzeichen wie Blutspuren im Stuhl, veränderte Stuhlkonsistenz und -frequenz, Bauchschmerzen, Blähungen oder auch Müdigkeit auf, sollte ein Arzt die Ursache klären. Je nach Erkrankungsrisiko gelten Vorsorge-Untersuchungen also als unerlässlich, um Rückschlüsse auf die Darmgesundheit ziehen zu können.“