Welche Ursachen kann eine Verstopfung haben?

Für einen erschwerten oder seltenen Stuhlgang gibt es viele verschiedene Ursachen. Zum einen wirken sich Stimmungen und Gefühle auf den Stuhlgang aus. Zum anderen können organische Ursachen vorliegen.

Aber zunächst zu den psychischen Ursachen:

Welchen Einfluss hat die Psyche auf eine Verstopfung?

Ängste, Ärger oder Streit können dazu führen, dass der Darm seine Arbeit nicht mehr so macht, wie er sollte. Auch bei Menschen, die unter Depressionen leiden, läuft die Verdauung langsamer als bei Gesunden.

Wenn Sie beispielsweise sehr unter Stress stehen, dann bekommt der Körper das Signal, dass jetzt keine Zeit für die Verdauung ist. Also werden die Darmbewegungen heruntergefahren. Bleibt der Stuhl nun zu lange im Darm, wird er fest – es kommt zu einer Verstopfung. Auch wer den Stuhlgang wegen Zeitmangels immer wieder unterdrückt, bekommt das möglicherweise längerfristig zu spüren. Der Darm „merkt“ sich das – und streikt auch dann, wenn sein Einsatz erwünscht ist.

Ein wichtiger Faktor ist zudem der Ekel: Wer – beispielsweise auf Reisen – auf öffentliche Toiletten angewiesen ist, die hier und da nicht besonders einladend sind, muss damit rechnen, dass der Darm dicht macht.

Es ist aber immer wieder wichtig, dass Sie sich klar machen: Viele Menschen haben zwar das Gefühl, eine Verstopfung zu haben. Unter medizinischen Gesichtspunkten ist aber alles zwischen drei Stuhlentleerungen pro Woche und drei Stuhlentleerungen pro Tag völlig normal.

Auch Medikamente können schuld sein

Außerdem lösen einige Medikamente eine Verstopfung aus. Das gilt in manchen Fällen sogar für Abführmittel selbst: Wenn Sie zu viele davon einnehmen, kann es passieren, dass Sie mit der Flüssigkeit auch Kalium verlieren. Ein Kaliummangel wiederum macht den Darm träge. Nehmen Sie dann noch mehr Abführmittel um gegenzusteuern, beginnt ein Teufelskreis, der Ihrer Gesundheit schaden kann. Auch andere Medikamente oder Krankheiten, die einen Kaliummangel hervorrufen, begünstigen eine Verstopfung.

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Beachten Sie: Eine chronische Verstopfung liegt nach medizinischer Definition erst vor, wenn die Beschwerden mindestens drei Monate bestehen. Wir haben hier aber auch Ursachen aufgeführt, die zu vorübergehenden, kurzzeitigen Störungen führen können.

Überblick der möglichen Ursachen einer Verstopfung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Änderungen / Gegebenheiten der Lebensumstände:

  • Reisen

  • Umzug

  • Schichtarbeit

Darmerkrankungen:

  • Divertikulitis

  • Morbus Crohn

  • Darmtumoren oder -verwachsungen

  • Reizarmsyndrom

Hormonelle Ursachen:

  • Schilddrüsenunterfunktion

  • Überfunktion der Nebenschilddrüsen

  • Schwangerschaft (v.a. 3. Trimenon)

  • 2. Hälfte des Menstruationszyklus

Elektrolytstörungen:

  • erniedrigter Kaliumspiegel im Blut

  • erhöhter Kalziumspiegel im Blut

Medikamente:

  • Säureblocker

  • Antidepressiva

  • Anti-Parkinson-Mittel

  • opioidhaltige Schmerzmittel

  • wassertreibende Mittel (Diuretika)

  • Zytostatika (v.a. zur Krebsbehandlung eingesetzt)

  • Abführmittel (v.a. bei einer zu hohen Dosis)

Erkrankungen des Nervensystems:

  • Morbus Parkinson

  • Multiple Sklerose

  • diabetische Neuropathie

Psychische Ursachen:

  • Stress, Kummer

Verstopfung: Was ist wichtig für den Arztbesuch?

Wenn es um eine Verstopfung geht, dann ist der Arzt ganz besonders auf Ihre Mithilfe angewiesen. Denn nicht selten ergeben sich aus einem Gespräch über Ihre Lebensgewohnheiten, Ernährung, Medikamente, Bewegung usw. schon Hinweise darauf, was die Ursache für die Verstopfung sein könnte.

Tipp: Führen Sie ein „Stuhltagebuch“

Um dem Arzt einen Überblick über die Beschwerden zu geben, kann es hilfreich sein, für einige Zeit ein „Stuhltagebuch“ zu führen. Darin sollten Sie Tag für Tag folgende Aspekte dokumentieren:

  • Trinkmenge
  • körperliche Aktivitäten
  • Stuhlgang: ja/nein
  • Beschaffenheit des Stuhls (z.B. hart/weich/flüssig)
  • Einnahme von Abführmitteln
  • Zufuhr von Ballaststoffen: ja/nein
  • Beschwerden beim Stuhlgang: ja/nein
  • ggf. Besonderheiten (z.B. Reisen, Krankheiten, Ernährungsumstellung, neue/andere Medikamente)

Wenn Sie sich solch ein Stuhltagebuch nicht selbst anlegen möchten, dann schauen Sie sich im Internet um, dort gibt es einige kostenfreie Vordrucke zum Herunterladen.

Autorin: Anna Brockdorff