Darmsanierung: Auf welche Weise kann ich den Darm reinigen?

Generell lassen sich zwei verschiedene Wege unterscheiden, um den Darm zu reinigen:

  • mithilfe von Abführmitteln
  • mittels Darmspülung

Durch die orale Einnahme bestimmter Mittel kann der Darm komplett entleert werden. Welche Mittel das sind und wie sie jeweils wirken, schauen wir uns noch genauer an. Eine andere Methode ist, den Darm zu spülen, indem vom After aus Flüssigkeit eingebracht wird. Auch hier bieten sich unterschiedliche Verfahren an.

Quellmittel machen den Stuhl weich und voluminös

Bleiben wir zunächst bei der ersten Variante, den Abführmitteln (in der Fachsprache Laxantien genannt). Auf dem Markt sind sehr viele verschiedene Pulver, Tabletten und sonstige Mittel. Lassen Sie sich dadurch nicht verwirren. Es geht einfach darum, dass Sie ein wenig die unterschiedlichen Wirkungsweisen kennen, um dann zu entscheiden, welche Vorgehensweise am besten für Sie passt.

Recht sanft und gut verträglich sind Quellmittel wie Leinsamen, Weizenkleie oder Flohsamen. Der Körper kann sie nicht resorbieren (aufnehmen). Wenn sie in Berührung mit Flüssigkeit kommen, quellen sie auf. Dadurch wird der Darminhalt geschmeidiger und fülliger. Das wiederum regt den Darm an, den Stuhl in Richtung Darmausgang zu befördern und die Entleerung einzuleiten.

Effektiv, aber reizend: Anthrachinone in Pflanzenstoffen

Gerade das Thema "Abführmittel" ist etwas tückisch: Wer zu Mitteln aus Pflanzen wie Sennesblättern/-früchten, Aloe, Faulbaumrinde oder Rhabarberwurzel greift und hofft, damit einen sanften Weg zu gehen, liegt nämlich falsch. Tatsächlich sind abführende Tees, Früchtewürfel oder andere Präparate aus diesen Pflanzen alles andere als milde. Grund sind die enthaltenen Anthrachinone.

Die Anthrachinone bzw. Anthranoide sorgen dafür, dass sich der Darm häufiger zusammenzieht, die sogenannte Darmperistaltik wird also erhöht. Außerdem bewirken diese Stoffe, dass Elektrolyte wie Natrium und Kalium so verschoben werden, dass letztlich mehr salzhaltige Flüssigkeit im Darm bleibt. Auf diese Weise wird der Darminhalt weicher und voluminöser, die Darmwand infolgedessen gedehnt. Dieser Dehnungsreiz zeigt dem Körper, dass der Darminhalt dringend abgegeben werden sollte – der Stuhlgang wird ausgelöst.

Es gibt auch chemische Mittel

Nicht nur pflanzliche Mittel funktionieren so, sondern auch bestimmte chemische Arzneimittel wie Laxoberal® (Natriumpicosulfat) und Dulcolax® (Bisacodyl). Mit all diesen Substanzen sollten Sie bewusst und vorsichtig umgehen. Zwar sind sie wirkungsvoll, reizen aber die Darmschleimhaut – und das gilt eben besonders für die Pflanzenpräparate. Außerdem kann es passieren, dass die Elektrolyte aus der Balance kommen.

Bundesinstitut warnt vor Dauereinnahme

Besonders pikant dabei: Verliert der Organismus durch die Abführmittel zu viel Kalium, schlägt der Effekt genau ins Gegenteil um, es entsteht eine Verstopfung. Wer das nicht weiß und einordnen kann, gerät schnell in einen Teufelskreis.

Dass Sie das wirklich ernstnehmen sollten, zeigen Hinweise des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. Die Behörde empfiehlt ausdrücklich, anthranoidhaltige Arzneimittel nicht länger als zwei Wochen anzuwenden. Schwangere und stillende Mütter sollten die Mittel gar nicht nehmen.

Neben diesen schleimhautreizenden Abführmitteln gibt es sogenannte "osmotische" Mittel. Sie haben die Eigenschaft, Wasser anzuziehen und somit den Darminhalt zu verflüssigen sowie die Darmbewegungen anzuregen. Zu diesen osmotischen Abführmitteln gehören Glauber- und Bittersalz, Lactulose und Sorbitol.

Auch Einläufe eigenen sich zur Darmreinigung

Weitere Möglichkeiten, den Darm zu reinigen, bieten Zäpfchen oder Einläufe über den After. Bei einem Einlauf wird meistens warmes Wasser in den Darm eingebracht, eventuell auch mit Zusätzen wie Kochsalz, Kamille oder anderen Kräutern. Dafür stehen verschiedene Geräte zur Verfügung. Für den Hausgebrauch gibt es Einweg-Einlaufgeräte. Ärzte oder Heilpraktiker verwenden in der Regel professionelle Einlaufgeräte, die recht große Mengen Wasser (10-30 Liter) in den Darm einbringen. Bei dieser sogenannten Colon-Hydrotherapie wird häufig parallel der Bauch massiert.

Abführmittel oder Darmspülung?

Was sind nun die jeweiligen Vor- und Nachteile? Bei den Mitteln zum Schlucken ist klar: Es dauert ein wenig, bis der gewünschte Effekt einsetzt – meistens zwischen sechs und zehn Stunden. Bei Einläufen geht es schneller.

Während oral eingenommene Substanzen Nebenwirkungen wie Blähungen, Bauchkrämpfe und Elektrolytverschiebungen hervorrufen können, besteht bei Einläufen die Gefahr, dass die Darmwand verletzt wird. Diese unerwünschten Effekte treten aber vor allem auf, wenn die Abführmittel oder die Einläufe nicht nach Vorschrift angewendet werden.

Ein ganz wesentlicher Unterschied ist zudem, dass bei Reinigungen vom After aus nicht der gesamte Darm gespült werden kann, sondern nur der Dickdarm. Mittel zum Schlucken erreichen dagegen im Idealfall den kompletten Verdauungstrakt.

Darmspiegelung für anschließende Sanierung nutzen

Übrigens: Sollte bei Ihnen demnächst eine Darmspiegelung anstehen, dann müssen Sie ohnehin eine Darmreinigung vornehmen. Denn nur bei einem komplett leeren Darm hat der Untersucher eine gute Sicht auf die Strukturen. In diesem Fall bekommen Sie in der Regel ein Mittel von Ihrem Arzt mit, um den Darm vollständig zu entleeren. Sie können die Situation nutzen, um anschließend eine Darmsanierung einzuleiten.

Autorin: Anna Brockdorff

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