Wie wirkt Relistor (Methylnaltrexon) gegen die Opiat-Verstopfung?

Relistor® (Methylnaltrexon) wird bei erwachsenen Patienten eingesetzt, die als Schmerzmittel Opioide wie beispielsweise Morphium einnehmen und deshalb eine Verstopfung entwickelt haben. Dies geschieht sehr häufig bei opioidhaltigen Schmerzmitteln.

Relistor® wird in der Regel nicht gleich am Anfang verabreicht, sondern erst dann, wenn andere Abführmittel keinen Erfolg gebracht haben. Das hat mehrere Gründe: Zum einen ist das Mittel noch relativ neu (es kam 2008 auf den Markt), zum anderen ist es vergleichsweise teuer.

Relistor® wirkt gezielt am Darm

Das Medikament gehört zu den sogenannten Opioidantagonisten. Es wirkt Opioidpräparaten also eigentlich entgegen. Allerdings beeinflusst Relistor® fast nur die Darmtätigkeit, die schmerzlindernde Wirkung der Opioide im zentralen Nervensystem wird in der Regel nicht gebremst.

Wie wird Relistor dosiert und verabreicht?

Relistor® wird unter die Haut gespritzt (also subkutan). Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht. Das Mittel sollte jeden zweiten Tag verabreicht werden – gegebenenfalls können die Abstände auch größer gewählt werden. Kürzere Intervalle sollten die absolute Ausnahme bleiben und sind nur dann zulässig, wenn die erste Spritze nicht zu einer Stuhlentleerung geführt hat (dieser Hinweis findet sich so nicht in der Gebrauchsinformation für Anwender, wohl aber in den Fachinformationen!).

Relistor® wirkt nicht immer

Wenn Relistor® Erfolg zeigt, tritt der Stuhlgang recht zügig ein (bei einem Drittel der Patienten etwa nach einer halben Stunde). Allerdings sprechen nicht alle Patienten auf das Medikament an. Möglicherweise liegt das daran, dass bei diesen Patienten neben den opioidhaltigen Schmerzmitteln noch andere Faktoren zu einer Verstopfung beitragen.

Ursprünglich nur für Palliativ-Patienten

Relistor® war ursprünglich nur für unheilbar kranke Patienten in der letzten Phase (also zur Palliativversorgung) zugelassen. Inzwischen darf es aber auch anderen Menschen verabreicht werden, die wegen der Einnahme von Opioiden an einer Verstopfung leiden und die durch andere Mittel keine Besserung erfahren haben. Die Autoren des pharmakritischen Arznei-Telegramms raten allerdings dazu, Relistor® nach wie vor nur für Palliativ-Patienten zu verwenden. Der Hauptgrund: Bei Patienten außerhalb der Palliativversorgung wurde nicht untersucht, ob Relistor® anderen üblichen Abführmitteln tatsächlich überlegen ist.

Autorin: Anna Brockdorff

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