Weshalb kann Ibuprofen die gerinnungshemmende Wirkung von Acetylsalicylsäure (ASS) einschränken?

Acetylsalicylsäure (ASS) ist nicht nur ein potentes Schmerzmittel, es wird auch als Gerinnungshemmer zum Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt. Ist das der Fall, sollte auf die Schmerzbehandlung mit Ibuprofen lieber verzichtet und auf ein anderes Analgetikum zurückgegriffen werden.

Der Grund: Ibuprofen entfaltet seine schmerzlindernde Wirkung über den gleichen biochemischen Kanal wie ASS seine gerinnungshemmenden Effekte. Es verdrängt dabei die Acetylsalicylsäure, so dass die Gerinnungshemmung teilweise oder komplett ausbleibt.

Wer es biochemisch mag:

Struktureller Ablauf: Bildung von Prostaglandin-H2 aus Arachidonsäure Struktureller Ablauf: Bildung von Prostaglandin-H2 aus Arachidonsäure Und nun für die, die wollen, etwas genauer: Sowohl Ibuprofen als auch ASS hemmen das Enzym Cyclooxygenase-1 (COX-1). Die Hemmung von COX-1 führt an verschiedenen Orten zu verschiedenen Effekten.

Einerseits zur Schmerzlinderung (weil COX-1 für die Produktion des Schmerzbotenstoffes Prostaglandin benötigt wird), andererseits zur Gerinnungshemmung (über die COX-1-Hemmung in den Blutplättchen, den Thrombozyten).

Das erklärt auch, warum ASS beides kann: sowohl den Schmerz senken als auch das Blut verdünnen. Ibuprofen kann im Prinzip auch beides, allerdings ist hier der gerinnungshemmende Effekt geringer ausgeprägt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Bei Menschen, die ASS als Blutverdünner einnehmen, wirkt Ibuprofen wie ein Konkurrent – und zwar wie der stärkere. ASS kommt nicht mehr an seine COX-1-Rezeptoren heran, und eine Gerinnungshemmung findet nicht mehr (ausreichend) statt.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

Alle Fragen und Antworten zu Ibuprofen finden Sie hier:
Ibuprofen: Wirkung und Nebenwirkungen

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