Neuer Ansatz in der Schmerztherapie: Schmerzgedächtnis löschen

Wenn Schmerzen chronisch werden, hinterlassen sie Spuren. Diese werden gespeichert. Ist dadurch das Schmerzgedächtnis erst einmal aktiviert, lässt es sich nur schwer wieder löschen. Wissenschaftler vom Zentrum für Hirnforschung an der MedUni Wien haben nun herausgefunden, dass Opioide die Gedächtnisspur und damit chronische Schmerzen beseitigen können.

Hohe Opioid-Dosen sollen Schmerzgedächtnis komplett löschen

Bei der Behandlung von immer wiederkehrenden Schmerzen setzen Ärzte Opioide (Morphin oder morphinähnliche Substanzen) ein. In der Regel werden diese Medikamente in mittleren Dosierungen dauerhaft gegeben, um die Schmerzen zu lindern. Allerdings: Die Ursachen werden dadurch nicht beseitigt. Wird die Therapie beendet, kommen die Schmerzen sofort wieder.

Die neue Behandlung geht anders vor. Dabei wird über die Dauer einer Stunde das Opioid in einer hohen Dosierung in die Venen gespritzt. Dieser Vorgang scheint das Schmerzgedächtnis zu löschen, was bedeutet, dass Veränderungen in den Zellen rückgängig gemacht werden können. Die Verstärkung der Schmerzen, die durch Reizung der Nervenzellen über einen langen Zeitraum stattgefunden hat, wird aufgehoben. Die Ärzte erwarten, dass es durch diese Therapie möglich wird, bei Schmerzen nicht nur die Symptome zu kurieren, sonden die Schmerzentstehung zu beseitigen.

WANC 16.01.2012
Quelle: SCIENCE, Vol. 335 no. 6065 pp. 235-238 DOI: 10.1126/science.1211726

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