Schlaganfall: Ausfall im Gehirn

270.000 Menschen pro Jahr erleiden in Deutschland einen Schlaganfall. Dabei wäre der Hauptrisikofaktor Bluthochdruck häufig vermeidbar.

Gute Nachricht für Übergewichtige: Wer zu viel Pfunde mit sich schleppt, hat bessere Chancen einen Schlaganfall zu überleben als Menschen mit einem Gewicht im Normal- oder Idealbereich. Behinderungen infolge eines Schlaganfalls verkraften sie besser als ihre schlanken Zeitgenossen. Zudem werden Dicke weniger häufig pflegebedürftig. Am schwersten trifft es dagegen Untergewichtige. Das hat eine aktuelle Studie ergeben, die in Kooperation mit der Charité in Berlin durchgeführt worden ist.

Das Forscherteam analysierte die Daten von 1 521 Patienten, die an einer multizentrischen Schlaganfallstudie  beteiligt waren – und sie waren überrascht von den Ergebnissen. So tragen Übergewichtige zwar tatsächlich ein höheres Risiko, einen ersten Schlaganfall zu erleiden, aber sie verkraften ihn besser und es kommt seltener zu einem Folge-Schlaganfall. „Die Erkenntnis ist neu“, räumt Professor Wolfram Döhner vom Centrum für Schlaganfallforschung in Berlin ein. So empfehlen die Leitlinien, nach denen sich die Ärzte bei der Behandlung zu richten haben, Schlaganfall-Patienten mit Übergewicht oder Fettleibigkeit auf Diät zu setzen. Das könnte sich nun nach dieser Studie ändern.

Dritthäufigste Todesursache

Das Schicksal Schlaganfall trifft in Deutschland etwa 270.000 Menschen pro Jahr. Laut Statistik ist der Infarkt im Gehirn hierzulande die dritthäufigste Todesursache – 37 Prozent der Betroffenen sterben innerhalb eines Jahres nach dem Ereignis. Die Häufigkeit des Schlaganfalls mag erstaunen. Denn laut Angaben der Deutschen Schlaganfall-Hilfe e. V. wissen 72 Prozent der Bevölkerung sehr genau, wie sich das persönliche Schlaganfall-Risiko selbst positiv beeinflussen lässt.

Zu den Risikofaktoren, die wir nicht durch eine gesunde Lebensweise ändern können, gehört das Alter. Jeder zweite Schlaganfall ereignet sich in der Altersgruppe der über 75-Jährigen. Aber schätzungsweise jeder siebte Betroffene ist keine 45 Jahre alt. Wogegen wir ebenfalls machtlos sind, ist die vererbbare Neigung zum Schlaganfall.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren, die wir selbst durch eine gesunde Lebensweise beeinflussen oder zumindest vom Arzt behandeln lassen können, gehören

  • Herzrhythmusstörungen
  • Diabetes mellitus
  • Störungen des Fettstoffwechsels
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen und zu viel Alkohol

Hauptrisikofaktor Bluthochdruck

Hauptrisikofaktor für einen Schlaganfall ist aber Bluthochdruck. Als Grund dafür vermuten Experten, dass ein zu hoher Druck einerseits zu Veränderungen an den Gefäßwänden führt und andererseits dort Ablagerungen begünstigt.

Bluthochdruck macht sich erst dann bemerkbar, wenn die Erkrankung schon sehr weit fortgeschritten ist. „90 bis 95 Prozent der Menschen mit hohem Blutdruck merken das über Jahre hinweg gar nicht“, sagt Neurologie-Professor Roman Haberl aus München. Er empfiehlt jedem über 35 Jahre mindestens einmal im Jahr den Blutdruck kontrollieren zu lassen oder regelmäßig selbst zu messen.

Autorin: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit 1/2013

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