Kann die Operation einer verengten Halsschlagader vor einem Schlaganfall schützen?

Hier muss man differenzieren. Liegt eine nachgewiesene über 60%ige Verengung der Arteria Carotis interna (auch kurz Karotis oder Halsschlagader genannt) vor und verursacht diese Verengung (Stenose) keine Symptome, führt ein operativer Eingriff nachweislich zu einer Risikoreduktion.

Allerdings ist dieser Effekt in Zahlen eher überschaubar. Über einen Zeitraum von fünf Jahren nimmt das Schlaganfallrisiko nach der OP um rund 5% ab. Wenn man dann noch die möglichen Operationsrisiken einrechnet, ergibt sich ein grenzwertig geringer Vorteil durch die Gefäßoperation.

Männer profitieren mehr als Frauen

Etwas ausgeprägter war die Risikoreduktion in den Studien erstaunlicherweise bei Männern, außerdem bei Jüngeren (unter 65 Jahre) und bei zusätzlich erhöhten Cholesterinwerten.

Zwei Einschränkungen müssen zudem genannt werden. Die statistische Lebenserwartung muss laut den Experten-Richtlinien über fünf Jahre betragen, um den Eingriff zu rechtfertigen. Und der Operateur bzw. das Krankenhaus sollte bei diesen Eingriffen eine dokumentierte Komplikationsrate unterhalb von 3% haben. Denn bei höheren Komplikationsraten (ab 6%) kann sonst das Risiko für einen Schlaganfall durch den Eingriff sogar zunehmen. Fragen Sie also die jeweilige Klinik ruhig nach diesen Daten. Krankenhäuser, die sich hier bedeckt halten, sollten Sie im Zweifel eher meiden, zumindest was diesen Eingriff angeht.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn
Quelle: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Schlaganfallgesellschaft

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