Wie verläuft die Behandlung bei einem Schlaganfall in den ersten Stunden?

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe beschreibt das wünschenswerte Vorgehen bei der Akutversorgung von Schlaganfall-Betroffenen folgendermaßen:

Vorgehen bei Schlaganfall durch Gefäßverschluss

  • Die Behandlung von Menschen mit einem akuten Schlaganfall erfolgt idealerweise in einer darauf spezialisierten Klinik mit einer Spezialstation für Schlaganfall-Betroffene, einer sogenannten Stroke Unit (engl. stroke = Schlaganfall, unit = Abteilung).
  • Vor Beginn der Therapie muss die Ursache für den Schlaganfall (Apoplex, Insult) ermittelt werden. Mittels Röntgenschichtaufnahme per Computertomographie (CT) können die Ärzte schon in den ersten Stunden feststellen, ob es sich um einen Hirninfarkt (Verstopfung eines Gefäßes, ischämischer Insult) oder um eine Hirnblutung (Platzen eines Gefäßes, hämorrhagischer Insult) handelt.
  • Die Basistherapie besteht aus der Überwachung und Behandlung der Atem- und Herz-Kreislauf-Funktionen, der Körpertemperatur und des Blutzuckers.
  • Abhängig vom diagnostizierten Hauptgrund und anderen medizinischen Ausschlusskriterien stehen zudem verschiedene therapeutische Maßnahmen zur Verfügung, deren sinnvoller Einsatz allerdings an ein nur wenige Stunden umfassendes Zeitfenster nach dem Auftreten des Schlaganfalls gekoppelt sein kann.
  • Bei der Lyse-Therapie werden Medikamente in den Körper eingebracht, die Blutgerinnsel auflösen können. Damit sollen verschlossene Gefäße (bei ischämischem Schlaganfall, nicht bei einer Hirnblutung!) wieder durchgängig gemacht und die dahinter liegenden, mangelversorgten Hirnbereiche durch erneute Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr vor dem Absterben bewahrt werden.
  • Die einfachere Art, Lyse-Medikamente zu verabreichen, ist die venöse Infusion. Eine solche systemische Thrombolyse ist allerdings nur innerhalb von 3 Stunden nach Einsetzen der ersten Schlaganfall-Symptome sinnvoll.
  • Aufwändiger ist die lokale Thrombolyse, bei der das lysierende Medikament über einen Katheter direkt am Ort des arteriellen Geschehens appliziert wird. Dieses Verfahren unterliegt strengen medizinischen Ausschlusskriterien, ist aber bis zu 6 Stunden nach Auftreten der Schlaganfall-Symptomatik möglich.
  • Von Behandlungsbeginn an spielt auch die sogenannte Sekundärprävention eine wichtige Rolle. Deren Ziel ist es, durch den Einsatz gerinnungshemmender Arzneimittel weitere Gefäßverstopfungen zu verhindern und damit einem erneuten Hirninfarkt vorzubeugen.

Vorgehen bei Hirnblutung

Beruht der Schlaganfall dagegen auf einer Hirnblutung oder kommt es in der Folge eines ischämischen Insults zur Schwellung des Hirngewebes, kann eine Operation am Gehirn notwendig erscheinen: im Falle einer Blutung, um diese – medizinisch gesprochen – „auszuräumen“; bei infarktbedingter Schwellung, um durch Entfernung von Schädelknochenteilen für eine Druckentlastung des sich ausdehnenden Gehirns zu sorgen. Nach Rückbildung der Schwellung wird das in der Regel einseitig abgenommene Schädeldach (Hemikraniektomie) wieder eingesetzt. Solche Eingriffe sind glücklicherweise nur selten erforderlich.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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