Schlaganfall-Akut-Therapie: Was empfehlen die Experten?

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft haben unlängst in einer Leitlinie die wichtigsten Empfehlungen bei einem akuten Schlaganfall zusammengefasst. Die Leitlinie richtet sich in erster Linie an praktisch tätige Ärzte, bietet aber auch für normal Sterbliche einen recht guten Überblick:

Notfallmaßnahmen: Untersuchungen und Therapie

  • Der Schlaganfall ist als medizinischer Notfall anzusehen. Schlaganfallpatienten sollten in Schlaganfall-Stationen behandelt werden.
  • Die Computertomographie (CCT) des Gehirns ist die wichtigste apparative Untersuchung bei Schlaganfall-Patienten. Sie muss unverzüglich durchgeführt werden. Die Magnetresonanztomographie (MRT) kann die CCT ersetzen, wenn sie rasch zur Verfügung steht und eine Gradienten-Echo-Sequenz zum Blutungsausschluss durchgeführt wird. Sie ist der Computertomographie im Nachweis von frühen Stadien der verminderten bzw. aufgehobenen Durchblutung (Ischämien) überlegen und insbesondere bei Prozessen des Blutkreislaufs im hinteren Bereich des Gehirns einzusetzen.
  • Der neurologische Zustand (Status) und die Vitalfunktionen (Bewusstsein, Atmung und Kreislauf) von Schlaganfall-Patienten sollten in der Akutphase regelmäßig überwacht werden. Die Basis der Schlaganfall-Therapie bildet die Behandlung entgleister physiologischer Parameter.
  • Die Infusion von rt-PA (recombinant tissue-type plasminogen activator, Alteplase) wird innerhalb eines 3-Stunden-Fensters zur Behandlung ischämischer Schlaganfälle (Ursache: Gefäßverschluss) an Zentren empfohlen, die mit dieser Therapie Erfahrung haben.

Direkt mit der Akutbehandlung beginnt die Vorbeugung

  • Bereits in der Frühphase eines ischämischen Schlaganfalls (Ursache: Gefäßverschluss) soll mit der Vorbeugung eines erneuten Schlaganfalls begonnen werden.
  • Die Verabreichung von Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin®, 100-300 mg/Tag) in der Frühphase nach einem ischämischen Schlaganfall (Ursache: Gefäßverschluss) wird empfohlen.
  • Frühzeitiges Aufstehen und Umhergehen des Patienten (Frühmobilisation) hilft bei der Vermeidung zahlreicher Komplikationen inklusive Lungenentzündung, Thrombose und Liege-Geschwüren (Dekubitus).
  • Kommt es durch Verschluss der „mittleren Gehirnarterie“ (Arteria cerebri media) zu einer ausgedehnten Durchblutungsstörung – was als raumfordernder oder maligner Media-Infarkt bezeichnet wird –, verbessert eine frühzeitige operative Druckentlastung (Hemikraniektomie) die Überlebenswahrscheinlichkeit. Auch das Ausmaß der funktionellen Beeinträchtigungen bzw. wiedererlangten Fähigkeiten bei den Überlebenden wird dadurch positiv beeinflusst.


Autor: Dr. Hubertus Glaser
Quelle: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (2008, aktualisiert im Mai 2009)

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