Kaffee gegen Schlaganfall?

Kaffee erhöht nicht das Risiko für einen Schlaganfall. Im Gegenteil: Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft betont mit Hinweis auf eine italienische Studie, dass 1-3 Tassen Kaffee pro Tag davor schützen können, einen Schlaganfall zu erleiden.

Studienergebnisse aus Italien und Schweden

Ausgewertet wurden die Daten von mehr als 440.000 Menschen. Diese wurden zwischen 2 und 24 Jahre lang beobachtet. In dieser Zeit erlitten knapp 7.000 der Personen einen Schlaganfall. Diejenigen, die täglich ein bis drei Tassen Kaffee tranken, waren aber deutlich seltener betroffen.

Zu einem vergleichbaren Ergebnis ist eine schwedische Studie mit rund 35.000 Frauen gekommen. Randnotiz: Wer noch mehr Kaffee trank, konnte keinen weiteren schützenden Effekt verbuchen, eine Risikoerhöhung trat aber auch nicht ein.

Reichlich kritische Stimmen

Alles prima? Es gibt nicht wenige Ernährungswissenschaftler, die halten derartige Studien für Mumpiz. Der Ernährungsforscher Uwe Knop beispielsweise bemängelt, dass die Meldungen auf Studien beruhen, die ausschließlich Vermutungen erlauben. Es gebe bisher keinen wissenschaftlich belegbaren Beweis, dass Kaffee vor irgendeiner Krankheit schützt.

Auch Professor Gerd Antes, Direktor des Deutschen Cochrane-Zentrums in Freiburg, schränkt ein, dass Studien in diesem Bereich von vielen unbekannten oder kaum messbaren Einflüssen abhängig sind. Und damit keine Beweise liefern könnten. Walter Krämer, Professor für Statistik an der Universität Dortmund, hält die zahlreichen Kaffee-Meldungen für Ergebnisse einer schlampig ausgewerteten Statistik. Professorin Gabriele Meyer vom Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin sieht darin reine Spekulationen.

Und was soll der Bürger nun glauben? Am besten lässt man sich den Kaffee einfach schmecken und denkt an Omas Rat: Alles in Maßen.

Autor: Christian Sachse, 30.05.2012
Quelle: J Hypertension 2012; 30 (e-Supplement A):e107

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Kommentare (1)
Kaffee gegen Schlaganfall
1 Mittwoch, den 20. Dezember 2017 um 14:39 Uhr
T.G.
Meines Wissens enthält Kaffee verschiedene Antioxidantien, welche zum Teil auch durch die Röstung hervorgebracht werden. Ebenfalls regt Kaffe die Leber an, eigene antioxidativ wirkende Enzyme herzustellen. Da ja Antioxidantien gegen Schlaganfall vorbeugen sollen, ist dies also eine logische Erklärung für das Ergebnis der beiden Studien.
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