Schlaganfall: Die Länge des Blutgerinnsels ist entscheidend

Rund 80% aller Schlaganfälle gehen auf verstopfte Arterien in oder kurz vor dem Gehirn zurück. Es geht therapeutisch also darum, das Blutgerinnsel so rasch wie möglich aufzulösen. Neuro-Radiologen der Universität Kiel haben jetzt eine neue Untersuchungsmethode vorgestellt, mit der sich das Gerinnsel besser ausmessen lässt. Was wiederum die Wahl der richtigen Therapie erleichtert.

Gefäßverschluss auf Millimeter genau messbar

Wenn Radiologen eine Weiterentwicklung vermelden, geht es natürlich um ein Gerät. In diesem Fall um die sogenannte Dünnschicht-Computertomografie. Mit der gelingt es, das Gehirn in millimeterdünne fotografische Scheiben zu schneiden, wie Prof. Olav Jansen, Direktor der radiologischen Abteilung in Kiel, erläutert. Und das wiederum ermöglicht ein exaktes Ausmessen der Länge des Blutgerinnsels bei einem Schlaganfall.

Und die Kieler haben daraus auch schon therapeutische Schlüsse gezogen. Gerinnsel mit einer Länge von bis zu 6 Millimeter lassen sich nach den Erfahrungen an der Kieler Universitätsklinik relativ erfolgreich mit einer sogenannten Lyse-Therapie beheben. Also mit einem in die Vene gespritzten Medikament, das solche Blut-Thromben auflösen kann. Ist das Blutgerinnsel hingegen länger, ist diese Form der Lyse-Therapie meist aussichtslos. Dann muss das gleiche Medikament entweder über einen Katheter ganz nah an den Blutpfropf herangeführt oder aber das Hindernis gleich mit dem Katheter weggeräumt werden. Letzteres nennt man Thrombektomie. Diese knifflige Behandlungsmethode wird zunehmend häufiger angewandt.

Experten fordern Behandlung von Experten...

All diese modernen Verfahren sind natürlich etwas für Spezialabteilungen für Schlaganfall. Darauf wies denn auch Jansen nochmals hin (wie vor ihm hunderte andere Schlaganfall-Experten): Menschen mit akutem Schlaganfall gehören in eine "Stroke Unit", sprich in eine auf Schlaganfall spezialisierte Einheit in einem größeren Krankenhaus.

Man fragt sich immer, wem sie das eigentlich mitteilen wollen. Der Patient mit Schlaganfall wird sich in der akuten Situation kaum mahnend an den Rettungsdienst wenden und sagen, wo er denn gerne hin möchte. Er kann nur hoffen, dass die ihn zur richtigen Klinik bringen.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn, 24.03.2011
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie

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