Ist der Schlafbedarf eine Frage des Trainings?

Nein, die benötigte Schlafdauer bildet sich bis zum jungen Erwachsenenalter aus und nimmt dann auch im höheren Lebensalter nur noch geringgradig ab. Der individuelle Schlafbedarf ist offenbar maßgeblich genetisch bedingt und lässt sich durch Trainingsmaßnahmen nicht relevant beeinflussen. Das gilt wohl auch für den Schlaf-Wach-Rhythmus, also wann man abends müde und morgens wach wird.

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Lieber die Rahmenbedingungen anpassen als sich selbst „vergewaltigen“

Die Umerziehung von der Eule zur Lerche oder umgekehrt ist also ein schwieriges und fragwürdiges Unterfangen. Besser ist es, Sie passen Ihre Lebensumstände – etwa die persönlichen Bürozeiten –  an Ihre biologisch determinierten Bedürfnisse an. Oft ist das einfacher möglich als man denkt. Häufig geht es nur darum, die Problematik anzusprechen und einen geeigneten Lösungsvorschlag mit den Beteiligten abzustimmen.

Falsches Vorbild: Frühaufsteher

Von den noch immer gängigen charakterlichen oder gar moralischen Wertungen sollten Sie sich nicht beeindrucken lassen. Frühes Aufstehen hat zwar hierzulande bei althergebrachtem Verständnis häufig noch Vorbildcharakter. Frühaufsteher sind aber nicht per se leistungsfähiger als Nachtmenschen. In psychologischen Untersuchungen haben sich keine gravierenden Unterschiede in den Persönlichkeitsmerkmalen zwischen beiden Gruppen ergeben.

Und auch die Lebensleistung wird nicht durch Schlafdauer oder Schlaftypus geprägt. Albert Einsteins Schlafbedarf soll 14 Stunden betragen haben. Dennoch ist sein Beitrag für die moderne Menschheitsentwicklung enorm. Napoelon Bonaparte dagegen – auf seine Art auch ein Genie – war stolz auf seine geringe Schlafration von 4 Stunden (die er offenbar mit heimlichem Mittagsschlaf und Dösen im Sattel aufbesserte). Die viele zusätzliche Wachzeit nutzte er aber leider vornehmlich zum Kriegführen.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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