Was ist wichtig bei der Einnahme von Zolpidem?

Das Wichtigste vorneweg: Sie sollten Zolpidem nur kurzzeitig einsetzen. Das ist auch der Grund, warum dieses Schlafmedikament in jeder Dosierung verschreibungspflichtig ist. Über eine vorübergehende Schlafstörung kann dieses Arzneimittel Ihnen möglicherweise gut und bequem hinweghelfen.

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Anders sieht es bei chronischer Schlaflosigkeit aus. Hier sollte das Ziel der Zolpidem-Einnahme darin bestehen, Ihren akuten Leidensdruck soweit zu vermindern, dass Sie sich mit nichtmedikamentösen Maßnahmen um einen dauerhaften Schlaferfolg kümmern können. Denn das Medikament kann kurzfristig helfen, aber nicht heilen.

Nutzen und Nebenwirkungen eine Frage der Dosis und Dauer

Viele Internetkommentare von Anwendern zeugen in dankbaren bis euphorischen Tönen von der Wirksamkeit dieses Arzneimittels. Das kann eine Ermutigung sein, wenn der Griff zur Schlaftablette alternativlos erscheint. Beachten Sie aber, dass die Wirkung individuell recht unterschiedlich ausfallen kann und immer auch eine Frage der Dosierung ist. Das gilt erst recht für die Nebenwirkungen.

Deshalb folgende Tipps und Hinweise:

  • Berücksichtigen Sie die Möglichkeit einer erhöhten Schläfrigkeit, verlangsamter Reaktionen, verminderter Verkehrstüchtigkeit und erhöhter Unfallgefahr am Folgetag.
  • Nehmen Sie die geringstmögliche Dosis ein, die noch wirksam ist. Standardmäßig werden meistens zunächst 5 mg empfohlen. Mehr als 10 mg für eine Nacht dürfen es nicht sein.
  • Nehmen Sie Zolpidem unmittelbar vor dem Schlafengehen ein, da es innerhalb von 5-10 Minuten wirken kann. Man spricht deshalb auch von einem „Bettkanten-Medikament“.
  • Es ist aber, zumindest in therapeutischer Dosierung, kein Betäubungsmittel. Warten Sie also nicht krampfhaft darauf, dass Sie die Tablette umhaut, sondern verhalten Sie sich so normal wie möglich.
  • Nehmen Sie Zolpidem in derselben Nacht nicht noch einmal ein.
  • Achten Sie auf einen zeitlichen Abstand von mindestens acht Stunden nach der Tabletteneinnahme, bevor Sie sich wieder ans Steuer setzen, Maschinen bedienen oder andere verantwortungsvolle Tätigkeiten mit hohem Konzentrationserfordernis ausüben.
  • Verzichten Sie auf die gleichzeitige Einnahme von anderen Arzneimitteln, die das Nervensystem dämpfen. Das gilt auch für Alkohol und für illegale Drogen. Die dämpfende Wirkung kann sonst übermäßig gesteigert werden.
  • Beachten Sie die erhöhte Sturzgefahr aufgrund der verstärkten Muskelentspannung durch Zolpidem. Das betrifft besonders ältere Menschen.
  • Zolpidem wird in der Leber abgebaut. Durch die Interaktion der abbauenden Enzyme mit anderen Wirkstoffen kann es zur Abschwächung oder Verstärkung seiner Wirkung kommen.
    • Abschwächung: z.B. durch bestimmte Antibiotika und Epilepsie-Mittel.
    • Verstärkung: z.B. durch Grapefruitsaft, bestimmte Antibiotika und Pilzinfektionen.
  • Bei Frauen arbeitet die Leber langsamer. Deshalb werden niedrigere Dosierungen als bei Männern empfohlen.
  • Auch im fortgeschrittenen Alter und bei Leberfunktionsstörungen wird Zolpidem nur langsam abgebaut, ist also stärker wirksam. Eine niedrigere Dosierung (z.B. 5 mg) reicht deshalb häufig aus.
  • Zolpidem ist plazentagängig, findet sich also in der Muttermilch wieder. Da eine sichere Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit nicht ausreichend belegt ist, sollten Sie in dieser Zeit auf die Einnahme lieber verzichten.
  • Sie dürfen Zolpidem nicht einnehmen, wenn Ihre Atmung schwer beeinträchtigt ist oder wenn Sie an Schlafapnoe leiden, also an Atemaussetzern während der Nacht.
  • Das Zolpidem-Verbot gilt auch für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren und bei krankhafter Muskelschwäche (Myasthenia gravis) sowie bei schweren Leberschäden.
  • Über Ihre Erfahrungen und vor allem über Ihre Bedenken in Zusammenhang mit den Schlaftabletten sollten Sie auch mit Ihrem Arzt sprechen.

Autor: Dr. Hubertus Glaser
Quelle (u.a.): European Medicines Agency: Neue Empfehlung zur Minimierung des Risikos einer Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit und der geistigen Wachheit am Morgen nach der Anwendung von Zolpidem EMA/4275 74/2014.

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