Können Schlafmittel auch über längere Zeit eingenommen werden?

Normalerweise sollten Schlafmittel nur als Notbehelf und kurzfristig über höchstens 2-4 Wochen zum Einsatz kommen. In Ausnahmefällen und unter bestimmten Voraussetzungen kann aber auch eine längerdauernde medikamentöse Behandlung sinnvoll sein.

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Mögliche Gründe für eine längere Anwendung

Dann sollten folgende Gegebenheiten erfüllt sein:

  • Ihre Schlafstörung dauert bereits über mehrere Monate an.
  • Sie sind dadurch erheblich beeinträchtigt und leiden sehr stark darunter.
  • Ein schlafmedizinisch erfahrener Arzt konnte keine behandelbare Ursache Ihrer Schlafstörung feststellen. Sie selbst auch nicht.
  • Die Schwere der Schlafstörung ist im Schlaflabor nachgewiesen worden. Ebenfalls ohne Hinweis auf eine behandelbare Ursache.
  • Sie haben bereits erfolglos andere, nichtmedikamentöse Maßnahmen ergriffen, um Ihre Schlafstörung zu überwinden.
  • Es sind auch ärztlicherseits mindestens zweimal erfolglos alternative Behandlungsverfahren durchgeführt worden.
  • Die von Ihnen eingenommenen Schlafmedikamente sind immer noch wirksam und sie mussten die Dosis nicht steigern.
  • Sie haben bereits mehrmals erfolglos versucht, das oder die Schlafmittel abzusetzen bzw. auszuschleichen.

Nach dem Absetzen wird es kurzfristig schlechter

Beim Versuch, auf die Schlafmittel zu verzichten, ist zu berücksichtigen, dass es in einem Übergangszeitraum zur akuten Schlafverschlechterung wegen des Absetzens kommen kann. Das wird als Rebound bezeichnet. Erst wenn auch danach die bekannten Schlafbeschwerden wieder auftreten ist der Absetzversuch als gescheitert zu bewerten.

Mit Ausschleichen ist gemeint, dass die Schlafmedikamente in immer niedrigerer Dosierung und mit immer größeren Pausen eingenommen werden. Der allmähliche Rückzug der schlaffördernden Wirkstoffe aus dem Körper kann dabei helfen, den Rebound-Effekt zu vermeiden. Nach einem abrupten Absetzen tritt er deutlich häufiger auf.

Absetzen unter Umständen nicht nötig, dennoch anzustreben

Entscheidend ist, dass Sie mit der Schlafmedikation und der Situation, so wie sie ist, gut zurecht kommen. Gerade wenn Sie etwas älter sind und die Schlafmittel schon über einen langen Zeitraum in der normalen Dosierung einnehmen und damit gut schlafen können, kann auf ein Absetzen der Schlafmittel unter Umständen auch verzichtet werden. Grundsätzlich und in alle Regel gilt aber: Sie können Ihren Schlaf auch selbst und ohne äußere Mittel positiv beeinflussen. Und das sollte Ihr Ziel sein.

Fragwürdige Verschreibungspraxis

Von vielen Ärzten werden Schlafmittel leider nach wie vor häufig über längere Zeiträume verschrieben, ohne dass die oben genannten Voraussetzungen erfüllt wären. Besonders bedauerlich daran ist, dass die Betroffenen oft nicht ausreichend über die Risiken informiert werden, die damit einhergehen. Und dass sie auch nicht adäquat darin unterstützt werden, ihre Schlafprobleme durch ein anderes Verhalten zu beseitigen. Die Anwendung alternativer, nichtmedikamentöser Verfahren unterbleibt häufig. Und die bloße Empfehlung, einen Entspannungskurs bei der Volkshochschule zu belegen, ist hier meist wenig hilfreich.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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