Können Schlafmittel Schlafstörungen heilen?

Nein, das können sie leider nicht. Bei mehr als 70% der Menschen bleibt der Schlaf trotz Schlafmitteleinnahme gestört. Nur etwa jeder Fünfte gelangt durch sie zum Wohlfühlschlaf.

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Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Arzneimittel nur sehr selektiv das Einschlafen oder auch Durchschlafen unterstützen können. Sie beeinflussen jeweils spezifische Rezeptoren im Gehirn. In die Schlafstruktur ordnend und regulierend eingreifen können sie aber nicht. Und das ist für einen dauerhaft gesunden und erfolgreichen Schlaf notwendig. Deshalb stehen bei der Behandlung einer Schlaflosigkeit, die nicht durch andere Erkrankungen oder erkennbare äußere Faktoren bedingt ist, die nichtmedikamentösen Therapieverfahren im Vordergrund.

Keine Heilung möglich, auf Dauer eher Lebensverkürzung

Zweifellos werden die Wirkungen von Schlaftabletten aber zunächst als sehr positiv empfunden, wenn diese nach unsäglichen Schlafproblemen endlich einmal wieder zum Durchschlafen verhelfen. Es kommt allerdings häufig zu einer relativ raschen Gewöhnung, die dann zu ebenso rascher Dosissteigerung verleiten kann. Damit wächst aber auch das ohnehin beträchtliche Risiko für Nebenwirkungen.

Es gibt sogar eine Reihe von Studien, die eine erhöhte Sterblichkeit durch Schlafmittel zu belegen scheinen. Sogar bei Personen im jüngeren Alter unter 55 Jahren, bei vermeintlich gut verträglichen Mitteln (wie Zolpidem, Zopiclon oder Zaleplon) und bei relativ kurzer Anwendungsdauer, mit nicht mehr als 18 rezeptierten Nächten pro Jahr. Die direkten tödlichen Effekte werden als eher gering eingeschätzt. Relevanter sind wohl die indirekten Folgen der Nebenwirkungen und die schlicht ungenügende Wirkung der Medikamente gegen den lebensverkürzenden Schlafmangel.

Eines ist jedenfalls klar bei der Anwendung von Schlafmitteln: statt „viel hilft viel“ gilt hier „weniger ist mehr“. Und das gerade angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Schlafmittelabhängigen in Deutschland gegenwärtig auf etwa 1,5 Millionen geschätzt wird.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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