Warum können Schlafmittel selbst zu Schlafstörungen führen?

Das klingt paradox, ist aber leider so. Zu den Ursachen, die Schlafstörungen auslösen können, zählen gerade auch Schlafmittel selbst. Das gilt vor allem für die synthetischen Präparate, weniger für diejenigen auf pflanzlicher Basis. Allerdings auch für solche Schlafmittel, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind.

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Dazu muss man wissen, dass Medikamente eine Schlafstörung nicht heilen können. Sie wirken vor allem durch ihre dämpfenden und beruhigenden Effekte kurzfristig schlaffördernd, verhelfen also – wenn überhaupt – im besten Fall zum lange ersehnten Durchschlafen.

Auch der Entzug wird zum Problem

Da sich aber an der Schlafstruktur selbst und den tiefer liegenden Ursachen nichts ändert, droht im Verlauf der Tabletteneinnahme früher oder später ein Gewöhnungseffekt. Die Wirkung lässt nach, die Dosis muss gesteigert werden. Das wiederum beeinträchtigt den Erholungseffekt und verstärkt die Benommenheit am Tag.

Wird das Schlafmedikament abgesetzt, droht ein Entzugs-Syndrom. Und das ist besonders tückisch: Der Körper reagiert zwar "nur" vorübergehend auf den Entzug der künstlichen Schlafunterstützung mit erneuter Schlaflosigkeit. Von den Betroffenen wird dieses Phänomen aber meist als wiederkehrende Schlafstörung fehlinterpretiert. Die Folge: Es wird erneut zur Schlaftablette gegriffen. Ein Teufelskreis.

Gefahr der Medikamentenabhängigkeit

Vor allem bei Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine besteht die Gefahr der Medikamentenabhängigkeit. Dazu zählen Valium und praktisch alle Wirkstoffe, die auf "zepam" enden. In der Fachliteratur wird diese Abhängigkeit bei den moderneren Substanzen zwar als nicht mehr so relevant eingeschätzt. Die Einträge auf Patientenportalen zum Thema Schlafmittelanwendung sprechen allerdings eine andere Sprache.

Bevor es zur Schlaflosigkeit durch Schlafmittel kommt, können sich noch andere Nebenwirkungen der Schlafmedikamente einstellen. Etwa die als Hang-over-Effekt bekannte Benommenheit am nächsten Morgen sowie Gliederschmerzen, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Schweißausbrüche, Unruhezustände oder Stimmungsschwankungen. All dies passiert nie zu 100% und keineswegs bei jedem. Angesichts der vielen Millionen verordneten und auch rezeptfrei bezogenen Schlaftabletten ist aber von einem gehäuften Auftreten dieser unerwünschten Wirkungen auszugehen.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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