Was ist ein Wahnsystem?

Ein sogenanntes Wahnsystem entsteht, wenn Ereignisse, Personen und Wahrnehmungen scheinbar alle zusammenpassen. Alles wird Bestandteil des Wahns und bestätigt die wahnhafte Überzeugung des Betroffenen.

Das Wahnsystem ist ein ausgetüfteltes Denkgebäude, das am Ende eines längeren Prozesses steht, den Mediziner auch mit "Wahnarbeit" bezeichnen.

In sich stimmig

Zu Beginn sind dem Betroffenen seine Wahngedanken und die einzelnen Inhalte meist noch gar nicht ganz klar. Oft verspürt er zunächst ein diffuses Gefühl von Veränderung, von etwas Großem und Bedeutsamem, das sich langsam anbahnt. Das kann als bedrohlich empfunden werden, den Betroffenen verängstigen und misstrauisch machen. Diese Vorstufe des manifesten Wahns ist mit dem Begriff "Wahnstimmung" gemeint.

Sie kann weiter zu konkreten Ausformungen des Wahns führen. Wenn der Betroffene die einzelnen Wahnelemente und -gedanken in sich "logisch" und plausibel miteinander verknüpft, entsteht in seinem Bewusstsein ein ganzes Gedankengebäude, das sich mehr und mehr verfestigt. Der wahnhaft Erkrankte lebt in seiner eigenen, von ihm selbst kreierten und nur für ihn zugänglichen Welt. Von außen sind diese Gedankenkonstrukte nicht mehr nachvollziehbar.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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