Wie häufig kommt es nach einer ersten Episode der Schizophrenie zu einem Rückfall?

Die Rückfallrate nach dem erstmaligen Auftreten einer Schizophrenie ist recht hoch. Fast jeder zweite Betroffene erleidet bereits im ersten Jahr nach dem Erstauftreten der Krankheit einen Rückfall.

Eine häufige Ursache für Rückfälle ist dabei auch eine unzuverlässige Medikamenteneinnahme. Vielen Betroffenen und zum Teil auch ihren Bezugspersonen fehlt es oft an der Bereitschaft, eine solch lange Einnahme von Psychopharmaka zu akzeptieren bzw. konsequent durchzuziehen.

Gerade seitens der Angehörigen muss deshalb besondere Aufmerksamkeit der Überwachung der medikamentösen Behandlung dienen. Oder noch besser, der guten Zurede und Motivation. Auch sogenannte Psychoedukationsprogramme können die Behandlungsmotivation steigern. Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt darüber.

Autorin: Dr. med. Julia Hofmann

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Kommentare (9)
Paranoide Schizophrenie
9 Dienstag, den 30. Juli 2019 um 19:33 Uhr
Jessica
Ich bin 62 Jahre alt. Als ich 8 Jahre alt war, wurde bei meiner Mutter zum ersten Mal paranoide Schizophrenie festgestellt. Damals war sie 35 Jahre. Auch meine Tochter leidet - seit sie 30 ist - unter dieser Krankheit, hat aber bisher (seit 3 Jahren) keinen Rückfall mehr gehabt. Ich habe also einige Erfahrungen gesammelt und mir ist wichtig zu betonen, dass es genauso eine Krankheit ist, wie jede andere auch. Leider muss ich immer wieder feststellen, dass die Erkrankten als verrückt oder eben nicht normal bezeichnet werden, sobald das Wort Schizophrenie fällt. Burnout und Depressionen werden inzwischen von der Gesellschaft anerkannt und es wird offen darüber gesprochen. Meine Mutter war bis zu ihrem Tod immer wieder von ihren Dämonen geplagt. Nur ich fand als Einzige immer noch Zugang zu ihr. Auch, wenn sie noch so sehr Angst hatte und verzweifelt war. Auch sie hatte Phasen, in denen sie ihre Medikamente absetzte. Manchmal wurde es auch vom behandelten Arzt angeregt. Aber nach einer Weile kam die Krankheit wieder, und nach meinen Empfinden wurde es nach jedem Rückfall immer schlimmer. Dass sie die Medikamente absetzen wollte, war meist nur der Wunsch, wieder als "normal" zu gelten - was leider immer schief ging. Als ich bei meiner Tochter die ersten Anzeichen (Stimmen hören) bemerkte, begann ich ihr zu erklären, dass sie eine Krankheit hat. Nicht verrückt ist! Ich sagte ihr, dass ich ihr glaube die Stimmen zu hören, aber das sie nur in ihrer Phantasie wären. Mit viel gutem Zureden war sie bereit, sich in eine betreffende Klinik einweisen zu lassen. Sie war dort nur 6 Wochen und fand wieder zurück in ihr "normales" Leben. Seit 3 Jahren hat sie keinen Rückfall mehr gehabt, was ich auf die regelmäßige Einnahme von Medikamenten zurückführe. Auch bitte ich sie immer wieder, mit mir über all das zu sprechen, was sie meint zu hören oder zu sehen. Ich sage ihr auch immer wieder, dass sie eine Erkrankung hat wie jeder andere, der eine chronische Krankheit hat und seine Medikamente regelmäßig nehmen muss. Als betroffene Angehörige ist meiner Meinung nach keine Heilung möglich. Aber durch Verständnis, regelmäßige Medikamenteneinnahme und Gespräche, ist es durchaus möglich, dass die Erkrankten eine Chance haben, keinen Rückfall mehr zu erleiden. Wichtig ist mir, dass die Gesellschaft ein anderes Bild von Schizophrenie bekommt. Das Bild der Erkrankung, das uns durch Filme und Bücher usw. vermittelt wird, ist doch stark überzogen und macht den Betroffenen auch Angst. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Aufklärung gibt, damit kein Patient mehr als verrückt abgestempelt wird.
cum
8 Freitag, den 31. August 2018 um 20:27 Uhr
...
Niemand erwähnt hier auch nur mit einem Wort, dass Neuroleptika eine Überempfindlichkeit gegen Dopamin verursachen und so Psychosen chronifizieren. Und dass etwa 80% der Patienten dadurch chronisch schizophren werden, wird schön unter den Teppich gekehrt.
Schizophrenie Langzeittherapie
7 Sonntag, den 13. November 2016 um 20:52 Uhr
Frank
Hallo,
ich nehme jetzt seit 21 Jahren Neuroleptika. Sie sind mittlerweile so gut, dass man mir im normalen Umgang die Schizophrenie nicht anmerkt. Dies ist auch ein Risiko, denn man kommt leicht auf den Gedanken, man wäre gar nicht krank. So kam es vor 6 Jahren auch zu einem Rezidiv, durch nicht mehr vorhandene Krankheitseinsicht. Mit der Wiedereinnahme der Neuroleptika bin ich wieder stabil. Das Rezidiv hatte in meinem Leben aber weitreichende Konsequenzen. Ich habe meinen Job verloren und die Tatsache, dass jetzt jeder von meiner Krankheit weiß, ich lebe in einer Kleinstadt, führt dazu, dass ich keinen neuen Job mehr finde. Ich bin mittlerweile verrentet.
paranoide Schizophrenie
6 Montag, den 13. Juni 2016 um 21:36 Uhr
karin
Seit 2009 erhalte ich Imap wöchentlich 0,9, bin es jetzt seit 10 Wochen am Ausschleichen, bei nur 0,2. Keine Rückfälle noch Symptome, es geht mir bestens, keinen Rückfall erlebt beim Reduzieren, außer Schweißausbrüche vom Entzug und gestörter Schlaf sowie leichten Kopfdruck.
Hoffe, dass ich es endlich geschafft habe. 0,2 nehme ich nur noch 4 Wochen und damit ist das Ausschleichen beendet und ich bin psychisch stabil geblieben.
Imap absetzen - möglich, aber vorher mit Arzt sprechen
5 Mittwoch, den 25. November 2015 um 12:03 Uhr
Navigator-Team
Hallo Karin,

dass Sie das Neuroleptikum Imap absetzen wollen, ist natürlich gut verständlich. Allerdings ist tatsächlich nicht auszuschließen, dass es dadurch zu einer erhöhten Rückfall-Wahrscheinlichkeit kommt. Wie hoch diese Gefahr ist, ist aber aus der Ferne nicht zu beurteilen. Das kann, wenn überhaupt, nur Ihr behandelnder Arzt vor Ort beurteilen.
Was man sich immer klar machen muss: So unangenehm Neuroleptika auch sein mögen, sie mindern die Symptome einer Schizophrenie. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass eine Symptomfreiheit bei Ihnen auch allein am Imap liegen kann.
Aber wie gesagt, wir können Sie von hier aus unmöglich eriös beraten.

Alles Gute und viele Grüße
Ihr Navigator-Ärzte-Team
paranoide Schizophrenie wurde 2009 festgestellt
4 Mittwoch, den 25. November 2015 um 11:27 Uhr
karin
Ich werde seit 6 Jahren mit Imap Depotspritzen behandelt. Ich war trotz dieser Erkrankung ein friedliebender Mensch, hatte akustische Stimmen hören und Halluzinationen. Möchte nach 6 Jahren das Medikament absetzen, es hat mir sehr geholfen, aber darf ich das jetzt nach 6 Jahren absetzen, oder besteht die Gefahr eines Rückfalls?
Heilung
3 Sonntag, den 30. November 2014 um 23:54 Uhr
Moris dumancic
Nach 10 Jahren haben die Stimmen aufgehört, nur ich muss mich um meine Aussprache kümmern, da treten noch unpassende Wörter vor
Stress.
2 Donnerstag, den 16. Oktober 2014 um 14:46 Uhr
Ich_alein_zuhaus
Hallo,
Emotionaler Stress kann auch ein Auslöser sein. Lebensveränderungen. Neue Lebensabschnitte.
und: nicht zu unterschätzen: Alkoholkonsum in Kombination mit den Medikamenten.

L.G.
Langzeit-Therapie erzwingen?
1 Donnerstag, den 20. Dezember 2012 um 16:46 Uhr
J. Zorn
Der folgende Kommentar richtet sich an einen Leser, der gefragt hatte, wie er mit einem Therapieabbruch seines Sohnes umgehen soll:

Hallo Herr E.,

wenn es bei Ihrem Sohn an einer Krankheitseinsicht fehlt, er also nicht bereit ist, sich langfristig behandeln zu lassen und ggf. dauerhaft Medikamente einzunehmen, sollten Sie Kontakt zum behandelnden Arzt oder der Klinik aufnehmen, die zuletzt damit befasst waren.
Man kann nichts erzwingen, aber "neutralen" und erfahrenen Therapeuten fällt es oft leichter, eine Einsicht zur Behandlungsnotwendigkeit zu erreichen als einem Familienmitglied.
Auch Selbsthilfegruppen können hier oft sehr wertvolle Tipps geben.

Viele Grüße
J. Zorn (vom Navigator-Team)
Anzeigen