Warum erkranken manche Menschen an Schizophrenie und andere nicht?

Die Ursachen der Schizophrenie sind bislang nicht geklärt. Neben biochemischen Veränderungen im Gehirn werden auslösende belastende Lebensereignisse diskutiert wie auch eine erbliche Komponente.

Da die Frage der voranstehenden in diesem Kapitel ähnelt, verweisen wir auf unsere dortige Antwort, die vor allem auf die genetische Komponente und psychosoziale Einflussfaktoren eingeht (Kann jeder Mensch an einer Schizophrenie erkranken?). Hier widmen wir uns dafür einigen ergänzenden, speziellen Theorien.

Infekte in der frühen Kindheit

Möglicherweise sind Faktoren in der frühkindlichen Entwicklung des Gehirns von Bedeutung. So deuten einige Studien an, dass Infekte im frühen Kindesalter das Risiko für eine spätere Schizophrenie erhöhen. Dazu passt, dass die Schizophrenie bei Menschen häufiger auftritt, die in den ersten drei Monaten des Jahres geboren wurden.

Die Glutamat-Hypothese

Ist die Schizophrenie gar eine Autoimmunerkrankung? In Studien wurden bei Patienten Antikörper gegen einen Rezeptor gefunden, der die Glutamat-Produktion regelt. Glutamat (auch: Glutaminsäure) ist eine Aminosäure, die im Körper als Botenstoff im Gehirn Bedeutung hat. Es gibt Hinweise darauf, dass die Einnahme von Glutamat als Medikament die Schizophrenie-Symptome lindert. Wenn sich das bestätigt, wäre Glutamat ein mögliches Therapeutikum und zugleich wären die erwähnten Antikörper ein möglicher Krankheitsauslöser.

In Sachen Schizophrenie und Immunsystem gibt es noch weitere Hinweise auf Zusammenhänge, auch unabhängig vom Glutamat. Allerdings sind diese Hinweise bzw. Studien bisher noch sehr dünn, es braucht hier weitere Untersuchungen.

Die Hormon-Hypothese

Bei Frauen mit einer Schizophrenie könnte das weibliche Geschlechtshormon Östrogen eine Rolle spielen. Oder vielmehr dessen Mangel. Darauf weisen einige Untersuchungen hin, zudem wurden in Studien positive Effekte durch die Gabe von Östrogen-Tabletten erzielt. Allerdings sind alle diese genannten wissenschaftlichen Daten noch sehr bruchstückhaft und zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesichert genug, um daraus klare Handlungsanleitungen ziehen zu können.

Die Großstadt-Hypothese

In einer dänischen Studie aus dem Jahre 2009 zeigte sich ein 2-3fach erhöhtes Risiko für Menschen, die in der Großstadt aufgewachsen sind. Die möglichen Ursachen für einen solchen Zusammenhang sind noch völlig unklar und geben viel Raum für Spekulationen, interessant ist diese Untersuchung aber allemal.

Die "nur ein Symptom"-Hypothese

Und zu guter Letzt gibt es auch Wissenschaftler, die überzeugt sind, dass die Schizophrenie gar keine eigenständige Erkrankung ist. Sondern nur ein Symptom einer Hirnstörung, die auf ganz unterschiedliche Weise zustande kommen kann. Demnach würden verschiedenste Ursachen zu ein und demselben biochemischen Zustand im Gehirn führen, der die Schizophrenie-artigen Symptome auslöst. Überspitzt gesagt wie bei Kopfschmerzen, die ja auch durch ganz unterschiedliche Auslöser zustande kommen können und sich doch sehr ähnlich anfühlen.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann & Dr. med. Jörg Zorn

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