Erhöht Drogenkonsum das Risiko für eine Schizophrenie?

Sichere Daten dazu gibt es nicht. Aber nicht selten haben Patienten mit Schizophrenie Erfahrungen mit Drogen gemacht oder greifen regelmäßig dazu. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass die Drogen die Ursache der Schizophrenie sind. Es kann auch andersherum sein.

Zum einen sind psychische Belastungen, wie sie ja im Rahmen einer Schizophrenie ohne Frage vorliegen, natürlich ein möglicher Grund, eher zu Drogen zu greifen. Zum anderen kann der Drogenkonsum auch eine Art Selbstheilungsversuch sein, bei dem die Betroffenen versuchen, die Symptome der Krankheit mit dem Drogenkonsum zu unterdrücken.

Drogen als möglicher Auslöser denkbar, aber nicht gesichert

Andererseits besteht aber auch die Möglichkeit, dass Drogen das Gehirn in einer Art und Weise beeinflussen, dass es empfänglicher für eine Schizophrenie wird. Fest steht, dass bei einer Schizophrenie auch die biochemischen Vorgänge im Gehirn verändert sind. So gibt es diverse Studien, die eine veränderte Zusammensetzung von Botenstoffen wie Dopamin oder Glutamat gezeigt haben. Solche Veränderungen könnten auch unmittelbare Folge eines Drogenkonsums sein.

Fazit

Im Einzelfall lässt sich die Huhn-oder-Ei-Frage nicht sicher beantworten. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass Drogen (auch Cannabis) das Risiko, eine Schizophrenie zu bekommen, tendenziell erhöhen. Auch Alkohol ist ein möglicher Auslöser. Aber in vielen dieser Untersuchungen blieb die Kausalkette (was kam zuerst) ungeklärt. Außerdem gibt es Millionen Menschen, die kiffen oder viel Alkohol trinken, und niemals eine Schizophrenie bekommen (dafür möglicherweise andere Probleme).

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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