Wie häufig kommt die Schizophrenie vor?

Viele Jahre lang schätzte man das Lebenszeitrisiko für die Schizophrenie auf 1%. Also sehr hoch, denn das bedeutet, dass 1 von 100 Personen erkranken würde.

Mittlerweile wurde diese Zahl nach unten korrigiert. Neue Studien ergaben, dass etwa 7 von 1.000 Personen im Laufe ihres Lebens an Schizophrenie erkranken. Einige Experten beziffern das Risiko auf 0,5-1% und zollen damit einer recht hohen Unsicherheit bezüglich der Häufigkeit Tribut.

Ab wann ist es eine Schizophrenie?

Woran liegt das, dass man bei einer schon so lange bekannten Erkrankung so wenig Genaues über die Häufigkeit sagen kann. Zum einen liegt das an der recht schwierigen Diagnosestellung. Es gibt viele Grenzfälle, in denen ohne Frage ein psychisches Problem vorliegt, aber von zwei Ärzten einer die Diagnose "Schizophrenie" stellen würde, der andere etwas anderes.

Zwar gibt es jede Menge sogenannter Diagnosekriterien, die bei bestimmten Denkvorgängen, Wahnvorstellungen oder Halluzinationen die Diagnose Schizophrenie nahelegen. Aber ab wann ist eine bestimmte Denkweise schon eine Denkstörung? Ab wann ist ein Gefühl, gemobbt zu werden, ein Verfolgungswahn? Das ist in der Praxis sehr viel schwerer zu beurteilen als in Lehrbüchern suggeriert wird. Statt einer Schwarz-Weiß-Frage ist das eine große Grauzone, in der vieles von der individuellen Interpretation abhängt, sowohl des Arztes als auch des Betroffenen, der ja Dinge so und so erzählen kann.

Hohe Dunkelziffer

Hinzu kommt eine recht hohe Dunkelziffer. Längst nicht jeder, der von einer Schizophrenie-artigen Störung betroffen ist, landet unmittelbar beim Arzt. Im Gegenteil, die Neigung, mit den Symptomen und Gefühlen recht lange "einfach so weiter zu machen", ist recht stark ausgeprägt. Oft sind es dann Partner, Angehörige oder Freunde, die irgendwann einen Arztbesuch quasi erzwingen, weil sie den sozialen Rückzug oder merkwürdige Äußerungen über einen längeren Zeitraum irgendwann nicht mehr für "normal" halten.

Insgesamt erkranken die meisten Betroffenen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Bei Männern beginnt die Schizophrenie tendenziell früher als bei Frauen. Das sind aber nur epidemiologische Richtwerte, es gibt im Einzelfall jede Menge Abweichungen.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann & Dr. med. Jörg Zorn

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