Was ist eine multiple Persönlichkeit oder eine multiple Persönlichkeitsstörung?

Bei der multiplen Persönlichkeitsstörung leben die Betroffenen wechselweise in verschiedenen Persönlichkeiten. Allerdings ohne eine Kontrolle darüber zu haben. Im Gegenteil: Die einzelnen "eingebildeten" Persönlichkeiten übernehmen mehr oder minder die Kontrolle über die Betroffenen. Sie bestimmen das Denken und das Verhalten. In der jeweils aktuellen Rolle gibt es kaum Erinnerungen, dass es außer der momentan herrschenden Persönlichkeit jemals auch andere gab oder gibt.

Keine Unterform der Schizophrenie

Viele denken, eine multiple Persönlichkeit sei im Prinzip dasselbe wie eine Schizophrenie. Das stimmt aber nicht. Die multiple Persönlichkeitsstörung ist ein eigenständiges Krankheitsbild. Es gibt zwar tatsächlich einige Überschneidungen mit der Schizophrenie und mitunter kann auch beides gleichzeitig auftreten. Aber meistens tritt eine multiple Persönlichkeit völlig unabhängig von einer Schizophrenie auf.

Die Ursache liegt fast immer in traumatischen Erlebnissen in der Kindheit. Bei 97% der Betroffenen lässt sich das nachweisen. Häufig handelt es sich um sexuellen Missbrauch oder schwere körperliche Misshandlungen. Frauen bzw. Mädchen  sind deutlich häufiger betroffen als Jungen und Männer. Allerdings gibt es zu diesen Aussagen auch Widerspruch (s.u.).

Keine eigene Identität mehr

Mediziner nennen das Syndrom auch dissoziative Identitätsstörung. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die Betroffenen keine eigene, klar fassbare Identität mehr haben, sondern sich Wahrnehmung und Erleben der eigenen Person ständig verschieben.

Was sich hier vielleicht noch etwas skurril anhört, ist für die Betroffenen furchtbar. Und das ganz unabhängig davon, dass häufig schon in der Kindheit so Grauenvolles erlebt wurde. Das Wechseln der Persönlichkeiten wird zwar nur bedingt wahrgenommen, sehr wohl aber das Ausgeliefertsein. Die fehlende eigene Identität führt zu extremen psychischen Belastungen. Häufig leiden die Betroffenen zusätzlich unter schweren Depressionen und Angststörungen. Auch Suchterkrankungen und Essstörungen sind häufige Begleiterscheinungen.

Unterbewusst erschaffene Schutzpersonen

Die ausgebildeten Persönlichkeiten können zwar prinzipiell fast jede Form annehmen. Häufig handelt es sich aber um Persönlichkeitstypen, die eine ganz bestimmte Rolle oder Aufgabe erfüllen, zum Beispiel Aufsichtspersonen oder auch Personen, die die kleinen Aufgaben des Alltags erledigen. Also fast so, als würde das Unterbewusstsein Persönlichkeitstypen heranbilden, die das tun oder an Schutz bieten, was ohne diese "Fremdpersonen" gar nicht möglich wäre.

Wie extrem die Persönlichkeitswechsel gegeneinander abgegrenzt sind, erkennt man nicht nur an der fehlenden Erinnerung, dass es überhaupt andere Rollen gibt. Selbst körperlich zeigen sich in den verschiedenen Rollen Unterschiede. Zum Beispiel verschieden starke Reaktionen auf Schmerzmittel oder sogar unterschiedlich gutes Sehvermögen.

Oder nur eine Erfindung einzelner Ärzte?

Was aber auch nicht unerwähnt bleiben darf: Es gibt eine ganze Reihe an Fachleuten, die das Krankheitsbild der multiplen Persönlichkeit anzweifeln bis ablehnen. Kritikpunkte sind, dass sehr viele Psychotherapeuten noch nie eine solche Person gesehen haben, dafür aber andere Ärzte gleich dutzendweise Patienten mit Multipler Persönlichkeitsstörung haben. Außerdem sei die Ursache der frühkindlichen Traumata nicht wirklich bewiesen.

Was aber so oder so feststeht: Es gibt Menschen, die unter solchen Persönlichkeitswechseln leiden. Und sie leiden wirklich.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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Kommentare (1)
MPS
1 Samstag, den 03. Januar 2015 um 11:12 Uhr
Sandy
Es gibt die Störung, ich bin in einen Mann mit MPS verliebt! Er hat sehr große Schwierigkeiten sich auf mich einzulassen und ein Anteil boykottiert uns auch!
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