Was ist eine Akathisie?

Die Akathisie ist eine Nebenwirkung von Neuroleptika, die grundsätzlich unter allen Substanzen auftreten kann. Charakteristisch ist eine quälende Sitz- oder auch Stehunruhe.

Der Begriff "Akathisie" leitet sich vom griechischen Verb kathizein (sitzen, sich setzen) ab. Die Vorsilbe "A-" wandelt das Wort in sein Gegenteil. Gemeint ist also die Unfähigkeit zu sitzen.

20-25% sind betroffen

Der ständige Drang aufzustehen und sich zu bewegen, entwickelt sich typischerweise innerhalb der ersten sieben Wochen der Therapie. Bis zu einem Viertel der Behandelten ist betroffen. Obwohl die Gefahr bei den herkömmlichen Substanzen größer ist, ist eine solche Sitzunruhe auch unter den neueren atypischen Medikamenten möglich. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Dosis bzw. eine rasche Dosissteigerung. Daher sollte die Dosis von Antipsychotika stets behutsam gesteigert und nur so hoch wie nötig gewählt werden.

Neben dem Bewegungsdrang können bei der Akathisie folgende Symptome hinzukommen:

  • vermehrte Reizbarkeit
  • Angst
  • Konzentrationsstörungen

Dosisreduktion oder Medikamentenwechsel

Wenn Sie unter einer Akathisie leiden, sollte zunächst die Dosis des Antipsychotikums reduziert werden. Halten die Beschwerden an, muss die Behandlung auf ein anderes Präparat umgestellt werden.

Sogenannte Benzodiazepine, die auch als Beruhigungsmittel bekannt sind, wirken nur kurzfristig lindernd und sollten nicht für längere Zeit eingenommen werden.

Akathisie, tardive Dyskinesie – eine Begriffsklärung

Da die Begrifflichkeiten oftmals durcheinandergehen und mitunter auch nicht einheitlich definiert sind, zum Schluss noch ein Wort zur Klärung. Die Akathisie gehört zu den frühen Bewegungsstörungen, die unter Antipsychotika auftreten können. Sie werden grundsätzlich von den späten sogenannten EPMS (extrapyramidalmotorische Störungen) unterschieden, die noch nach Monaten bis Jahren auftreten können, schwer zu behandeln sind und dauerhaft bestehen bleiben können. Frühe EPMS bilden sich dagegen spätestens dann, wenn das Medikament abgesetzt wird, wieder zurück.

Spätdyskinesien werden auch als tardive Dyskinesien (verspätete motorische Störungen) bezeichnet. Dazu gehören in erster Linie abnorme, unwillkürliche, oft stereotype Bewegungen im Gesichtsbereich oder an Armen und Beinen, wobei es keine klare Definition gibt. So wird u.a. auch eine tardive Akathisie zu den Spätsymptomen gezählt. Dann kann sie, wie alle Spätdyskinesien, tatsächlich bestehen bleiben. Eine Akathisie im eigentlichen Sinn entwickelt sich jedoch innerhalb von etwa drei Monaten und verschwindet auch wieder.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (13)
Akathisie nach vielen Jahren ohne Neuroleptika?
13 Freitag, den 08. Dezember 2017 um 18:14 Uhr
Ginger
Hallo,
ich habe vor 5 Jahren Haloperidol erhalten und hatte da eine starke Akathisie. Nach dem Absetzen ging sie weg.
Seit vorletztem Sommer habe ich jedoch (zum Glück nur ganz selten) eine Bewegungsunruhe, die sich genauso anfühlt, nur nicht so stark. Sie tritt dann auf, wenn die Außentemperaturen deutlich ansteigen.
Kann das noch vom Haloperidol kommen? Oder kann das auch unabhängig davon auftreten?
Durch Psychopharmaka verursachte Akathisie
12 Freitag, den 21. Juli 2017 um 19:09 Uhr
Melissa
Hallo!
Ich hatte mehrere Monate unter starker Akathisie zu leiden. Durch die in der Klinik verabreichten Medikamente (Psychopax, Sertralin, Risperdal) begann die Symptomatik ungefähr nach zwei Wochen. Bereits nach drei Wochen voller Qualen glaubte ich, diesen Zustand nicht mehr länger ertragen zu können. Ich musste über den Tag ungewollt immer wieder herumgehen, konnte nicht mehr ruhig sitzen. Während der Bewegung selbst fühlte ich mich auch "gefoltert". Ich kenne nur noch ein Gefühl, welches schlimmer zu ertragen ist und auch durch die Medikamente verursacht wurde!
Mich wundert es, dass es von Seiten der Ärzte keine Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen der von ihnen vorgeschlagenen Medikation gab. Sie haben mich über Wochen, Monate mit Medikamenten "zugeschüttet" und bewusst über die bei mir zum Ausdruck gekommenen Nebenwirkungen hinweggeschaut und sich in Schweigen gehüllt. Dabei stand mein Leben auf dem Spiel, denn eine Akathisie treibt einen in den Wahnsinn!!!!
Um mein Leben zu retten, blieb mir als einziger Ausweg und als einzige Hoffnung nur noch, die Medikamente abzusetzen, entgegen dem Rat der Ärzte. Dies war mir jedoch erst möglich, als ich wieder "auf freiem Fuß" war.
Nach weiteren Monaten des Ausschleichens erlebte ich noch einen Horrortag nach dem anderen. Es blieb mir jedoch nichts anderes übrig, als abzuwarten, ob die Akathisie weggehen würde. Immerhin hatte ich diese Sitz- und Bewegungsunruhe erst in der Klinik bekommen. Auch in den Nächten kam sie mehrmals völlig unerwartet daher, ich war gezwungen, innerhalb von Sekunden aus dem Bett zu hüpfen und in der Dunkelheit meine Runden zu ziehen.
Hätte ich damals mit jemandem im Rollstuhl mein Leben tauschen können, hätte ich es ohne zu zögern getan. Mit Akathisie war mein Leben wertlos geworden und es war für mich nur mehr eine Frage der Zeit, bis ich dem ein Ende gesetzt hätte. Ich habe wie gesagt mehrere Monate damit durchgehalten, von einer Sekunde auf die andere gekämpft. Ich hatte keine Kraft mehr, musste aber doch kämpfen.
Die Beschwerden haben nach dem Absetzen aller Medikamente noch mehrere Wochen angehalten, bis sie nun nach drei Monaten verschwunden sind. An dieses Wunder hatte ich ehrlich gesagt nicht mehr geglaubt und ich bin unsagbar froh darüber.
Akathisie chronisch?
11 Donnerstag, den 22. Juni 2017 um 07:37 Uhr
Tobias Winterhalter
Hallo liebes Team,
ich leide seit einem Jahr an massiven Unruhe-Zuständen. Ich nahm lange Promethazin und seit einem Jahr auch Quetiapin und Olanzapin. Die Unruhe hat plötzlich angefangen unter Quetiapin. Man hat dann umgestellt auf Olanzapin. Und gemeint, die Unruhe kommt von der agierten Depression oder Angststörung, deshalb wurden immer weiter Neuroleptika gegeben. Die Unruhe war schwankend, meist morgens schlimmer, abends oft etwas besser. Ich nahm dazu Akineton, hatte zwar Unruhe, konnte aber oft sitzen. Manchmal auch tagelang gar nicht.
Dann habe ich Quetiapin abgesetzt. Danach wurden die Symptome deutlich schlechter. Weg geht es gar nicht mehr, verändert sich kaum. Vorher gingen die Symptome kurz weg, wenn die Angst weg war. Jetzt wird es zwar mal weniger, aber ist immer da. Habe große Angst, dass ich das die gefürchtete tardive Dyskinesie
Tardive Akathisie
10 Dienstag, den 24. März 2015 um 16:59 Uhr
Sandra
Weiß nicht, mit dem absetzen das ist schon 5 Monate her.
eine tardive Akathisie ist etwas anderes
9 Dienstag, den 24. März 2015 um 07:13 Uhr
Redaktionsteam
Hallo Sandra,

nein, das hört sich eher nach einer Besserung der akuten Akathisie an, aber nicht nach einer tardiven Akathisie. Bei der tardiven Form (Spätdyskinesie) werden die Unruhe-Beschwerden ja eher stärker. Außerdem tritt das oft erst Jahre nach der Medikamenteneinnahme auf. Zum Glück heute nicht mehr ganz so oft wie früher, weil die neueren Neuroleptika etwas besser diesbezüglich sind.
Ihre Situation klingt mehr danach, dass Sie das Schlimmste hinter sich haben.

Viele Grüße
Ihr Navigator-Team
Tardive Akathise
8 Montag, den 23. März 2015 um 20:56 Uhr
Sandra
Hallo liebes Team,
Ich litt unter akuter Akathisie, die nach absetzen sich wieder stark gebessert hat. Allerdings habe ich immer noch einen leichten Bewegungsdrang. Ich bin aber mittlerweile so ruhig, dass ich 3 Stunden sitzen kann. Könnten das Anzeichen einer tardiven Akathisie sein?
keine feste Regel bei Akathisien
7 Sonntag, den 25. Januar 2015 um 10:43 Uhr
Redaktionsteam
Hallo Coco,

das ist unterschiedlich und lässt sich pauschal nicht beantworten. Der Hauptunterschied besteht darin, dass die akuten Formen sehr viel besser behandelbar sind.

Viele Grüße
Ihr Redaktionsteam
tardive Akathisie
6 Samstag, den 24. Januar 2015 um 23:20 Uhr
Coco
Hallo, hätte da mal ein paar Fragen. Äußert sich die tardive Akathisie genauso wie die akute Akathisie? Oder ist sie deutlich weniger ausgeprägt?
An Tina
5 Montag, den 15. September 2014 um 13:06 Uhr
Redaktionsteam
Hallo Tina,

sorry, dass wir erst so spät antworten.
Es gibt leider diese Fälle, in denen praktisch nichts richtig hilft. Es stimmt nicht, dass wir hier Medikamente anpreisen, im Gegenteil, wir sehen die Begrenzungen vieler dieser Mittel durchaus. Allerdings ist es auch so, dass sie manchen der Betroffenen helfen und dass auch die Beschwerden durch die Erkrankung selbst oft sehr belastend sind. Nichts zu tun, ist also auch nicht gerade ein einfacher Weg.

Viele Grüße
Ihre Redaktion
Frage an die Redaktion
4 Sonntag, den 01. Juni 2014 um 15:02 Uhr
Tina
Hallo liebes Navigator-medizin-Team,
ich habe selbst eine Freundin, die an einer tardiven Akathisie leidet und die aufgrund starker Selbstmordgefährdung in einer psychiatrischen Anstalt ist und als ich sie mal gefragt habe, was denn so schlimmes passiert ist dass sie nicht mehr leben möchte, sagte sie mir, dass sie mit der quälenden Symptomatik, vor allem die Unfähigkeit sich auch nur für kurze Zeit mal hinzusetzen oder zu legen, nicht mehr weiterleben kann, denn es wäre laut ihren eigenen Worten,, schlimmer als Folter". Meine Nachfrage bei ihrem behandelten Arzt ergab, dass es keine Behandlung gibt, die daran etwas ändert. Nun meine Frage: Ist die Aussage des Arztes zutreffend? Wenn ja, wie soll meine Freundin weiterleben? Und warum werden solche Medikamente von Ihnen noch als Hilfe angepriesen anstatt dass sie sich dafür aussprechen, sie zu verbieten? Grüsse Tina
Anfrage Petra bzgl. Akathisie
3 Mittwoch, den 19. März 2014 um 16:40 Uhr
Ulla
Hallo Petra, oft genug nicht. Ich möchte hinweisen auf die Informationen des Bundesverbands der Psychiatrie-Erfahrenen, organisiert in in diversen Landesverbänden, z.B. den LPE NRW, die dazu etliches an Material gesammelt haben.
MfG Ulla
Dauerhafte Probleme nicht ausgeschlossen
2 Montag, den 02. Dezember 2013 um 09:08 Uhr
Red-Nav-M
Hallo Petra,

leider ja. Gerade bei älteren Neuroleptika ist so nicht komplett auszuschließen, dass Bewegungsstörungen nicht wieder verschwinden. Aber wirklich beurteilen lässt sich das immer nur individuell.

Viele Grüße
Ihre Redaktion
Akathasie
1 Sonntag, den 01. Dezember 2013 um 16:53 Uhr
Petra
Besteht die Gefahr,, dass eine Akathasie auch nach Absetzen der Medikamente lebenslang nicht wieder verschwinden?