Was ist ein Parkinsonoid unter einer Neuroleptika-Behandlung?

Unter der Behandlung mit Neuroleptika kann es nach ein bis zwei Wochen zu einem medikamentös verursachten Parkinsonoid kommen. Es macht sich durch die klassischen Symptome des Parkinson-Syndroms bemerkbar.

Zu den Symptomen des Parkinsonoids gehören:

  • Bewegungsarmut (Akinese)
  • erhöhte Muskelspannung (Rigor)
  • Zittern (Tremor)

Neurotransmitter aus dem Gleichgewicht

Dies sind auch die drei Leitsymptome des Morbus Parkinson, von dem sich der Begriff Parkinsonoid ableitet. Tatsächlich sind die Mechanismen ganz ähnlich. Bei der Parkinsonkrankheit herrscht ein Mangel an Dopamin, da die dafür zuständigen Zellen zugrundegehen. Bei der medikamentösen Behandlung der Schizophrenie wird Dopamin gezielt unterdrückt, da es hier im Überschuss vorhanden ist und die psychotischen Symptome hervorruft.

Durch den Dopaminmangel entsteht ein Ungleichgewicht unter den fein austarierten Botenstoffen im Gehirn. Ein anderer Neurotransmitter, das sogenannte Acetylcholin, gewinnt die Überhand. Er sorgt für die Bewegungsstörungen, die sowohl unter Antipsychotika als auch beim Morbus Parkinoson auftreten können.

Neben den drei Klassikern sind beim Parkinsonoid folgende Beschwerden möglich:

  • Einschränkung der Feinmotorik
  • eingeschränkte Mimik
  • kleinschrittiger Gang
  • vermehrter Speichelfluss (Hypersalivation)

Von der 1. bis zur 10. Woche möglich

Ein Parkinsonoid tritt mit einer Wahrscheinlichkeit von 15-30% auf. Es kann sich gleich zu Beginn der Behandlung, aber auch bis zu 10 Wochen danach entwickeln.

Die Gefahr besteht vor allem bei stark wirksamen herkömmlichen Antipsychotika. Außerdem sind Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer. Auch abrupte Dosisänderungen der Medikation spielen eine Rolle. Daher ist es wichtig, Antipsychotika stets langsam einzudosieren und wieder abzusetzen.

Sorgfältiger Umgang mit Antipsychotika

Für die Betroffenen können diese Symptome sehr belastend sein und den Alltag stark einschränken. Daher sind die Kommentare der Leser sehr gut nachzuvollziehen.

Die Verordnung von Antipsychotika sollte immer wohlüberlegt sein und gut abgewogen werden. Da jeder anders darauf reagiert, ist es außerdem wichtig, die Behandlung bei jedem Einzelnen individuell einzustellen und ggf. anzupassen. Treten Nebenwirkungen auf, kann die Dosis reduziert oder das Antipsychotikum abgesetzt werden. Auch andere Medikamente können vorübergehend zusätzlich gegeben werden.

Dennoch sollten Antipsychotika nicht grundsätzlich verteufelt werden. Richtig und sorgfältig eingesetzt können Sie für Betroffene eine große Hilfe sein. Denn nicht nur potentielle Nebenwirkungen sind unangenehm; auch die Symptome der Schizophrenie sind oft äußerst belastend und beängstigend. Wie so oft gilt es daher, das richtige Maß zu finden.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (4)
Neuroleptika - Parkinsonoid
4 Dienstag, den 03. Januar 2017 um 13:08 Uhr
Diskutant
Die Verschreibung von Medikamenten mit derart verheerenden Nebenwirkungen muß unbedingt besser kontrolliert werden.
Häufig ist bei psychischen Problemen eher eine soziale als eine medikamentöse Therapie angeraten.
Es gilt abzuwägen ob es nicht besser ist den Ausbruch einer Psychose zu riskieren, als sich der Gefahr ein Pflegefall zu werden auszusetzen.
Es wird viel zu wenig über Neuroleptika aufgeklärt. Skandal!
Parkisinoid
3 Sonntag, den 19. Juli 2015 um 17:30 Uhr
Frau Schmidt
Meine Verwandte nimmt seit 10 Jahren Seroquel ein. Massive Gangstőrungen und Stürze. Dabei Beinzittern. Neuroleptika wird eingenommen gegen Psychose. Wenn Medikament abgesetzt wird, ist ein erneuter psychotischer Schub möglich?
Ihr Bericht
2 Samstag, den 11. Oktober 2014 um 13:49 Uhr
Reinhard
Bin selber geschädigter mit Neuroleptika wegen Schlafstörungen. Bin geistiger Pflegefall und kein Arzt will es wahrhaben bzw. zugeben. Götter in Weiß.
Folgen mehrmonatiger Neuroleptika-Einnahme
1 Freitag, den 24. Januar 2014 um 10:16 Uhr
Karin Schäfer
Einer mir nahestehenden Patientin (nicht schizophren) wurden über mindestens 8 Monate hinweg verschiedene Neuroleptika verabreicht: Melperon, Risperdal und Neurocyl.
Obwohl die typischen Parkinson-Symptome, Rigor, Tremor und Akinese auftraten, wurde keine Änderung der Medikation vorgenommen.
Die Patientin ist zum Pflegefall geworden und lebt inzwischen in einem Pflegeheim. Gibt es noch Hoffnung?
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