Wie wirken hochpotente Neuroleptika?

Je nach der antipsychotischen Wirksamkeit von Neuroleptika werden hochpotente, mittelpotente und schwachpotente Substanzen unterschieden. Hochpotente Neuroleptika haben also eine starke antipsychotische Wirkung.

Dazu gehören z.B. die Wirkstoffe Haloperidol (Haldol®), Benperidol (Glianimon®), Fluspirilen (Imap®), Perphenazin (Decentan®), Flupentixol (Fluanxol®) und andere.

Stark gegen die Psychose

Die Unterteilung der antipsychotischen Medikamente ist ziemlich komplex. Seit der Einführung neuerer Substanzen, die anders wirken als die herkömmlichen Mittel und oft besser verträglich sind, unterscheidet man zwischen den konventionellen, klassischen oder auch "typischen" Antipsychotika und den neuen "Atypika". Bei den klassischen Substanzen wiederum gibt es hoch-, mittel- und schwachpotente.

Wie der Begriff "Potenz" schon besagt, unterscheiden sie sich in ihrer Wirksamkeit. Das bezieht sich jedoch nur auf die antipsychotische Wirkung. In anderen Bereichen können die schwachpotenten Substanzen durchaus auftrumpfen und haben damit genauso ihren Stellenwert in der Behandlung der Schizophrenie.

Was die antipsychotische Potenz anbelangt, läuft den typischen Antipsychotika jedoch niemand den Rang ab. Daher sind sie in akuten psychotischen Phasen oft noch immer Mittel der Wahl, um die Symptome rasch und effektiv einzudämmen. So gehört etwa Haldol® zu den Klassikern der Akuttherpie und kann wenn nötig auch direkt über die Vene verabreicht werden.

Der Preis: Nebenwirkungen

Leider hat die Sache auch einen Haken. So gut sie auch wirken, so hoch ist auf der Gegenseite die Gefahr für Nebenwirkungen unter den hochpotenten antipsychotischen Wirkstoffen. Das betrifft vor allem Bewegungsstörungen, die unter dem Begriff der extrapyramidal-motorischen Störungen (EPMS) zusammengefasst werden. Dazu gehören z.B. Zungen- und Blickkrämpfe, Muskelsteifigkeit und Zittern, Sitzunruhe, verstärkte Reizbarkeit und Angst. Noch nach Monaten bis Jahren können sich außerdem unwillkürliche Bewegungen im Kopfbereich, an Armen oder Beinen einstellen.

Machen Sie sich aber nicht zu große Sorgen. Das alles kann, muss aber nicht passieren. Außerdem gibt es Möglichkeiten, diese Nebenwirkungen in der Frühphase einzudämmen. Im Verlauf ist ohnehin die Frage, ob die starken Mittel weiterhin nötig sind. In der Akutphase haben sie aber nach wie vor ihren unverzichtbaren Stellenwert.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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