Heilen Neuroleptika eine Schizophrenie?

Das Ursache-Wirkungs-Prinzip von Neuroleptika ist nicht so einfach. Neuroleptika unterstützen die Heilung der Schizophrenie und schaffen nicht selten die Voraussetzung für eine Besserung der Erkrankung und auch mögliche Heilung.

Zunächst einmal: Eine einheitliche Krankheit "Schizophrenie" gibt es nicht. Wenn nach der Heilung gefragt wird, muss man sich daher ein wenig in die komplizierte Systematik der verschiedenen schizophrenen Störungen vertiefen.

Die komplizierte Welt der Psychosen

Es gibt zahlreiche Einteilungen und Diagnosekriterien für die komplexe psychische Erkrankung. Bis heute sind sich die Experten keineswegs darüber einig, was die Schizophrenie eigentlich genau ist. Für die Frage nach der Heilung ist vor allem der Verlauf relevant, der sehr unterschiedlich sein kann.

Hier hilft die nach wie vor relevante Klassifikation eines deutschen Psychiaters aus dem frühen 20. Jahrhundert. Er unterteilte die sogenannten endogenen Psychosen in zykloide, systematische und unsystematische Formen. Wir wollen Sie mit diesen vielen Begriffen nicht verwirren, daher nur soviel:

Die systematischen wie auch die unsystematischen Psychosen gehen mit einer schlechten Langzeitprognose einher, während die zykloiden Formen einen günstigen Verlauf nehmen und in der Regel komplett ausheilen. Sie treten oft in Phasen auf, wobei sich die Symptome zwischen den einzelnen Episoden zurückbilden und keine langfristigen Folgeschäden zu erwarten sind.

Auch die unsystematischen Formen verlaufen schubförmig, hinterlassen jedoch nach jeder Phase ihre Spuren, die zunehmend deutlicher werden. Die systematischen Psychosen schließlich beginnen schleichend und nehmen einen chronischen Verlauf, der stetig fortschreitet.

Die Rolle von Dopamin

Und nun kommen die Neuroleptika oder auch Antipsychotika, wie die Medikamente heute eher genannt werden, ins Spiel. Was können sie dabei ausrichten? Dazu folgende Klarstellung:

Die Wirkung der antipsychotischen Medikamente beruht auf einer Hemmung bestimmter Botenstoffe und deren Bahnen im Gehirn. Verantwortlich für viele der typischen Symptome bei der Schizophrenie ist nämlich ein Überschuss an Dopamin, einer Substanz, die neben den Bewegungsabläufen unseres Körpers auch für viele Denkprozesse verantwortlich ist.

Man geht aber davon aus, dass das eigentliche Zentrum der Psychosen nicht allein in diesen dopaminergen Bahnen liegt, sondern vielmehr in verschiedenen Netzwerken, die sich nicht einer klaren Struktur des Gehirns zuordnen lassen. Viele dieser komplexen Netzwerke haben sich wohl entwicklungsgeschichtlich erst spät entwickelt und sind allein uns Menschen vorbehalten. Denn im Tierreich gibt es interessanterweise keine Psychosen, auch nicht bei den Primaten.

Das können die Antipsychotika

Aber zurück zu den Antipsychotika. Sie wirken also über eine Dopaminblockade und dämmen damit die akuten Symptome einer Schizophrenie. Das heißt, sie wirken zwar symptomatisch und können zum Teil auch den Verlauf positiv beeinflussen; den eigentlichen Kern der Erkrankung (wo auch immer er genau liegen mag) erreichen sie jedoch nicht und können sie daher von sich aus auch nicht heilen.

Dennoch haben die Medikamente in der Behandlung der Schizophrenie eine große Bedeutung und sind gerade bei akuten Psychosen unverzichtbar. Bei den zykloiden Psychosen reicht in der Regel die Akuttherapie während einer schizophrenen Episode aus. Eine Langzeitbehandlung ist meist nicht erforderlich, da die Erkrankung ohnehin von alleine ausheilt.

Bei den chronischen Verläufen müssen die Medikamente dagegen oft über einen längeren Zeitraum hinweg oder sogar dauerhaft eingenommen werden. Auch wenn sie die Erkrankung nicht grundlegend heilen können, ist die regelmäßige Einnahme sehr wichtig und kann den Verlauf deutlich verbessern. Leider ist es oft schwierig, die Betroffenen davon zu überzeugen, zumal die Mittel gerade bei einer dauerhaften Anwendung nicht frei von Nebenwirkungen sind.

Eine chronische Erkrankung

Vielleicht hilft es Ihnen, die Krankheit mit anderen chronischen Erkrankungen zu vergleichen, die ebenfalls eine Langzeitbehandlung erfordern, obwohl damit keine Heilung zu erzielen ist. Da wäre beispielsweise die Multiple Sklerose zu nennen, diverse rheumatische Erkrankungen, ebenso Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie eine Herzschwäche oder Bluthochdruck. Auch ein Hypertoniker muss unter Umständen lebenslang Medikamente einnehmen, um seinen Blutdruck zu stabilisieren.

Und genau darum geht es bei der Schizophrenie auch: Betroffene zu stabilisieren und ihnen das Leben zu erleichtern. Das können die Medikamente. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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