Was sind Depot-Neuroleptika?

Depot-Präparate werden in den Muskel gespritzt und bilden dort ein Depot. Deshalb sind die Zeitabstände zwischen den Verabreichungen größer, ohne dass die Wirkung zwischenzeitlich nachlässt.

Praktisch und unkompliziert

Das Präparat wird kontinuierlich aus dem Muskel freigesetzt, so dass die Blutspiegel gleichbleibend hoch sind. Für manche Menschen mit Schizophrenie stellt diese Form der Verabreichung eine bequeme und zuverlässige Methode dar. Auch wenn die Motivation zur Tabletteneinnahme schwankt, kann ein Depot-Präparat sinnvoll sein. Gerade bei einer ambulanten Langzeittherapie ist es für viele Betroffene angenehmer, sich alle 1-4 Wochen einmal pieksen zu lassen als täglich Tabletten zu schlucken.

Vorteile von Antipsychotika als Depotpräparate sind:

  • Erleichterung der Applikation bei Schwierigkeiten mit der Tabletteneinnahme
  • in manchen Studien Senkung des Rückfallrisikos im Vergleich zur Tabletteneinnahme
  • sichere, ausreichend hohe Dosierungen
  • gleichmäßige Wirkspiegel
  • regelmäßige Vorstellung beim Arzt
  • kontrollierte Verabreichung

Auch Nebenwirkungen können anhalten

Es gibt aber auch ein paar Haken bei der Behandlung mit antipsychotischen Depot-Präparaten. Sie sind nicht gut steuerbar. Das bedeutet, einmal gespritzt entfalten sie für längere Zeit ihre Wirkung, ohne dass sie beeinflusst werden kann. Vor allem bei Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten kann es sehr unangenehm sein, wenn sie so lange anhalten. Tabletten sind da deutlich flexibler. Vor allem für die Akutbehandlung sind Depot-Präparate daher weniger gut geeignet.

Außerdem können die langen Injektionsintervalle, die einerseits praktisch sind und die Betroffenen nicht ständig an ihre Erkrankung und die Behandlung erinnern, andererseits auch ein Nachteil sein. Viele fühlen sich dadurch passiv, unbeteiligt und möglicherweise den Therapieanweisungen des Arztes ausgeliefert. Dabei sollen die Erkrankten möglichst aktiv einbezogen werden und eigenständig an der Behandlung mitwirken.

Worauf bei der Einnahme zu achten ist

Als Depot-Präparate stehen sowohl konventionelle als auch neue, sogenannte atypische Antipsychotika zur Verfügung. Zu den konventionellen Substanzen zählen z.B. Flupentixoldecanoat, Fluspirilen und Haloperidoldecanoat; atypische Depot-Präparate sind u.a. Risperidon (Risperdal-Consta®) und Aripiprazol (Abilify Maintena®).

Bei der Behandlung ist darauf zu achten, dass es eine Weile dauern kann, bis sich ausreichend hohe Blutspiegel gebildet haben und das Medikament damit wirkt. Vor allem bei Risperidon setzt die Wirkung erst nach drei Wochen überhaupt ein. Zu Beginn der Behandlung werden die Tabletten daher oft noch überlappend eingenommen und erst dann langsam abgesetzt.

Ob für Sie eine Langzeitbehandlung mit Depot-Antipsychotika in Frage kommt, entscheidet Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen. Das hängt sowohl von der Erkrankung und dem individuellen Verlauf als auch von Ihren persönlichen Präferenzen ab.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (1)
Überdosierung
1 Sonntag, den 03. Juni 2018 um 10:51 Uhr
...
Und wenn dann erstmal überdosiert wurde, hat man den Quatsch an Nebenwirkungen nur den ganzen Monat lang.
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