Wie wirken Neuroleptika bei Schizophrenie?

Neuroleptika wirken im Gehirn und blockieren dort die Wirkungen des Botenstoffs (Neurotransmitter) Dopamin. Sie wirken auf viele Symptome der Schizophrenie wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Denkstörungen etc.

Um zu verstehen, was Antipsychotika, wie die Medikamente auch genannt werden, im Gehirn genau verändern, kommen wir um einen kleinen Ausflug in die Pharmakologie nicht herum. Aber keine Sorge, wenn man sich den Grundmechanismus einmal klar gemacht hat, wird vieles plausibel.

Außerdem sollten Sie in etwa wissen, was Sie da einnehmen und was für einen Sinn und Zweck das Ganze überhaupt hat. Denn es ist sehr wichtig, dass Sie bei der Behandlung am Ball bleiben und die Medikamente nicht voreilig und überstürzt absetzen.

Überschuss an Dopamin

Wirkung von NeuroleptikaWirkung von Neuroleptika

Stellen Sie sich einmal vor, in Ihrem Gehirn sitzen Nervenzellen, die bestimmte Botenstoffe aussenden und an andere Zellen weitergeben. Auf diese Weise kommunizieren die Zellen untereinander und schicken sich wichtige Nachrichten und Signale zu. Normalerweise läuft das sehr gesittet ab und werden nur so viele Botenstoffe gebildet wie für die Verständigung benötigt.

Bei der Schizophrenie geht man davon aus, dass zu viele dieser Substanzen im Umlauf sind und außerdem die empfangenden Nervenzellen möglicherweise sensibler darauf reagieren. Es ist wie ein Filter, der normalerweise vor zu starken Reizen schützt und der nun porös und durchlässig wird. Dadurch schwemmen die Botenstoffe unkontrolliert in die schutzlosen Nervenzellen ein.

Die Filterfunktion der Antipsychotika

Die Rede ist übrigens von Dopamin, das Ihnen vielleicht im Rahmen der Parkinson-Erkrankung ein Begriff ist. Es ist tatsächlich derselbe Botenstoff, der sowohl für diese neurodegenerative Krankheit als auch für die Schizophrenie verantwortlich ist, allerdings jeweils entgegengesetzt: Während beim Morbus Parkinson zu wenig Dopamin zur Verfügung steht, ist es bei psychotischen Erkrankungen der Überschuss, der zu den typischen Symptomen führt.

Antipsychotika haben die Aufgabe, den Filter wieder zu reparieren und die Nervenzellen damit von den anflutenden Reizen abzuschirmen. Das schaffen sie, indem sie die Andockstellen (Rezeptoren), über die Dopamin in die benachbarten Zellen aufgenommen wird, blockieren. Soweit, so gut.

Komplexes Gehirn, komplexe Wirkung

Ganz so einfach, wie wir uns das gerne schematisch ausmalen, funktioniert unser Gehirn und damit auch die Wirkung der Medikamente allerdings nicht. Da gibt es zum einen ganz verschiedene Dopaminsysteme. Das System, das bei der Schizophrenie eine Rolle spielt, ist zum Beispiel ein ganz anderes als das für die Parkinson-Erkrankung relevante.

Zum anderen kursiert in unserem Gehirn natürlich nicht nur Dopamin, sondern es gibt eine Vielzahl weiterer Botenstoffe, die jeweils bestimmte Aufgaben übernehmen. Wirkung wie Nebenwirkungen antipsychotischer Medikamente beruhen genau auf dieser Vielfalt an Kommunikationswegen. Denn die Substanzen haben nicht nur Einfluss auf Dopamin, sondern eben auch auf andere Botenstoffe wie Serotonin, Acetylcholin oder Adrenalin.

Was die Schizophrenie mit Parkinson zu tun hat

Ein Beispiel: Starke Antipsychotika wirken vor allem über die Blockade von D2-Rezeptoren im mesolimbischen System. Das sind bestimmte Nervenbahnen, die vom Mittelhirn ins Großhirn ziehen und dort wichtige emotionale Prozesse und Denkvorgänge anstoßen.

Gleichzeitig aber ist Dopamin auch für andere Nervenverbindungen zuständig, die von der sogenannten Substantia nigra (schwarze Substanz) aus wichtige Bewegungsimpulse aussenden. Wenn dieses System beeinträchtigt wird, kommt es zu den gefürchteten Nebenwirkungen antipsychotischer Medikamente, nämlich zu verschiedensten Bewegungsstörungen.

Hier schließt sich auch wieder der Kreis zum Parkinson: Antipsychotika können Symptome wie bei Parkinson auslösen, indem sie ungewollt genau die Bahnen blockieren, die auch bei dieser Erkrankung in Mitleidenschaft gezogen werden.

Erwünschte und unerwünschte Nebeneffekte

Und dann sich da noch ganz andere Botenstoffe, wie das bereits oben genannte Adrenalin, die von den Antipsychotika ebenfalls nicht unberührt bleiben. Eine Rezeptorblockade kann dazu führen, dass der Blutdruck sinkt und das Herz zum Ausgleich schneller schlägt. Das kann Probleme mit dem Kreislauf bereiten bis hin zum Kollaps.

Es gibt allerdings auch ein paar positive Effekte, die die Wirkstoffe neben ihrer antipsychotischen Funktion haben und die man ebenso therapeutisch nutzen kann. Zu nennen ist etwa der sedierende Effekt, der gerade in akuten Erregungszuständen durchaus gewollt sein kann.

Und auch in ganz anderen Bereichen kommen die Substanzen zum Einsatz, wenn auch in etwas veränderter Form und Dosierung. So haben Sie Dopaminrezeptorblocker vielleicht selbst schon einmal in einem ganz anderen Zusammenhang eingenommen: als Ihnen das letzte Mal richtig schlecht war. Die Medikamente sind nämlich auch ein sehr wirksames Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen.

Die Qual der Wahl

Sie sehen, die Wirkung der Antipsychotika ist komplex und vielfältig. Das macht die Auswahl wie auch den Umgang mit ihnen nicht einfach und stellt den Arzt und natürlich auch für Sie vor eine große Herausforderung. Es kann dauern, bis das richtige Medikament im Einzelfall gefunden ist, das ausreichend wirkt, ohne Sie zu sehr zu beeinträchtigen.

Es gibt heutzutage jedoch sehr viele unterschiedliche Präparate, die zur Auswahl stehen. Zudem arbeiten Wissenschaftler immer weiter daran, noch zielgenauere Substanzen zu entwickeln, die nur da wirken, wo sie auch sollen.

Lassen Sie sich also auf die Suche nach dem geeigneten Mittel für Sie ein!

Hier finden Sie einen umfassenden Überblick zum Thema:
Haben Neuroleptika Nebenwirkungen?

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (1)
Hypothalamus/Schilddrüse
1 Freitag, den 12. Februar 2016 um 21:52 Uhr
Frage
Gibt es Medikamente, die anders wirken als Neuroleptika und trotzdem gegen die Symptome wirken?
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