Machen alle Neuroleptika dick?

Nein, hier unterscheiden sich ältere bzw. typische von neueren bzw. atypischen Neuroleptika. Das gilt auch in Bezug auf die Beeinflussung des Stoffwechsels.

Typisch versus atypisch

Ohne Frage ist eine Gewichtszunahme eine häufige Nebenwirkung von Antipsychotika, die deren Akzeptanz und Beliebtheit nicht gerade steigert. Dabei gibt es allerdings durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen Substanzen.

Die Einführung neuerer, sogenannter atypischer Antipsychotika war eine große Bereicherung für die antipsychotische Therapie, da sie insgesamt besser verträglich sind als die herkömmlichen Substanzen. In Bezug auf das Gewicht bringen sie jedoch keine Vorteile – im Gegenteil: Unter atypischen Antipsychotika nehmen Betroffene häufiger zu.

Risiko bei niedrigpotenten, sedierenden Mitteln hoch

Das Risiko einer Gewichtzunahme ist aber auch innerhalb der beiden Medikamentengruppen (typisch, atypisch) unterschiedlich. So ist es z.B. unter Clozapin (Leponex®) oder Olanzapin (Zyprexa®) deutlich erhöht, während die Gefahr unter Ziprasidon (Zeldox®) oder Aripiprazol (Abilify®) geringer ist.

Das hängt mit der sogenannten neuroleptischen Potenz der Medikamente, d.h. ihrer Wirkstärke zusammen. Niedrigpotente Substanzen führen eher zu einer Gewichtszunahme als hochpotente. Außerdem ist das Risiko unter Antipsychotika mit beruhigender (sedierender) Wirkung tendentiell größer.

Individuelle Unterschiede

Nicht nur zwischen den einzelnen Medikamenten gibt es Unterschiede. Auch jeder Mensch reagiert anders darauf. So nehmen manche Betroffene gleich zu Beginn der Behandlung stark zu, während andere rank und schlank bleiben, obwohl sie dasselbe Präparat einnehmen. Es spielen also immer auch individuelle Faktoren und eine entsprechende genetische Veranlagung eine Rolle.

Schließlich haben Sie auch selbst einen Einfluss darauf, ob bzw. wie stark Sie unter der antipsychotischen Therapie zunehmen. Sicher ist es von außen immer leicht dahergesagt: mehr körperliche Aktivität, Sport und eine entsprechende Umstellung der Ernährung. Und doch bringen diese einfachen Maßnahmen oft sehr viel. Dabei können Sie sich auch unterstützen lassen, z.B. durch begleitende verhaltenstherapeutische Maßnahmen.

Wenn eine Ernährungs- und Verhaltensänderung nichts bringt, muss das Antipsychotikum reduziert oder abgesetzt und ggf. auf ein anderes Mittel umgestellt werden, das weniger Gewichtsprobleme verursacht.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (1)
Gewichtszunahme unter Neuroleptika
1 Donnerstag, den 19. Februar 2015 um 09:44 Uhr
Marion S.
Ja, alle Neuroleptika machen dick. Stoffwechselverlangsamung.