Kann es sein, dass ich im Vergleich zu anderen eine wesentlich höhere Dosis an Neuroleptika benötige?

Ja, das Ansprechen auf Neuroleptika kann individuell sehr unterschiedlich sein. Während der eine vielleicht nur eine niedrige Dosierung benötigt, um die Symptome der Schizophrenie zu beseitigen, braucht ein anderer eine um den Faktor 20 höhere Dosierung, um denselben Effekt zu erzielen.

Was im Körper mit Medikamenten passiert

Das liegt daran, dass jeder Körper die Wirkstoffe anders aufnimmt und verarbeitet. Die komplexen Abläufe dabei werden unter dem Begriff "Pharmakokinetik" zusammengefasst. Dabei spielen die Aufnahme einer Substanz ins Blut, die Verteilung im Organismus, die Verarbeitung (Biotransformation) und schließlich der Abbau und die Ausscheidung eine Rolle. Bei all diesen Vorgängen können Sie sich vielleicht vorstellen, dass sie bei jedem etwas anders ablaufen.

Das kann der Arzt unmöglich vorher wissen. Es gilt also, die individuelle Empfindlichkeit herauszufinden. Da die Behandlung in der Regel einschleichend erfolgt, die Dosis des Medikaments also langsam und schrittweise gesteigert wird, gelingt die individuelle Einstellung oft recht gut.

In einer schweren, akuten psychotischen Phase sind allerdings manchmal gleich zu Beginn der Behandlung höhere Dosen nötig. Das geht leider oft mit entsprechend starken Nebenwirkungen einher, die natürlich dauerhaft nicht tolerierbar sind. Wenn die Symptome abklingen, sollte die Dosierung des Antipsychotikums daher rasch angepasst werden.

Große therapeutische Breite

Egal, ob die Dosis langsam gesteigert oder nach einer anfänglich starken Medikation wieder reduziert wird, der individuell optimale Bereich, der den Betroffenen möglichst nebenwirkungsfrei stabilisiert, variiert wie gesagt enorm. Ärzte sprechen auch von einer großen "therapeutischen Breite" der Antipsychotika, das heißt, der Dosisbereich, in dem sie wirken, ist breit.

Die Dosis sagt daher beim Einzelnen wenig über die voraussichtliche Wirkung aus. Insofern kann es sehr gut sein, dass Sie im Gegensatz zu anderen mit demselben Krankheitsbild und einer ähnlichen Symptomatik völlig andere Mengen benötigen. Übrigens ist es auch gut möglich, dass Sie ganz andere Medikamente bekommen. Auch hier sind die individuellen Unterschiede, wer wie auf welches Arzneimittel reagiert, sehr heterogen.

Der Blutspiegel kann weiterhelfen

Aufschlussreicher als die jeweilige Dosis kann die Konzentration des Wirkstoffs im Blut sein, der sogenannte Plasmaspiegel. Wenn die Wirkung trotz stetiger Dosissteigerung ausbleibt oder unerwartet Nebenwirkungen auftreten, ist es sinnvoll, ihn zu bestimmen. Aber auch der Plasmaspiegel ist kein sicherer Marker für die Wirksamkeit. Letztlich muss der Arzt gemeinsam mit Ihnen schlicht ausprobieren, welche Dosis für Sie die richtige ist.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Kommentare (1)
Spiegelkontrolle
1 Sonntag, den 11. November 2018 um 19:21 Uhr
Vilis Culus
Man kann mit einer Spiegelkontrolle relativ schnell herausfinden, ob die Dosierung richtig ist. Und nein, es ist gelogen, dass mit niedrigen Dosen angefangen wird. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viel zu viel gegeben wird - nur damit der Psychiater Ruhe hat. Die Nebenwirkungen interessieren überhaupt nicht.
Anzeigen