Darf man unter Behandlung mit Neuroleptika noch Autofahren?

Die Aufmerksamkeit und Fahrtauglichkeit kann bei der Einnahme von Psychopharmaka eingeschränkt sein. Denn einige Mittel wirken stark beruhigend (sedierend). Andererseits beeinflussen Neuroleptika bei Schizophrenie die geistige Funktion vorteilhaft.

Grundsätzlich ist zu unterscheiden, ob die Medikamente oder die Erkrankung selbst zu einer möglichen Fahruntauglichkeit führen. Eine akute schizophrene Episode schließt die aktive Teilnahme am Straßenverkehr ebenso aus wie eine schwere Depression. Dann können Psychopharmaka dazu beitragen, dass die Betroffenen überhaupt erst wieder Autofahren können.

Kritisch: Einstellen und Absetzen der Medikamente

Umgekehrt können aber auch die Medikamente die psychische und motorische Leistungsfähigkeit so weit einschränken, dass sich das Führen von Kraftfahrzeugen verbietet. Vor allem Ein- und Umstellungsphasen sind heikel, insbesondere bei Ersterkrankungen, wenn der Betroffene erstmals Psychopharmaka erhält und noch nicht klar ist, wie er darauf reagiert.

Manche Antipsychotika wirken darüber hinaus vor allem zu Beginn der Behandlung sedierend, machen also müde und schränken die Konzentration ein. Manchmal kommt es anfangs auch zu Kreislaufproblemen. Daher gilt die Fahrtüchtigkeit während der Eindosierung von Antipsychotika und weitere zwei Wochen nach Erreichen der Zieldosis als eingeschränkt.

Genauso kritisch kann die Zeit sein, in der Sie die Medikamente wieder absetzen. Obwohl Antipsychotika langsam ausgeschlichen werden, die Dosis also schrittweise reduziert wird, reagiert jeder anders darauf. Im schlimmsten Fall treten die Symptome wieder auf – mit unberechenbaren Folgen für die Fahrtauglichkeit.

Auch Sie selbst sind in der Pflicht

Während der sogenannten Erhaltungstherapie, die nach der Akutbehandlung in niedriger Dosierung weitergeführt wird, ist es dagegen durchaus möglich, dass Sie wieder Autofahren können. Allerdings muss das im Einzelfall immer genau überprüft werden. Auch Sie selbst sollten sich selbstkritisch fragen, ob Sie sich dazu in der Lage fühlen. Letztlich liegt es in der Verantwortung eines jeden Verkehrsteilnehmers, seine Konzentration und das Reaktionsvermögen richtig einzuschätzen.

Aufgabe Ihres Arztes ist es wiederum, Sie über die Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente aufzuklären und über eine mögliche Beeinträchtigung Ihrer Leistungsfähigkeit zu informieren. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und vor allem mit Alkohol wird er Ihnen erläutern.

Im Zweifelsfall Fahrtauglichkeit überprüfen lassen

Zum Schluss einige Hinweise zum Thema Autofahren unter Neuloleptika/Antipsychotika:

  • In der Ein- und Umstellungsphase ist die Fahrtüchtigkeit in der Regel für mindestens 10 bis 14 Tage eingeschränkt.
  • Individuell kann dieser Zeitraum deutlich länger sein.
  • Sedierende Antipsychotika können die Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen langfristig einschränken.
  • Es empfiehlt sich, nach Abklingen der Akutsymptomatik die Fahrtauglichkeit anhand einer verkehrsmedizinischen Untersuchung mit objektiven Leistungstests überprüfen zu lassen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (1)
Medikamente
1 Sonntag, den 12. Juni 2016 um 09:15 Uhr
Strassengraben
Sie wirken nicht sedierend sondern reizabschirmend, das heißt, dass man gar nicht mehr in der Lage ist, sich auf den Verkehr zu konzentrieren. Ich finde es immer wieder schade, dass die Krankheit mit den Nebenwirkungen der Medikamente verwechselt wird. Die Theorie ist leider nicht die Praxis, bsp Alphawellen im präfrontalen Cortex.
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