Muss ich bei einer Behandlung mit Neuroleptika Angst vor Nebenwirkungen haben?

Nein, denn die nützliche Wirkung dieser Medikamente überwiegt bei weitem die Gefahr von Nebenwirkungen. Außerdem ist man potentiellen Nebenwirkungen, wie sie ja bei anderen Medikamenten auch immer vorkommen, nicht hilflos ausgeliefert. Aber dann auch wieder Ja: Denn schwere Nebenwirkungen sind bei Neuroleptika nie auszuschließen.

Nebenwirkungen lassen sich in der Regel vermeiden, indem das passende Medikament gefunden und die Dosis optimal angepasst wird. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Neuroleptika, bei denen Nebenwirkungen selten sind.

Autorin: Dr. med. Julia Hofmann

Nachtrag der Redaktion:

Ein Leser oder eine Leserin hat in einem Kommentar (siehe unten) zurecht kritisiert, dass schwere Nebenwirkungen sehr wohl Angst machen können. So können durch Neuroleptika ausgelöste Spätdyskinesien mit Gesichtszuckungen und ähnlichen Bewegungsstörungen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Aus dieser Sicht klingt es fast zynisch, wenn man sagt, man müsse keine Angst vor Nebenwirkungen haben.

Unsere Autorin und Ärztin hat das aber anders gemeint. Solche schweren Nebenwirkungen sind die Ausnahme, und nicht die Regel. Deshalb ist die Befürchtung, selbst solche Beschwerden zu bekommen, zwar völlig nachvollziehbar. Sie sollte aber nicht soweit gehen, dass man aus diesem Grund eine Behandlung der Schizophrenie komplett ablehnt. Denn dann wiederum steigt die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Verschlimmerung der Symptome, und die ist deutlich höher als die Wahrscheinlichkeit schwerer Nebenwirkungen. Zudem sind die moderneren Schizophrenie-Medikamente in ihrem Nebenwirkungsspektrum deutlich günstiger zu beurteilen als ihre Vorläufer.

Dennoch verstehen wir die Reaktion des Lesers sehr gut und möchten uns für die missverständliche Formulierung entschuldigen.

Dr. med. Jörg Zorn

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Kommentare (27)
Psychosen durch Neuroleptika
27 Mittwoch, den 14. Oktober 2020 um 09:53 Uhr
Rache
Die Neuroleptika blockieren die D² Rezeptoren. Es bilden sich aber gleichzeitig neue Rezeptoren, wie auch Na+ Pumpen am Dendrit. Werden diese nun abgesetzt, werden die Rezeptoren wieder frei, es kommt zu vielen AP's am Dendrit, und so verschaltet man das Gehirn nun auf Psychose. Ärzte wollen davon nichts wissen. Hier geht es nur darum, ob jemand eine Gefahr darstellen könnte. Der Hintergrund seines Verhaltens interessiert die gar nicht. Es geht nur darum, dass sich die Ärzte einen Dreck für ihre Patienten interessieren und sie lieber abschießen. Auch, wenn sie gesund sind. Ob sie ihnen das Leben versauen, ist ihnen vollkommen egal. Hauptsache das Wartezimmer ist schön voll. Und da wundert man sich, warum Psychiater nach Taxifahrern der Beruf ist, der am meisten von Gewalt bedroht ist.
Vor dem Arzt muss man Angst haben
26 Sonntag, den 13. Januar 2019 um 05:22 Uhr
invalide
Fragen sie mal Ihren Psychiater, ob er angegriffen wurde, ob sich Patienten umgebracht haben, wie er sein Unternehmen sieht, und warum ihm sein Beruf Spaß macht? Ob Schizophrene intelligent sind, und was eine Hirnatrophie ist. Nach Organschäden bei Leber und Niere. Ob er über Nebenwirkungen spricht, und sich an seine Aufklärungspflicht hält!
Liebe und sich verlieben
25 Mittwoch, den 15. August 2018 um 09:56 Uhr
Markus
Ja, ich kann aus eigener Anschauung bestätigen, dass die Neuroleptika das "Verlieben" vehindern. Allerdings bin ich eher froh darüber, da meine schweren und bis zu ernsthaften Suizidversuchen führenden Psychosen ihren Ursprung in das starke Verliebtsein in immer dieselbe Frau hatten. Das wurde zwar anfänglich auch erwidert - was mein Liebesansinnen nur noch steigerte. Später allerdings reagierte sie auf meine zahlreichen Annäherungsversuche nicht mehr. Insofern bin ich wirklich froh, dass das vorbei ist.
Schwere Nebenwirkungen und Langzeitschäden sind die logischen Konsequenzen dieses Gifts ...
24 Freitag, den 22. Juni 2018 um 21:00 Uhr
Albert SCHALLER
... und im Prinzip weiß das auch jeder. Außer verantwortungslosen Psychiatern und Neurologen?!
Prolatktinspiegel
23 Donnerstag, den 31. Mai 2018 um 15:28 Uhr
...
Die meisten Psychiater, die Neuroleptika verschreiben, versauen es von Anfang an: Indem sie aus Angst viel zu hohe Dosen verschreiben.
Ich sollte immer nur die Höchstdosis nehmen. Meine Ärztin raffte es nicht, dass ich deswegen nicht mehr schlafen konnte und trotz 6 mg Risperidon immer noch paranoid war. Das Werkzeug der Spiegelkontrolle des Medikamentes im Blut war jederzeit gegeben. Es wurde sich auch nicht an die Behandlungsrichtlinie gehalten. Keine Aufklärung. Alles von oben herab. Zusätzlich Beleidigungen und Lügen ihrerseits sowie die Reduktion meiner Person auf die Nebenwirkungen der Medikamnete. Vor Antipsychotika richtig eingestellt, braucht niemand Angst zu haben vor einer Ärztin, die ihren Beruf verfehlt hat und sich anscheinend schon auf Messen von der Pharmaindustrie einseitig beeinflussen lässt.
Ich habe sie inzwischen der Ärztekammer wegen Fehldiagnosen und Fehlbehandlung gemeldet.
Nebenwirkungen
22 Freitag, den 22. Januar 2016 um 18:13 Uhr
Arunya Mira
.... und vor allem: was ist, wenn die ganz krassen Nebenwirkungen erstmal da sind, und ein sofortiges Absetzen des Mittels erfordern???!*
Nebenwirkungen
21 Freitag, den 22. Januar 2016 um 18:07 Uhr
Arunya Mira
...dass die Medis nicht sofort dämpfen, liegt an der Krankheit; aber an der Krankheit liegt auch, dass sie nicht sofort Kompllett-Hirnverlust-Abdämpfen.... schwächt die Psychose später ab, hat man sich bereits an die zu extreme Abdämpfung bereits oftmals zu sehr gewöhnt, aber alles in allem nimmt sie einem jede Lebensqualität, Motivation, bis hin zu freiwilliger Narkolepsie oder Apathie; ... wer es trotzdem schafft, hat einfach viel zu aggressiven, egomanen Lebenswillen, der mehr nimmt als geben kann!, sorry....
...das muss nicht sein*
Nebenwirkungen
20 Freitag, den 22. Januar 2016 um 18:01 Uhr
Arunya Mira
...außerdem bin ich der Meinung, dass die Ärzte, die auf so manche Mittel schwören, ihren "Dreck", den sie anderen Mitmenschen verordnen, zumindest mal selber ausprobiert haben solllten...
Viele Nebensymptome sind einfach inakzeptabel, und schon gar nix, an das man durch die Gewöhnung daran, langsam im Alltag neu klarzukommen lernen muss!!.... im Krankenhaus sagen sie dann, wenn die Patienten wie halbe Leichen rumlaufen, das wären Symptome der Krankheit... in Wahrheit sind das aber die gewöhnlichen Nebenwirkungen der Medikamente, die erst durch eine lange Gewöhnungsphase abschwächen!!!....
Tatsache!*
Nebenwirkungen
19 Freitag, den 22. Januar 2016 um 17:55 Uhr
Arunya Mira
1. Psychosen sind durchaus heilbar!!....spätestens wenn die Nebenwirkungen der Neuroleptika zu krass sind, sie zu akzeptieren, lebensbedrohlich werden, oder die Lebensqualität im Übermaß dezimieren, wird eine Alternative nötig...
Muss ich bei einer Behandlung mit Neuroleptika Angst vor Nebenwirkungen haben?
18 Donnerstag, den 06. November 2014 um 23:52 Uhr
Kreatur
Mann muss nicht nur Angst vor den Nebenwirkungen von Neuroleptika haben, sondern auch Angst vor den "Ärzten", von denen man dieses Gift verordnet bekommt. Man stelle sich vor, um ein einziges Leiden zu lindern( nicht zu heilen) gehen diese "Ärzte" in ihrem Unfehlbarkeitswahn das Risiko ein, ihre Patienten mit gleich mehreren anderen Nebenwirkungen schwer zu belasten, die z.T. irreparable Schäden verursachen!!!! Umso schlimmer und grausamer ist die Tatsache, dass sogar Kinder und Jugendliche, die ihr gesamtes Leben noch vor sich haben und die in die Fänge dieser "Ärzte" geraten, mit den grausamen Nebenwirkungen dieser Hirngifte ihr restliches Leben lang geschlagen sind!!!!!
Muss ich bei einer Behandlung mit Neuroleptika Angst vor Nebenwirkungen haben?
17 Donnerstag, den 06. November 2014 um 23:41 Uhr
Kreatur
Eine einzige Diagnose wurde Tanja Afflerbach zum Verhängnis. Jahrelang wurde sie von Ärzten falsch behandelt und mit Psychopharmaka vollgestopft. Jetzt kämpft sie um Entschädigung...
Interessiert? Dann weiter zu dieser Seite:
http://www.fr-online.de/panorama/prozess-gegen-psychiater-fuer-verrueckt-erklaert,1472782,3139436.html
Muss ich bei einer Behandlung mit Neuroleptika Angst vor Nebenwirkungen haben?
16 Sonntag, den 28. September 2014 um 23:41 Uhr
Kreatur
Ja!!!!! Man MUSS bei einer Behandlung mit Neuroleptika Angst vor schwersten Nebenwirkungen haben!!!!!!! Denn diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, aber das Risiko besteht IMMER!!!! Und wenn ich erfahre, dass Kinder als Patienten in der Psychiatrie auf dem Flur kriechen, weil sie unter der Wirkung von Neuroleptika nicht mehr gehen können und wenn dann Pfleger diese Kinder als Simulanten verspotten (Von ehemaligen Patienten bei einer Internet-Klinikbewertung so geschildert), dann muss ich sagen, dass man nicht nur Angst vor Nebenwirkungen bei Neuroleptika haben muss, sondern auch vor dem Pflegepersonal!!! Leidet man erst einmal unter den Nebenwirkungen einer Behandlung mit Neuroleptika, hat man als Patient in so manchen Psychiatrien so gut wie keine Menschenrechte mehr (Auch eine sehr schlimme "Nebenwirkung" von Neuroleptika)
Muss ich bei einer Behandlung mit Neuroleptika Angst vor Nebenwirkungen haben?
15 Samstag, den 27. September 2014 um 01:37 Uhr
Kreatur
Jedes "Medikament", welches solche schrecklichen und oft für den Patienten grausamen Nebenwirkungen auch nur auslösen kann, muss sofort verboten werden!!!!!!!!!!!!!!!!! Ich persönlich kenne Menschen, die so sehr unter den Nebenwirkungen von Neuroleptika leiden, dass sie sich lieber selbst umbringen würden, als diese Nebenwirkungen noch länger zu ertragen!!!!!
Liebe und sich verlieben 2
14 Mittwoch, den 12. März 2014 um 23:22 Uhr
Mmmm
Da niemand geantwortet hat, nehme ich mal an, dass man sich unter dem Einfluss von Neuroleptika wirklich nicht verlieben kann. Aber welchen Sinn hat ein Leben, das ohne Liebe ist? Und zur Gesundung und Normalisierung zwischenmenschlicher Beziehungen trägt das sicher auch nicht bei. Im Gegenteil, wenn die Leute bedingt durch die Neuroleptika nicht mehr normal reagieren, dann macht das sicher alles nur noch schlimmer. Wer will schon mit einem Menschen, der nichts empfinden kann, etwas zu tun haben? Und so werden diese Personen noch mehr ins soziale Abseits gestellt. Aber mir ist das jetzt auch egal. Wenn der Mann lieber Tabletten nimmt, als seine Zeit mit mir zu verbingen, dann kann ich das auch nicht ändern.
Liebe und sich verlieben
13 Freitag, den 28. Februar 2014 um 14:35 Uhr
Mmmm
Ich habe mal eine Frage. Ich habe mich ein bisschen in einen Mann verguckt, der möglicherweise Neuroleptika einnimmt. (Ich bin mir aber nicht sicher.) Nun scheint es mir so, dass er zwar eigentlich gern eine Frau haben möchte, aber andererseits nichts mehr empfindet. Ich denke, es liegt nicht nur daran, dass er nichts für mich empfindet, sondern dass er generell für Frauen nichts mehr empfinden kann. Deshalb meine Frage: Kann es sein, dass Neuroleptika es verhindern, dass sich jemand verlieben kann? Dass dieses Kribbeln im Bauch einfach nicht mehr entsteht? (Immerhin blocken sie ja das Dopamin.) Wenn das so ist, dann kann ich mir natürlich jegliche weiteren Bemühungen um ihn sparen.
Diskussion
12 Samstag, den 14. Dezember 2013 um 23:14 Uhr
Illusionen
Sehr geehrte Frau Hofmann, sehr geehrter Herr Zorn,
ich fand unsere Unterhaltung sehr interessant und informativ und möchte Ihnen für ihren offenen Umgang ein Lob aussprechen, denn wie ich schon mal erwähnt habe, wird dieses Thema leider gerne totgeschwiegen, Gründe dafür habe ich auch schon genannt wenn ich mich richtig erinnere. Bleibt leider das traurige Fazit: Trotz aller Problematiken, Zweifel, Schwierigkeiten etc. wird sich nichts an der heutigen Praxis ändern, wofür sie aber nicht verantwortlich sind, denn der Einzelne ist sicher nicht in der Lage, ein ganzes System zu verändern. Bleibt leider die bittere Erkenntnis, dass auch in Zukunft Tag für Tag Menschen, die sich hilfesuchend an die Halbgötter in Weiß wenden, Opfer dieser Behandlungen werden. Klar ist dies meine Meinung und ich nehme mir sicherlich nicht das Recht heraus, über richtig oder falsch zu urteilen. Meine Meinung bildete sich lediglich aufgrund persönlicher Erfahrungen, die mein großes Interesse geweckt haben und zu dieser ausführlichen Diskussion beigetragen haben. Ihre ziemlich neutrale bis positive Einstellung dieser Medikamente gegenüber mag womöglich auch die Folge ihrer Erfahrungen sein. Wenn ich aber das Elend und das Leid sehe, die diese Medikamente verursacht haben, dass Menschen nicht mehr das Haus verlassen weil sie sich ihrer motorischen Störungen schämen, die keine Ruhe mehr finden und trotz allen Bemühens kein Leben mehr möglich ist, dann bedrückt mich das sehr, denn als Angehöriger ist man hilflos! Bleibt nur die Hoffnung auf ein Wandel, wie bekannt stirbt die Hoffnung zuletzt! Mit freundlichen Grüßen Illusionen
Nebenwirkungén
11 Montag, den 02. Dezember 2013 um 09:28 Uhr
Dr. Julia Hofmann
Liebe Leser,

das ist eine wichtige und interessante Diskussion und ich finde die kritische Betrachtungsweise von Therapien hier und im Allgemeinen gut. Wie so oft gibt es leider nicht für jeden die gut wirksame Behandlung ohne Nebenwirkungen und im Einzelfall können letztere wirklich dramatisch sein. Das Problem ist, dass wir auch heute noch in der modernen Zeit bei vielen Erkrankungen keine wirklichen Alternativen zu unseren Medikamenten haben. Die geschilderten Fälle sind aber äußerst dramatisch und die Angst der Menschen, die Neuroleptika einnehmen, kann ich gut verstehen. Da ginge es mir wohl auch kaum besser...

Viele Grüße
Julia Hofmann
schwierige Fragen
10 Montag, den 02. Dezember 2013 um 08:09 Uhr
Redaktion NaviMed
Hallo Petra, hallo Illusionen,

zu Petra,
wenn jemand mit schweren Nebenwirkungen in die Praxis kommt, die möglicherweise sogar bleibend sind, ist das schlimm. Es gibt hier keinen "idealen" Ratschlag, was man sagt, man muss sich aber als Arzt natürlich Zeit nehmen. Wir wissen aber auch, dass das längst nicht immer passiert.

zu Illusionen:
ich kontaktiere Frau Hofmann, kann aber nichts versprechen.
Aber natürlich hätte wahrscheinlich jeder Angst. Es ist aber in der Theorie wirklich nicht vorhersagbar, wie man sich entscheiden würde. Hängt das nicht auch davon ab, wie schlecht es einem geht? Und wie hoch man die persönliche Gefahr für Nebenwirkungen einschätzt? Außerdem ist das Risiko bei den moderneren Präparaten ja offenbar etwas geringer?
Fazit: Ich persönlich weiß nicht, wie ich mich entscheiden würde.

Viele Grüße
Jörg Zorn
Frage
9 Sonntag, den 01. Dezember 2013 um 16:33 Uhr
Illusionen
Ich hätte noch eine ergänzende Frage: Würden sie trotz der sicher eintretenden neurodegeneration, der Gefahr schwerer Bewegungsstörungen und möglichen lebenslangen Qualen durch eine Akathasie, diese Neuroleptika auch selbst nehmen und wenn ja was ich vermute: hätten Sie Angst? Ich möchte sie bitten wenn es möglich ist, dass die Frau Doktor Hofmann darauf anrwortet, denn ihre Meinung würde mich aufgrund der Tatsache dass sie die meisten artikel geschrieben hat, am Meisten interessieren. Vielen Dank ps: sie sehen, ich schaue immer mal wieder auf ihre Website und hoffe sehr dass sie weiterhin so mutig bleiben und Rede und Antwort stehen! wäre toll
Frage
8 Freitag, den 29. November 2013 um 10:19 Uhr
Petra
Sehr geehrtes Redaktionsteam,
die obige Unterhaltung zwischen ihnen und einem Leser finde ich sehr interessant. Ich hätte diesbezüglich noch eine Frage die mich interessieren würde: Da sie eine Einnahme von Neuroleptika offensichtlich sehr befürworten würde mich mal interessieren, wie sie, oder die Frau Doktor Hofmann, mit einem Patienten umgehen, der Neuroleptika auf Grund des Rates der Frau Doktor über längere Zeit eingenommen hat und einer dieser seltenen Fälle ist, der nun unter einer starken Akathasie leidet und sich deshalb erneut in Ihrer Praxis vorstellt. Welchen Ratschlag würden sie einem Patienten geben, dem sie soeben erzählen mussten, dass man dies nicht behandeln kann und er damit nun leben muss? Wie läuft so ein Gespräch genau ab? Oder weißt man lediglich kurz den Patienten darauf hin, dass er eben damit leben muss und geht dann zum nächsten Patienten? Vielleicht schildern sie mir kurz solch eine Situation, vielen Dank und mit freundlichen Grüßen Petra
Antwort auf Ihre Frage
7 Mittwoch, den 13. November 2013 um 15:03 Uhr
Navigator-Medizin-Redaktion
Hallo unbekannter Leser,

zu Ihrer Frage: Nein, dieser von Ihnen beschriebene Patient hat wahrlich keine sehr rosigen Lebensaussichten. Eine solche Symptomatik als anhaltende Folge einer Neuroleptika-Behandlung ist furchtbar. Und natürlich wissen wir auch, dass es solche Fälle gibt.
Aber zumindest wir als Kernredaktion stellen ja auch gar nicht in Frage, dass es solche schlimmen Probleme mit den Medikamenten gibt. Vor allem mit den älteren Präparaten.
Auch sind wir nicht verschreibend tätig, haben also keinerlei Interesse daran, das irgendwie zu fördern.
Dennoch sind wir der Ansicht, dass die Nebenwirkungen immer im Verbund mit der Wirksamkeit betrachtet werden müssen. Will sagen: Starke Nebenwirkungen sind ein klares Gegenargument bei einer Behandlung, die kaum wirkt. Aber wenn die Behandlung gut wirkt, ist es schon Ermessenssache.
Wir sind hier aber keine Schiedsrichter. Unser größtes Anliegen ist, über das Für und Wider zu informieren und den Betroffenen so gut es geht eine eigene Entscheidung zu ermöglichen. Leider ist ja die Informationspolitik vieler Ärzte grauenhaft.

Viele Grüße
J. Zorn vom Navigator-Team
hab noch was vergessen, vielleicht brauche ich ja doch Neuroleptika
6 Mittwoch, den 13. November 2013 um 07:23 Uhr
neuroleptikabedingtes Zittern hält warm im Winter
man ist wie oben erwähnt den Nebenwirkungen wirklich nicht schutzlos ausgeliefert, denn sollten sie wirklich unerwartet Nebenwirkungen bekommen, denn es gibt zwar noch keine Therapie dagegen, aber das macht nichts, denn die gängige Praxis ist einfach solange die Dosis zu erhöhen bis der Betroffene einfach nichts mehr von Nebenwirkungen mitbekommt, Problem gelöst, wenn die Welt doch nur immer so einfach wäre, ich fange schon wieder an zu träumen, vielleicht sollte ich mir endlich Neuroleptika besorgen!!
Konversation mit dem Redaktionsteam
5 Mittwoch, den 13. November 2013 um 07:10 Uhr
Neuroleptika machen schlank
zunächst einmal möchte ich mich für Ihren Mut bedanken, auf meine kritischen Bemerkungen zu antworten, denn die normale Reaktion der Psychiatrie ist eigentlich konsequentes Ignorieren und Aussitzen von Kritik jeglicher Art! Aber ich habe noch eine Frage und ich hoffe sehr dass ihr Mut anhält und sie mir darauf noch eine Antwort geben. Und zwar habe ich einen Kumpel namens Paul den ich aus den Vorlesungen an der Uni kenne. Sein Leben vor einem Jahr und sein Leben jetzt möchte ich Ihnen kurz beschreiben: vor einem Jahr: er war 23 Jahre alt, Kapitän seiner Fussballmannschaft, studierte mit mir Elektrotechnik im vierten Semester und hatte eine doch recht hübsche Freundin, er war sehr lebenslustig und ein hoffnungsvoller junger Mensch. Heute( aufgrund einer Psychose wurde er mehrere Monate mit Neuroleptika behandelt): er wollte nach seinem Psychiatrieaufenthalt weiter studieren, aber es scheiterte daran, dass er keine Vorlesungen besuchen konnte, da sich seine Kommilitonen aufgeregt haben, dass er ständig umhergelaufen ist und sich trotz mehrfacher Ermahnung nicht setzen konnte, daraufhin Abbruch seines Studiums, daraufhin bewarb er sich für eine Ausbildung als Bankkaufmann, aber der Verantwortliche beim Bewerbungsgespräch hat ihn nach 5 Minuten nach Hause geschickt, da er keine Kunden beraten könne, wenn er ständig umherlaufen muss und sich nicht hinsetzen kann. Daraufhin nahm er einen Aushilfsjob als Kellner an, den er nach zwei Tagen wieder aufgeben musste, da er sich aufgrund des Bewegungsdrangs nicht mehr ins Bett legen und schlafen kann. Seine Freundin hat die komischen Grimassen nicht mehr ertragen und sich aus dem Staub gemacht, kann ich verstehen, wenn meine Freundin Grimassen ziehen würde und wie ein Roboter laufen würde, wäre mir das auch peinlich! Fussball spielt er nicht mehr, die zittrigen Bewegungen sind ja auch etwas hinderlich beim kicken, ja und was die Lebenslust angeht, die es erstaunlicherweise weg, aber irgendwie auch verständlich wenn man sich nicht mal 5 Minuten hinsetzen und einfach mal abschalten kann ohne dass einen die unerträgliche Getriebenheit und Rastlosigkeit dazu zwingt, irgendetwas zu machen, umherzulaufen, seine Beine zu bewegen, obwohl man eigentlich nur entspannen will! Reisen, nicht möglich, da sitzen im Auto oder Flugzeug nicht möglich, einen Beruf erlernen und ausüben, nicht möglich, da sitzen in einer Vorlesung oder im Büro nicht möglich... ein zugegeben fiktiver Fall, aber es gibt 23 Jahre alte Menschen deren Leben genau so aussieht, die eine tardive Akathasie für den Rest ihres Lebens ertragen müssen, wenn auch sehr selten. Und nun meine Frage: Hat dieser Mensch eine Zukunft? Vielen Dank für Ihre hoffentlich ehrliche Antwort!

Liebe Grüße
Neuroleptika machen schlank
( Tictac 2Kalorien, Neuroleptika 0 Kalorien)
Was ist schlimmer: Schizophrenie-Symptome oder Neuroleptika-Nebenwirkungen?
4 Montag, den 11. November 2013 um 11:02 Uhr
Navigator-Medizin-Redaktion
Hallo Illusionen,

in einem geben wir Ihnen 100%ig Recht: Die entscheidende Frage ist, ob die Schizophrenie-Symptome das Risiko von Neuroleptika-Nebenwirkungen rechtfertigen. Und das sollte im besten Falle jeder selbst entscheiden.
Aber vorher weiß man halt nicht, ob die Nebenwirkungen in schlimmer Weise auftreten, aber die Schizophrenie und die damit einhergehenden Nebenwirkungen sind da. Da würden sich ganz sicher viele auch aus freien Stücken für die Behandlung entscheiden, weil sie (nicht ohne Grund) guter Hoffnung sind, dass die Medikamente nicht so dramatische Nebenwirkungen haben werden. Erst hinterher weiß man dann, ob die Entscheidung richtig war, wenn man das überhaupt jemals wissen kann.

Außerdem möchten wir mit einem Missverständnis aufräumen: Wir sind weder Vertreter irgendeines Unternehmens, das solche Medikamente herstellt, noch wollen wir in irgendeine Richtung beeinflussen. Wir halten es nur für unsere Aufgabe, nicht nur die Nebenwirkungen von Medikamenten zu beschreiben, sondern auch deren potentiellen Nutzen.

Viele Grüße
Die Navigator-Redaktion
Nachtrag der Redaktion
3 Sonntag, den 10. November 2013 um 19:37 Uhr
Illusionen
Hallo,
Sie haben doch selbst erkannt, dass solche Nebenwirkungen, wenn sie auftreten, extrem belastend sein können. Da stellt sich mir dann die Frage, ob dies aber letztendlich Ihrer Meinung nach toleriert werden muss, denn ansonsten müsste doch die Konsequenz aus der Erkenntnis dieses möglichen Belastungsfaktors die Ablehnung dieser Medikamente sein? Auch das Argument, dass diese Nebenwirkungen sehr selten auftreten ist etwas irritierend, da es mir ja herzlich egal sein kann wenn ich einer dieser Ausnahmen bin die es dann doch trifft. Da hilft es mir dann auch nicht wenn 1000 Leute vorher ohne Nebenwirkungen behandelt wurden. Ich denke nicht, dass es eine Unterscheidung geben dürfte wie häufig so etwas ist, sondern lediglich wie schwer und wenn es auch nur einen von 1000 trifft und die mögliche Symptomatik aber so schwerwiegend ist, dass es lebenslange schlimme Qualen für den Betroffenen bedeutet, dann ist auch einer schon ein Betroffener zuviel!! Auch in Ihrem Kommentar finde ich es doch recht zynisch, wenn man behauptet, ein Therapieversuch ist es wert, denn die Nebenwirkungen treten ja nicht ímmer so massiv auf und es sollte nicht soweit gehen eine Therapie abzulehnen, denn solch ein Ende und wenn es auch nur sehr selten vorkommt, sollte zu einer Ablehnung führen, denn wie ich schon erwähnt habe, ist dieser Zustand in keinster Weise tolerabel. Ich würde ja auch nicht auf die Idee kommen, dass zum Besipiel eine Querschnittslähmung als Nebenwirkung irgendeines Medikamentes tolerierbar ist, solche Medikamente würden sofort wieder vom Markt verschwinden, warum die Neuroleptika noch da sind, ist ein Skandal! Mich würde sehr interessieren, welche Antwort sie einem Betroffenen geben, wenn dieser nach einer missglückten Behandlung in Ihrer Praxis steht und sie fragt wie er denn jetzt weiterleben soll? Sind die Symptome einer schlimmen Schizophrenie schlimmer als die Symptome dieser Neuroleptika? Das ist die entscheidende Frage und wenn sich ein Patient bewusst für eine Therapie entscheidet, dann nun gut, denn er muss die Folgen ertragen und das es viele schlimme Dinge auf der Welt gibt, dafür können Sie ja auch nichts, aber durch solche Artikel eine neutrale Meinungsbildung zu beeinflussen, vor allem wenn man suggeriert, dass die Gefahr überschaubar ist, halte ich für sehr bedenklich.
Da hast Du Recht
2 Montag, den 12. August 2013 um 11:51 Uhr
Redaktiion
Hallo,

das stimmt, die Antwort ist missverständlich. Unsere Autorin meinte es eher so, dass es falsch wäre, aus Angst vor Nebenwirkungen auf die Einnahme von Medikamenten zu verzichten. Und damit liegt sie sicher richtig.

Aber das ändert nichts daran, dass solche Spätdyskinesien, wenn sie auftreten und dann wirklich nicht mehr weggehen, natürlich extrem belastend sind.

Trotzdem stellt sich zu Beginn einer Behandlung immer die Frage, was höher zu bewerten ist: Der Versuch, das Fortschreiten der Erkrankung und eine Eskalation der psychischen Symptome einzudämmen, oder die Nebenwirkungen einer solchen Behandlung von vornherein auszuschließen, in dem man gar nicht oder nur sehr zurückhaltend behandelt.
Das kann man nur selbst entscheiden, aber wir sind der Ansicht, dass dann der Therapieversuch besser ist, denn Nebenwirkungen treten ja nicht immer so massiv auf. Und aus diesem Denken heraus wollte unsere Autorin die Angst eher nehmen.

Alles Gute und liebe Grüße
die Navigator-Redaktion
Angst vor Nebenwirkungen
1 Sonntag, den 11. August 2013 um 16:37 Uhr
Illusionen
Ich finde das unglaublich, was ich hier bislang für Antworten gelesen habe! Sollte man Angst vor Nebenwirkungen haben? Die Antwort: NEIN,...
Welche Spätfolgen können eintreten? Sogenannte Spätdyskinesen! Therapeutisch sind diese nicht zu beeinflussen und machen den betroffenen Menschen das Leben zur Qual! Ich denke, Nebenwirkungen wie lebenslange unwillkürliche Muskelzuckungen im Gesicht, zwanghaftes Zunge rausstrecken, etc. sind Nebenwirkungen, vor denen man durchaus Angst haben sollte, denn wenn sie nach Jahren der Einnahmen auftreten und nicht mehr weggehen, dann ist das Leben schlichtweg vorbei!! Eigene Erfahrungen! Das ist kein lebenswertes Leben mehr, aber habt bloß keine Angst vor diesen Nebenwirkungen wenn die Ärztin es sagt, unfassbar. Aber so was kann man leicht behaupten wenn man mit den Konsequenzen nicht leben muss!!