Was sind Spätdyskinesien?

Spätdyskinesien gehören zu den möglichen Folgen einer langjährigen Einnahme von Neuroleptika. Es handelt sich um unwillkürliche Bewegungsabläufe oder Zuckungen, häufig im Gesicht. Typisch sind zum Beispiel das wiederholte Ausstrecken der Zunge, Schmatzen oder Grimassen ziehen. Aber auch Zuckungen in Armen und Beinen können auftreten.

Spätdyskinesien können ausgesprochen belastend sein. Insbesondere die unwillkürlichen Bewegungen im Gesicht sind extrem frustrierend, weil sie wie aus dem Nichts (und immer im falschen Augenblick) auftreten und man sie praktisch nicht beeinflussen kann. Hinzu kommt, dass diese Nebenwirkungen auch therapeutisch kaum zugänglich sind, zumindest nicht, wenn sie schon lange bestehen.

Spätdyskinesien treten häufiger bei der Behandlung mit älteren Neuroleptika auf. Deshalb verschreiben viele Ärzte heute lieber neuere, sogenannte atypische Neuroleptika, die insgesamt ein günstigeres Nebenwirkungsprofil aufweisen.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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Kommentare (11)
Spätdyskinesie
11 Mittwoch, den 29. Juni 2016 um 14:30 Uhr
Karl
Seit 1998 Spätdyskinesie im Nacken, kann auch Taxilan der Auslöser sein?
Habe ich eine Dyskinesie
10 Mittwoch, den 01. Juli 2015 um 04:54 Uhr
Cora29
Ich habe eine Behandlung mit einen Neuroleptika gehabt, das bekannt ist für Nebenwirkungen, die nicht mehr weggehen. Ich hatte erst unwillkürliche Bewegungen im Kopfbereich, durch ein Medikament wurde es nur verschoben, mittlerweile kommt hinzu: nicht laufen können und linke Hand krampft, zudem zeitweise Zufallen eines Auges, was dann erstmal nicht zu öffnen ist.
Kann das eine Spätdsykinesie sein?
Tardive dystonie, Tardive dyskinesie
9 Dienstag, den 25. November 2014 um 11:19 Uhr
Frank
Hallo. Sind tardive Dystonie und tardive Dyskinesie das gleiche? Wo liegt der Unterschied? Was ist ein frühes Zeichen von Dystonie von Neuroleptika? Bei Dyskinesie kann man ja an der Zunge sehen, ob man Dyskinesie hat. Ist das auch bei Dystonie so?
Gründe unklar
8 Montag, den 17. November 2014 um 20:15 Uhr
Redaktion Navigator-Medizin Schizophrenie 5
Hallo Markus,

warum Neuroleptika noch Jahre nach der Einnahme so schwere Nebenwirkungen verursachen können, ist nicht abschließend geklärt, hängt aber wohl mit ihrem tiefgreifenden Einfluss auf den Botenstoff-Austausch im Gehirn zusammen.

Leider können wir jetzt aber keine weiteren Fragen mehr beantworten, das übersteigt unsere Kapazitäten. Dies hier dient eher der Kommentierung der Leser.

Viele Grüße
Ihr Redaktionsteam
Frage
7 Montag, den 17. November 2014 um 19:45 Uhr
Markus
Hallo. Wie kann das sein, dass diese Spätdyskinesien noch Jahre nach dem Absetzen kommen können? Wenn man keine Medikamente mehr nimmt, kann das Gehirn ja nicht mehr geschädigt werden.

Haben sie auch eine e-mail-Adresse, wo ich Fragen stellen kann?
Zungentest nur ein Anhaltspunkt
6 Montag, den 17. November 2014 um 19:03 Uhr
Redaktion Navigator-Medizin Schizophrenie 4
Hallo Marcus,

der Zungentest ist allenfalls ein Anhaltspunkt. Auch wenn mit der Zunge alles bestens funktioniert, ist also nicht ausgeschlossen, dass man noch ein Problem mit Dyskinseien bekommt. Gleichwohl ist eine gut kontrollierbare Zunge zumindest ein Indiz, das alles okay ist.

Viele Grüße
Jörg Zorn
Mit Zungentest läßt sich eine Dyskinesie früh feststellen
5 Montag, den 17. November 2014 um 17:09 Uhr
Markus
Hallo, auf einer Internet-Seite stand: (Als frühes Zeichen der Neuroleptika-bedingten Dyskinesie gelte die extreme Unruhe der Zunge. Die Betroffenen seien nicht in der Lage, die Zunge zehn Sekunden gerade herauszustrecken). Heißt das, wenn man seine Zunge ohne Probleme 10 Sekunden lang rausstrecken kann, dass man keine Spätdyskinesien hat?
Hier die seite
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/article/379920/zungentest-laesst-dyskinesie-frueh-feststellen.html
Risperdal und Spätdyskinesien
4 Sonntag, den 16. November 2014 um 13:19 Uhr
Redaktion Navigator-Medizin Schizophrenie 2
Hallo Markus,

offenbar ist das Risiko vergleichsweise gering, aber wir kennen nicht die exakten Daten.
Schauen Sie mal hier:
http://www.dr-gumpert.de/html/risperdal.html
und
http://www.infomed.ch/pk_template.php?pkid=410

Viele Grüße
Ihre Redaktion
Frage
3 Sonntag, den 16. November 2014 um 11:49 Uhr
markus
Hallo. Wie hoch ist das Risiko bei Risperdal, solche Tardive Dyskinesien zu bekommen? Bei 1 Jahr Einnahme 2 mg am Tag?
Spätdyskinesien teilweise noch Jahre später
2 Samstag, den 15. November 2014 um 07:41 Uhr
Redaktion Navigator-Medizin Schizophrenie 1
Hallo Markus,

leider stimmt das. Mitunter können diese Nebenwirkungen noch Jahre bis sogar Jahrzehnte nach der Medikamenteneinnahme auftreten. Allerdings passiert das in der Mehrzahl der Fälle nicht.
Die Gefahr ist deutlich größer bei den älteren Neuroleptika. Bei den neueren Substanzen ist das Risiko nicht gleich null, aber zumindest deutlich reduziert.

Viele Grüße
Ihre Redaktion
Frage
1 Freitag, den 14. November 2014 um 22:51 Uhr
Markus
Hallo. Ich habe mal gelesen, dass man Spätdyskinesien (Tardive dyskinesien) noch Jahre nach dem Absetzen bekommen kann. Kann das sein?
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