Verschwinden die Nebenwirkungen von Neuroleptika nach dem Absetzen wieder?

Treten Nebenwirkungen auf, ist mit einem Abklingen der Beschwerden nach dem Absetzen der Medikamente zu rechnen. Ausnahme sind die sogenannten Spätdyskinesien, die nach Absetzen eines Neuroleptikums auftreten können.

Spätdyskinesien sind unwillkürliche Muskelzuckungen und Körperbewegungen, die therapeutisch behandelt werden sollten. Neuere Neuroleptika verursachen seltener Spätdyskinesien.

Hier finden Sie einen umfassenden Überblick zum Thema:
Haben Neuroleptika Nebenwirkungen?

Autorin: Dr. med. Julia Hofmann

Nachtrag der Redaktion:

Ein Leser hat in den Kommentaren unten zurecht darauf hingewiesen, dass die Spätdyskinesien in den meisten Fällen kaum zu behandeln sind. Die beste Chance ist noch, sie rechtzeitig zu erkennen und die auslösenden Neuroleptika abzusetzen. Aber das gelingt selten, weil die Spätdyskinesien oft zu spät erkannt werden. Es gibt dann zwar auch noch Therapieversuche mit Dopamin-ähnlichen Medikamenten wie Lisurid oder Pergolid (normalerweise eher in der Parkinson-Behandlung eingesetzt) oder anderen Wirkstoffen, die sich auf Bewegungsabläufe auswirken (Botox, Tizanidin u.a.). Aber das sind alles reine Symptomlinderer, die das eigentliche Problem nicht beseitigen.

So bleibt das frustrierende Fazit: Spätdyskinesien sind, wenn sie schon lange bestehen, praktisch unheilbar. Man kann dann nur versuchen, ihre Ausprägung so gut es geht, einzudämmen, wobei man auch hier gut abwägen muss, denn Bewegungs-beeinflussende Medikamente wie Botox sind auch nicht ohne Nebenwirkungen.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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Kommentare (9)
Neuroleptika
9 Montag, den 16. September 2019 um 16:34 Uhr
Kritiker
Meine Empfehlung: Finger weg!
unterschiedlicher Verlauf bei Dystonien
8 Dienstag, den 18. November 2014 um 07:09 Uhr
Redaktion Navigator-Medizin Schizophrenie
Hallo Sabine,

beides ist möglich. In der Regel gehen die Dystonien wieder zurück. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Beschwerden bestehen bleiben, zumindest teilweise.

Viele Grüße
Ihr Navigator-Team
Dystonie
7 Montag, den 17. November 2014 um 22:57 Uhr
sabine
Gehen Dystonien nach Absetzen des Medikaments zurück oder bleiben sie?
Verschwinden die Nebenwirkungen von Neuroleptika nach dem Absetzen wieder?
6 Samstag, den 27. September 2014 um 01:29 Uhr
Kreatur
So ist das also!!!! Zur Behandlung einer einzelnen Krankheit wird dem Patienten das Risiko von oft mehreren gefährlichen Nebenwirkungen zugemutet????
Differenzierung notwendig
5 Montag, den 11. November 2013 um 11:10 Uhr
Redaktion Navigator
Hallo Peter,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Soweit es um Spätdyskinesien geht, haben Sie sicher recht. Deshalb hatten wir oben auch noch einen Kommentar druntergesetzt.
Allerdings gibt es ja auch noch andere Nebenwirkungen, die zwar auch sehr belastend sein können, aber tatsächlich wieder verschwinden. Und die Ursprungsfrage war ja sehr allgemein formuliert.
In weiteren Beiträgen zu diesem Thema werden wir versuchen, hier klarer zu differenzieren.

Viele Grüße
J. Zorn vom Navigator-Team
Neurodegeneration
4 Sonntag, den 10. November 2013 um 19:50 Uhr
Peter
Leider werden solche Nebenwirkungen, obwohl es bewiesen ist dass es sie gibt, nicht erwähnt und auch bei Nachfrage verleugnet! Man darf eben nicht vergessen, würden Psychiater Neuroleptika kritisch sehen und dies auch öffentlich kundtun, würden sie an dem Ast sägen auf dem sie sitzen, denn wenn Psychiater keine Neuroleptika mehr verschreiben würden, könnte die Hälfte der Patienten zuhause bleiben und vier Wochen später könnte die Ärztin ihre Praxis schließen, ein Schelm wer Böses dabei denkt! Zu ihrem Nachtrag, Herr Dr.Zorn: Ihr Kommentar zeigt doch sehr pessimistische Aussichten wenn sprichwörtlich das Kind erst einmal im Brunnen liegt, wieso dennoch weiterhin die Meinung vertreten wird, diese ,,Therapie" zu machen und diese Neuroleptika zu nehmen, macht mich sprachlos. Das ist mein frustrierendes Fazit: Sie empfehlen eine Therapie, dessen Folgen nicht zu verhindern sind und die verzweifelten Behandlungsversuche zum Scheitern verurteilt sind. Vielleicht sollten sie darüber nachdenken ob es wirklich noch angebracht ist, die Äußerung: "Spätdyskinesien sind unwillkürliche Muskelzuckungen und Körperbewegungen, die therapeutisch behandelt werden sollten." der Frau Dr. Hoffmann nicht doch korrigiert werden sollten, denn wie sie selbst feststellten, existiert KEINE Behandlung!
Merke nichts davon!
3 Montag, den 28. Oktober 2013 um 03:34 Uhr
Mercedes
Ich habe meine Medikamente vor 7 Wochen abgesetzt, mir geht es kein bißchen besser, mir fehlt der Antrieb, meine ganzen Interessen, Gefühle und Eigenschaften die vorher da waren, sind seitdem ich diese Medikamente nahm, komplett verschwunden... Ich weiß nicht mehr weiter, ob es irgendwas zur Entgiftung gibt, habe das Gefühl das mir seitdem Dopamin und Serotonin fühlt, ich war bevor ich diese Medikamente nahm, das komplette Gegenteil von jetzt, im positiven Sinne und werde das auf keinen Fall so hin nehmen, weiterhin so bleiben zu müssen.
Neurodegenerierung
2 Montag, den 30. September 2013 um 15:30 Uhr
Christine
Es gibt noch mehr Nebenwirkungen, die nur leider ganz selten erwähnt werden. Die Neurodegeneration finde ich ganz besonders schlimm. Und dieser Zustand verschwindet nach dem Absetzen nicht einfach so. Auch diese wird auf dem Beipackzettel nicht erwähnt. Dafür müssten die Pharmaindustrie eigentlich verklagt werden.
http://www.antipsychiatrieverlag.de/artikel/gesundheit/pdf/nl-debatte.pdf
behandeln, aber wie?
1 Donnerstag, den 15. August 2013 um 23:51 Uhr
Peter
Das finde ich ja schön, dass diese Spätdsykinesien behandelt gehören, nur dumm dass es bislang noch keine Therapie gibt!!! Aber wie immer zählt zumindest der Wille und solange man betroffenen Patienten erzählt, dass man die Spätdsykinesien behandeln sollte, ist ja alles wunderbar, mit dieser Gewissheit lassen sich die Beschwerden auch bess er ertragen( Ende der Ironie!)
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