Hilft Risperdal auch bei anderen Erkrankungen?

Allerdings. Risperidon (Risperdal®) hilft nicht nur bei Schizophrenie, sondern hat sich auch bei manischen Episoden im Rahmen von bipolaren Erkrankungen bewährt. Außerdem kann es bei einer sehr sensiblen Gruppe gegeben werden: bei älteren Menschen mit Alzheimer-Demenz.

Mit äußerster Vorsicht

Risperidon ist sogar explizit dafür zugelassen. Das ist keineswegs selbstverständlich. Gerade bei älteren Menschen dürfen antipsychotische Medikamente nur sehr zurückhaltend und vorsichtig gegeben werden. Das Risiko für Nebenwirkungen an Herz, Kreislauf und Lunge ist vor allem bei entsprechenden Begleiterkrankungen erheblich. Auch die Sterblichkeit ist unter Antipsychotika im Alter erhöht.

So ist auch bei Risperdal® Vorsicht geboten. Bei schweren psychotischen und für die Betroffenen selbst oft quälenden Symptomen oder auch bei stark aggressivem Verhalten mit der Gefahr einer Selbst- oder Fremdschädigung kann die kurzfristige Gabe jedoch hilfreich und lindernd sein. Die Dosis wird anfangs möglichst niedrig gewählt und sehr behutsam gesteigert. Die Verordnung sollte regelmäßig überprüft und hinterfragt werden. Langzeitbehandlungen sind bei älteren Menschen möglichst zu vermeiden.

Ganz anders übrigens bei der Schizophrenie. Hier ist Risperdal® gerade für eine längerfristige Behandlung sehr gut geeignet.

Manische Phasen wirksam abfangen

Aber zurück zu den anderen Erkrankungen, bei denen das Medikament hilft. Bipolare Störungen sind eine therapeutische Herausforderung. Das Schwanken zwischen Euphorie und ungezügelter Ausgelassenheit auf der einen sowie tiefer Betrübnis und Verzweiflung auf der anderen Seite machen die Erkrankung zu einem wahren Wechselbad der Gefühle für die Betroffenen.

Zumindest in den manischen Phasen kann Risperidon hier jedoch akut Abhilfe schaffen. Die Dosis entspricht dabei in etwa der antipsychotischen Behandlung und sollte 6 mg am Tag nicht überschreiten.

Schaden abwenden

Zugelassen ist Risperdal® schließlich auch für eine weitere Indikation: zur kurzzeitigen Behandlung von bis zu 6 Wochen bei geistig behinderten Kindern und Jugendlichen mit schweren Impulskontrollstörungen und stark aggressivem Verhalten, die sich selbst und anderen Menschen Schaden zufügen können.

Natürlich ist die Verordnung hier sehr genau abzuwägen und darf immer nur für kurze Zeit erfolgen. Man sollte aber auch nicht außer Acht lassen, welchen Fortschritt und Segen auch für die Betroffenen die Einführung antipsychotischer Medikamente bedeutete, mit denen schwere, quälende und mitunter gefährliche Unruhezustände erstmals wirksam und gleichzeitig schonend eingedämmt werden konnten.

Ein zukünftiger Alleskönner?

Risperidon könnte in Zukunft auch noch bei anderen Erkrankungen und psychischen Störungen zum Zuge kommen. Derzeit muss es sich noch bewähren. In vielen Studien zeigte es aber bereits vielversprechende Wirkungen.

In folgenden Situationen könnte das Medikament in Zukunft ebenfalls eingesetzt werden:

  • bei schwer therapierbaren Depressionen als Augmentation (Verstärkung der bisherigen antidepressiven Medikation)
  • bei drogeninduzierten Psychosen
  • bei gleichzeitiger Schizophrenie und Abhängigkeitserkrankungen
  • bei Autismus
  • bei Tic-Störungen
  • bei posttraumatischen Belastungsstörungen
  • bei psychotischen Symptomen im Rahmen von Persönlichkeitsstörungen
  • bei schweren Zwangsstörungen

Das Potential von Risperidon ist also groß. Schon heute ist es ein vielfach bewährtes Medikament, das in der Regel gut verträglich und leicht zu handhaben ist.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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