Wann darf man Melperon nicht einnehmen?

Melperon gehört zu den konventionellen Antipsychotika und zählt dabei zu den niederpotenten Wirkstoffen. Es kommt bei den verschiedensten Erkrankungen und Störungsbildern zum Einsatz. Aber nicht bei jedem.

Beruhigend und gut zum Schlafen

Schlafstörung, Unruhe, Verwirrung – hier ist Melperon gut geeignet. Es wirkt weniger antipsychotisch als vielmehr beruhigend und entspannend. Oft wird es auch einfach abends zum Schlafanstoß gegeben. Vor allem bei älteren Menschen mit Schlaf- und Verhaltensstörungen ist das allgemein verträgliche Mittel eine gute Wahl.

Aber hier fangen manche Bedenken auch schon an. Bei Verhaltensauffälligkeiten von Demenzkranken zum Beispiel ist sich die Fachwelt nicht ganz einig, ob Melperon das geeignete Präparat ist. Hier muss man individuell abwägen und manchmal auch einfach vorsichtig ausprobieren, was für die Betroffenen am besten ist.

Wann Melperon nicht geeignet ist

Kann man im Falle der Demenz noch darüber streiten, ist bei einer schweren Leberschädigung jedoch klar: Hier darf das Medikament nicht gegeben werden. Die Leber muss die Substanz fast ganz allein abbauen. Wenn sie ohnehin schon stark vorgeschädigt ist, ist sie damit nun restlos überfordert.

Es gibt Melperon auch als fructosehaltigen Saft. Bei einer erblichen Fructoseintorelanz ist zumindest diese Darreichungsform dann auch nicht das richtige.

Ein drittes Ausschlusskriterium für die Einnahme des Medikaments ist ein sogenanntes malignes neuroleptisches Syndrom. Diese gravierende Nebenwirkung jeglicher Antipsychotika und auch mancher Antidepressiva ist lebensbedrohlich und bedarf einer sofortigen intensivmedizinischen Betreuung. Danach sind Melperon und andere antipsychotischen Substanzen tabu. Das Risiko, dass ein solcher Notfall nochmals eintritt, ist zu groß.

Eine Frage der Abwägung

Abwägen muss der Arzt bei Vorerkrankungen des Herzens. Grundsätzlich ist Melperon für Herz und Kreislauf kein größeres Problem, vor allem in niedriger Dosierung. Wenn aber doch mehr benötigt wird und das auch noch in kurzer Zeit (schnelle Aufdosierung), kann das bereits geschwächte Herz überlastet sein. Auch EKG-Veränderungen können unter Melperon auftreten und ein ohnehin unrhythmisches Herz weiter aus dem Takt bringen.

Wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen, muss der Arzt das genau wissen. Denn Melperon verträgt sich nicht mit allem. Andere Wirkstoffe, die ebenfalls beruhigen und schlafanstoßend wirken, aber auch ganz normale Schmerzmittel können die Wirkung verstärken und bis hin zu einer Atemblockade führen. Auch die Kombination mit bestimmten Antidepressiva muss sorgfältig abgewogen werden.

Insgesamt ist Melperon zwar nicht ganz unbedenklich (kein Antipsychotikum ist das), gerade in geringer Dosis aber meist gut verträglich. Natürlich muss die Gabe im Einzelfall immer gründlich überlegt sein, vor allem bei älteren Menschen mit bestehenden Vorerkrankungen. Es gibt aber nur wenige Fälle, in denen die niederpotente Substanz wirklich nicht gegeben werden darf.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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