Wann darf man Haloperidol (Haldol) nicht einnehmen?

Als hochwirksames Antipsychotikum ist Haldol vor allem bei akuten Psychosen ein bewährtes und nach wie vor geschätztes Mittel. In manchen Situationen darf es allerdings nicht gegeben werden.

Haldol wird in der Psychiatrie schon lange eingesetzt. In den 50er Jahren entdeckt, hat es sich vor allem zur Behandlung der Schizophrenie, aber auch anderer Psychosen, akuter Manien und Erregungszustände durchgesetzt.

Es kann als Tablette oder in Tropfenform geschluckt, aber auch als Injektion in den Muskel oder die Vene gegeben werden. Für eine längerfristige Behandlung gibt es auch Depotpräparate, die den Vorteil haben, über längere Zeit einen ausreichenden Wirkspiegel aufrechtzuerhalten.

Bei Morbus Parkinson tabu

Vorsicht ist dabei nicht nur hinsichtlich der möglichen Nebenwirkungen geboten, die vor allem die Bewegungsabläufe betreffen, sondern auch bei bestimmten Vorerkrankungen und in Zusammenhang mit anderen Medikamenten.

Absolut kontraindiziert ist Haloperidol beim Morbus Parkinson. Die Erkrankung ist in gewisser Weise der Gegenpart zu Psychosen, da bei ihr nicht zu viel, sondern zu wenig an Dopamin, einem wichtigen Botenstoff des Nervensystems, vorhanden ist. Die Behandlung ist entsprechend entgegengesetzt.

Während bei psychotischen Erkrankungen Medikamente gegeben werden, die den Ansturm an Dopamin eindämmen, kommen beim Morbus Parkinson Substanzen zum Einsatz, die die Wirkung von Dopamin verstärken. Es dürfte daher plausibel sein, dass Haldol bei der degenerativen Gehirnerkrankung keine gute Wahl ist.

Es gibt noch einen weiteren Fall, in denen sich Haloperidol verbietet: das sogenannte maligne neuroleptische Syndrom. Diese wohl schwerste Nebenwirkung, die unter sämtlichen Antipsychotika auftreten kann, ist selten, aber lebensbedrohlich. Wenn jemand einen solchen Notfall überstanden hat, darf er kein Haldol bekommen.

Kritisch: andere Vorerkrankungen und Medikamente

Neben diesen Tabus muss man bei anderen Erkrankungen und Störungen im Einzelfall genau abwägen, ob die Behandlung mit dem hochpotenten Antipsychotikum gerechtfertigt ist. Dazu zählen z.B. eine stark eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion. Auch Vorerkrankungen am Herzen oder Kreislaufprobleme müssen zuvor gründlich abgeklärt werden. Kritisch können auch epileptische Krampfanfälle in der Vorgeschichte sein.

Und dann sind da noch die vielfältigen Wechselwirkungen, die Haldol mit anderen Medikamenten eingehen kann. Das liegt daran, dass die Substanzen zum Teil über denselben Stoffwechselweg abgebaut werden. Verantwortlich dafür sind bestimmte Proteine, also Eiweißstoffe, die Substanzen im Körper über biochemische Reaktionen umwandeln, so dass sie besser ausgeschieden werden können. Konkurrenz können Haldol dabei z.B. manche Antidepressiva, Antikonvulsiva (Mittel gegen Epilepsie) oder auch bestimmte Antibiotika machen.

Haldol und Alkohol – keine gute Kombination

Auch Schmerzmittel, beruhigende Medikamente oder Mittel gegen Allergien müssen berücksichtigt werden. Sie können die Wirkung von Haldol verstärken, was bis zu einer gefährlichen Blockade der Atmung führen kann. Heikel ist außerdem die Kombination mit Alkohol. Haloperidol und Alkohol verstärken sich gegenseitig. Bei einer schweren Alkoholvergiftung ist daher ebenfalls äußerste Vorsicht geboten.

Im Zweifelsfall gilt es, unter Abwägung der Risiken dem Betroffenen rasch zu helfen. Dabei müssen manchmal auch Nebenwirkungen und Zwischenfälle in Kauf genommen werden. Eine akute Psychose ist ein Notfall und muss umgehend behandelt werden. Haldol gilt dabei nach wie vor als Mittel der ersten Wahl. Herauszufinden, wer davon profitiert und wem es eher schadet, ist keine leichte Aufgabe und liegt im Ermessen des Arztes.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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