Navigator-Medizin.de
   X   

[Krankheiten von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Medikamente von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Diagnostik & Laborwerte von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Therapieverfahren von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Gesundheitsthemen von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Symptome von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   
Suche

Wie wirkt Haloperidol (Haldol) bei Schizophrenie?

Haldol ist ein stark wirksames Antipsychotikum. Vor allem in psychiatrischen Notfallsituationen kommt es zum Einsatz und kann hier akute psychotische Symptome wirksam eindämmen.

Abwehr der Dopaminflut

Die Wirkung von Haloperidol beruht hauptsächlich auf einer Blockade von Dopaminrezeptoren. Der Botenstoff Dopamin wird in erster Linie für die sogenannte Plussymptomatik bei Schizophrenien verantwortlich gemacht, die sich in Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Erregungszuständen äußern kann.

Wenn die Ankerstellen an den Nervenzellen, an denen sich Dopamin anheftet, belegt sind, kann es seine Wirkung nicht mehr entfalten. Wie ein Filter legen sich Antipsychotika schützend um die Nervenzellen, um sie gegen den massiven Ansturm der Botenstoffe abzuschirmen.

Im Notfall als Spritze

Haldol bindet besonders stark und effektiv an die Rezeptoren. Einmal dort angelangt dringt so schnell kein Dopamin mehr hindurch. Das erklärt die gute und rasche Wirkung des Medikaments.

Vor allem als Injektion, die direkt in den Muskel oder auch in die Vene gegeben werden kann, wirkt es innerhalb kürzester Zeit, was vor allem in akuten Krisenfällen wertvoll ist und alle Beteiligten schützen kann. Denn eine akute Psychose kann nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für sein Umfeld gefährlich werden und muss rasch durchbrochen werden.

Langfristig in niedrigen Dosen

Zum Glück ist das selten und kommt meist nur in psychiatrischen Akutkliniken vor. Aber Haloperidol kann auch als Erhaltungstherapie nach einer akuten Krankheitsepisode in Tablettenform oder als Tropfen eingenommen werden. Auch Depotpräparate für den Muskel stehen zur Verfügung. Die Dosis ist dann jedoch weitaus geringer als im Notfall.

Haldol sollte, wie alle Antipsychotika, grundsätzlich so gering wie möglich dosiert werden, gerade bei einer längerfristigen Behandlung. Denn eine höhere Dosierung verstärkt nicht unbedingt die Wirkung, wohl aber die Nebenwirkungen.

Die hohe Affinität von Haldol zum Dopaminrezeptor hat nämlich leider auch seine Schattenseiten. Es kann insbesondere zu Bewegungsstörungen kommen, die schon bald nach Therapiebeginn, aber auch erst Monate bis Jahre danach auftreten können. Auch auf das Herz muss der Arzt, der Haldol verordnet, achten und regelmäßige EKG-Kontrollen erheben. Wird die Substanz hochdosiert in Muskel oder Vene gespritzt, muss der Betroffene an ein Gerät zur EKG-Aufzeichnung und Blutdruckmessung angeschlossen und kontinuierlich überwacht werden.

Differenziert eingesetzt gut vertretbar

Das hört sich alles sehr dramatisch an. Und tatsächlich gibt es bedrohliche Situationen, in denen der Arzt rasch handeln muss. Dabei sollte man sich jedoch bewusst machen, dass dahinter eine schwerwiegende Erkrankung und nicht das Medikament selbst steckt. So umstritten und nebenwirkungsreich Antipsychotika auch sind, so sind sie doch gerade in Krisenfällen weiterhin unverzichtbar. Genau hierin liegt auch die Stärke von Haldol.

Nichtsdestotrotz kommen einige Betroffene auch längerfristig gut mit dem Medikament zurecht. Durch seinen starken Hang zum Dopaminrezeptor lässt es andere Botenstoffe weitgehend außer Acht und ist daher in niedrigen Dosen verhältnismäßig gut verträglich.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

Inhaltsverzeichnis Top