Wieso sind bei Clozapin so viele Blutabnahmen und EKGs nötig?

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind unter dem Medikament Leponex® (Clozapin) unerlässlich. Nur so können Veränderungen des Blutbilds sowie Gefahren für Herz und Stoffwechsel frühzeitig erkannt werden.

Wenn bei Ihnen eine Behandlung mit Clozapin erwogen wird, muss Sie der Arzt zunächst einmal gründlich über die möglichen Nebenwirkungen und Gefahren aufklären. Besonders betroffen sind Blutzellen sowie das Herz.

Gefahr von Infektionen

Eine gefürchtete Komplikation unter Leponex® ist die sogenannte Agranulozytose. Dabei fällt die Anzahl an Granulozyten, die zu den weißen Blutkörperchen gehören und eine wichtige Funktion im körpereigenen Abwehrsystem einnehmen, drastisch ab. Für die Betroffenen kann das sehr gefährlich werden, weil sie Erregern schutzlos ausgeliefert sind. Bei den leisesten Anzeichen wie Fieber, Halsschmerzen oder Entzündungen muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Auf grippeähnliche Symptome müssen Sie, wenn Sie Clozapin einnehmen, auch deshalb achten, weil sie ein Anzeichen für einen weiteren schwerwiegenden Zwischenfall sein können: eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) oder -beutels (Perikarditis). Sie kann sich auch in einem schnellen oder arrhythmischen Herzschlag, Luftnot und Schmerzen in der Brust äußern.

Untersuchungen im Vorfeld

Diese Nebenwirkungen sind zum Glück selten, müssen aber im Auge behalten werden, um das Medikament ggf. schnellstmöglich abzusetzen und eine entsprechende Therapie in die Wege zu leiten. Daneben gibt es noch andere Risiken, die durch die engmaschigen Kontrollen überschaubar bleiben sollen.

Das bedeutet für Sie, dass Sie sich schon vor der Behandlung diversen Untersuchungen unterziehen müssen. In einem aktuellen Blutbild (nicht älter als 10 Tage) müssen ausreichend weiße Blutkörperchen nachgewiesen sein. Außerdem sollte das Blut auf bestimmte Herzparameter untersucht und ein EKG durchgeführt werden. Ggf. kann auch ein Ultraschall des Herzens sinnvoll sein.

Jede Woche zur Blutabnahme

Blutabnahme ClozapinBlutabnahme Clozapin

Vor allem in den ersten Wochen der Behandlung müssen Sie zahlreiche Blutentnahmen über sich ergehen lassen. Dabei geht es vor allem darum, die weißen Blutzellen im Blick zu behalten, um bei einem Abfall sofort reagieren zu können. 18 Wochen lang werden sie wöchentlich bestimmt, danach mindestens einmal im Monat. Auch, wenn das Medikament abgesetzt wird, erfolgen noch für weitere 4 Wochen danach Kontrollen.

Einen Monat lang wird zudem mindestens jeden zweiten Tag Ihr Blutdruck gemessen, Puls, Temperatur und Atemfrequenz bestimmt. Entzündungsmarker und andere Werte, die auf eine Entzündung des Herzens hindeuten könnten, werden zusammen mit den Blutzellen wöchentlich bestimmt. Der Arzt sollte Sie außerdem regelmäßig untersuchen und nach Beschwerden fragen.

Über das Blut werden darüber hinaus regelmäßig die Leber- und Nierenwerte sowie Blutzucker und -fette bestimmt.

Messung der Hirnströme

Vor und während der Behandlung steht schließlich noch ein EEG auf dem Untersuchungsplan. Die Ableitung der Hirnströme (ähnlich wie ein EKG, nur am Kopf) kann insbesondere Krampfanfälle, die unter Clozapin gehäuft auftreten, sichtbar machen.

Diese ganzen Untersuchungen sind zwar lästig, gewähren Ihnen aber eine größtmögliche Sicherheit. Nur, wenn Komplikationen schnell erkannt werden, können entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Unter diesen strengen Kontrollen ist der Einsatz von Leponex®, so heikel das Medikament auch sein mag, in bestimmten Fällen zu rechtfertigen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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