Wann wird Clozapin (Leponex) eingesetzt?

Bei allen Risiken und Gefahren ist Clozapin in manchen Situationen Gold wert. Bei Schizophrenien und anderen psychotischen Erkrankungen wirkt es oft auch dann noch, wenn vorherige Therapieversuche gescheitert sind.

Clozapin ist grundsätzlich nicht die erste Wahl in der Therapie psychotischer Störungen. Das liegt an den starken Nebenwirkungen, die es hervorrufen kann und an den zum Teil schwerwiegenden Komplikationen. Unter Leponex® sind daher stets umfassende Blutuntersuchungen und EKG-Kontrollen nötig, um Zwischenfälle frühzeitig zu erkennen und das Medikament ggf. wieder abzusetzen.

Die Stunde von Clozapin

Und dennoch möchte man dieses spezielle Antipsychotikum nicht missen. Eine Schizophrenie, die auf kein anderes Medikament anspricht, bessert sich womöglich unter Clozapin deutlich. Auch, wenn die akuten Beschwerden nachgelassen haben, aber eine anhaltende Freud- und Teilnahmslosigkeit (sogenannte Negativsymptome) zurückbleibt, kommt Leponex® in Frage.

Neben der Schizophrenie ist Clozapin auch für die Behandlung von Psychosen zugelassen, die im Rahmen eines Morbus Parkinson auftreten. Zumindest Hinweise für eine Wirksamkeit gibt es außerdem bei affektiven Erkrankungen wie Depressionen oder bipolaren Störungen.

Insgesamt ist Clozapin unter Abwägung aller Risiken und Nebenwirkungen in folgenden Situationen in Erwägung zu ziehen:

  • bei therapieresistenter Schizophrenie
  • bei anhaltender Negativsymptomatik
  • bei starken Bewegungsstörungen unter anderen Antipsychotika
  • bei sexuellen Funktionsstörungen durch andere Medikamente

Erst an dritter Stelle

Bei der Behandlung psychotischer Symptome geht der Arzt nach einem Stufenschema vor, das bestimmte Abläufe vorgibt. Leponex® wird dabei erst in Stufe 3 eingesetzt, wenn andere Medikamente nicht ausreichend wirken. Von einem "Therapieversagen" ist allerdings erst dann zu sprechen, wenn eine Substanz in ausreichender Dosierung auch nach etwa 6 Wochen keine oder eine zu geringe Wirkung zeigt.

Auch bestimmte Nebenwirkungen, insbesondere Bewegungsstörungen, können dazu führen, dass ein Antipsychotikum wieder abgesetzt werden muss. Vor einer Umstellung auf Leponex® sollte allerdings mindestens noch ein weiterer Wirkstoff aus einer anderen Substanzklasse für dieselbe Dauer ausprobiert werden (Stufe 2). Ggf. können auch erst noch zwei Medikamente miteinander kombiniert werden, bevor Clozapin zum Zug kommt.

Regelmäßige Kontrollen sind unerlässlich

Sie sehen, es kann eine Weile dauern, bis sich der Arzt zusammen mit Ihnen für Leponex® entscheidet. Und das aus gutem Grund. Der Wirkstoff birgt einige spezielle Risiken, die gravierende Folgen haben können. Bei keinem anderen Antipsychotikum müssen Sie sich über Wochen hinweg so oft Blut abnehmen lassen.

Und dennoch: Zum richtigen Zeitpunkt und unter den entsprechenden Vor- und Begleituntersuchungen bleibt Clozapin in den Händen eines erfahrenden Behandlers eine wertvolle Behandlungsoption.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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